bpa - Bundesverband privater Anbieter sozialer Dienste e.V.

Seniorenbetreuung in Hamburg: Senat erlaubt Billigbetreuung ohne Kontrollen
bpa kritisiert: Pflegedienste werden mit drakonischen Gesetzen und Kontrollen überzogen und Billiganbieter bevorzugt

Hamburg (ots) - Mit der jetzt veröffentlichten Verordnung für niedrigschwellige Betreuungs- und Entlastungsleistungen garantiert der Hamburger Senat höchstens Substandards bei den neuen Unterstützungen für Pflegebedürftige und deren Angehörige. Das kritisiert die Landesvorsitzende des Bundesverbandes privater Anbieter sozialer Dienste e. V. (bpa), Karin Kaiser. "Während sich die Betroffenen bislang auf die geprüfte Qualität von offiziell zugelassenen Pflegediensten verlassen konnten, fließen Leistungen aus der Pflegeversicherung künftig auch an Dienstleister, für die kaum Auflagen gelten und die ihrem wenig qualifizierten Personal nicht einmal den Pflegemindestlohn zu zahlen brauchen."

Damit werde prekären Arbeitsverhältnissen und einem Absinken der Betreuungsqualität in Hamburg Tür und Tor geöffnet. "Um einen Wettlauf um die billigste Betreuung auf Kosten der Qualität und zulasten der eingesetzten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu verhindern, hatten wir stets darauf gedrängt, für alle Anbieter von Betreuungs- und Entlastungsleistungen einheitliche Qualitäts- und Personalstandards einzuführen", erläutert Kaiser. Dem sei der Senat nun nicht gefolgt und habe gerade noch Schlimmeres verhindert, indem er selbstständige Einzelpersonen, die keinerlei Kontrollen unterliegen würden, von diesem Leistungsbereich ausgeschlossen habe.

"Mit der vorliegenden Verordnung geht der Senat nicht von der Perspektive der Pflegebedürftigen und ihrer Angehörigen aus, die eine hohe Qualität und gute Arbeitsbedingungen für die Mitarbeiter erwarten", so die bpa-Landesvorsitzende Kaiser. "Somit herrschen vollkommen ungleiche Bedingungen: Die Arbeit der Pflegedienste ist bestimmt durch viele Auflagen und Kontrollen sowie hohe Transparenz, während von den neuen Diensten der niedrigschwelligen Betreuungs- und Entlastungsleistungen kaum Transparenz eingefordert wird und Kontrollen fehlen - und das, obwohl sie einen Großteil derselben Leistungen wie die Pflegedienste erbringen", bemängelt Kaiser abschließend.

Der Bundesverband privater Anbieter sozialer Dienste e. V. (bpa) bildet mit mehr als 9.000 aktiven Mitgliedseinrichtungen (davon über 350 in Hamburg) die größte Interessenvertretung privater Anbieter sozialer Dienstleistungen in Deutschland. Einrichtungen der ambulanten und (teil-)stationären Pflege, der Behindertenhilfe und der Kinder- und Jugendhilfe in privater Trägerschaft sind im bpa organisiert. Die Mitglieder des bpa tragen die Verantwortung für rund 275.000 Arbeitsplätze und circa 21.000 Ausbildungsplätze (siehe www.youngpropflege.de oder auch www.facebook.com/Youngpropflege). Das investierte Kapital liegt bei etwa 21,8 Milliarden Euro.

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