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Vorbild oder schlechtes Beispiel?
Kindergärten in China: Die Expertin Prof. Dr. Renate Zimmer berichtet in der aktuellen ELTERN-Ausgabe exklusiv von ihren Vor-Ort-Erfahrungen


München (ots) - "Was ich bei den Chinesen vorbildhaft finde? Dass sie die frühe Bildung so ernst nehmen und übrigens auch die Ausbildung der Erzieherinnen professionalisiert haben - alle absolvieren ein Hochschulstudium. Dass sie bemüht sind, das Gruppengefühl der Kinder zu stärken. Und dass es ihnen immer wieder gelingt, mit bescheidenen Mitteln wunderbare Gelegenheiten zum Spielen und Lernen zu schaffen" - so fasst die Expertin Prof. Dr. Renate Zimmer in der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift ELTERN (10/2011, ab heute im Handel) ihre Eindrücke über Kindergärten in China zusammen.

Vorbild oder schlechtes Beispiel? Diese Frage stellen sich viele Deutsche, wenn über Erziehung in der Volksrepublik berichtet wird. Die Erziehungswissenschaftlerin Prof. Dr. Zimmer, die das Niedersächsische Institut für frühkindliche Bildung und Entwicklung leitet, macht seit Jahren Forschungsreisen nach China. Im ELTERN-Exklusiv-Interview erklärt sie die Unterschiede zu Deutschland: "In chinesischen Kindergärten wird genauso gespielt, gematscht, getobt und gebaut wie bei uns. Letzteres nimmt allerdings nicht so viel Raum ein. Der Anspruch, dass die Kinder etwas lernen und üben sollen, ist immer spürbar. Oft sprechen die Kindergarten-Erzieherinnen ausdrücklich von Unterricht, in dem Bewegung, Musik oder Sprache auf dem Programm steht."

Dahinter steckt der Gedanke, dass die Chinesen Leistung generell als etwas Positives sehen. Dazu gehört auch der bei uns belastete Begriff Disziplin. Prof. Zimmer: "Die Disziplin fällt besonders beim Essen auf. Wenn die Gruppe mittags vor ihren Reisschälchen sitzt, ist es erstaunlich still. Darauf achten die Erzieherinnen - und begründen es damit, dass die Kinder sich sonst verschlucken könnten."

Die Expertin hat festgestellt, dass es unter den chinesischen Frühpädagogen durchaus auch Selbstkritik gibt: "Sie ahnen, dass sie offener für Neues sein und ihren Kindern noch mehr Freiraum beim Spielen lassen müssen. Wenn chinesische Kollegen mich in Deutschland besuchen, sind sie immer sehr beeindruckt, was Kinder hier alles dürfen - auch dass die Eltern das zulassen und offenbar deutlich weniger Angst um ihre Kinder haben als chinesische Eltern."

Pressekontakt:

Andrea Wagner
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