bpa - Bundesverband privater Anbieter sozialer Dienste e.V.

Rainer Brüderle: Pflege braucht auch in Thüringen faire Rahmenbedingungen
Mitgliederversammlung des bpa Thüringen in Erfurt

Erfurt (ots) - Rainer Brüderle, Präsident des bpa Arbeitgeberverbandes, hat sich in Erfurt für eine faire Weiterentwicklung der Löhne in der Pflege ausgesprochen. Dazu brauche es vernünftige Rahmenbedingungen vonseiten der Politik und der Pflegekassen, sagte der ehemalige Bundeswirtschaftsminister auf der Mitgliederversammlung des bpa Thüringen in Erfurt.

Jede zweite ambulante oder stationäre Pflegeeinrichtung in Thüringen wird privat, meistens von Familienunternehmen, betrieben. Brüderle sowie Stephan Fauth, Hauptgeschäftsführer des Verbandes der Thüringer Wirtschaft, und die Vorsitzende des bpa Thüringen, Margit Benkenstein, diskutierten die Herausforderungen, vor denen die Pflegebranche steht.

Rainer Brüderle zeigte sich beeindruckt vom Engagement der Unternehmerinnen und Unternehmer in den mehr als 200 Einrichtungen in Thüringen: "Sie bilden mit ihrem sozialen Engagement und ihrer wirtschaftlichen Initiative eine zentrale Säule der wachsenden pflegerischen Versorgung im Lande und tragen das entsprechende unternehmerische Risiko - ohne Netz und doppelten Boden." Brüderle hob auch die Bedeutung der Unternehmen als Wirtschaftsfaktor hervor. In den letzten zehn Jahren hat sich die Zahl der Arbeitsplätze in der Pflegebranche in Thüringen fast verdoppelt. In den Einrichtungen des bpa Thüringen sind rund 6.500 Menschen in Arbeit und Ausbildung. Das investierte Kapital beträgt bereits jetzt etwa ein halbe Milliarde Euro.

Die Vorsitzende des bpa Thüringen, Margit Benkenstein, machte deutlich, dass sich die Pflege in Thüringen nur erfolgreich weiterentwickeln könne, wenn die Rahmenbedingungen stimmten: "Dazu gehören faire Löhne, eine schlanke Dokumentation und der Erhalt der eigenständigen Ausbildung in der Altenpflege. Gerade bei den Gehältern appellieren wir an die Pflegekassen, Entgelte für Pflegeleistungen zuzulassen, die sich am Westen orientieren. Sonst dürfen wir uns nicht wundern, wenn die Fachkräfte ihr Glück in anderen Bundesländern suchen. Von der Landesregierung wünschen wir uns, dass das Schulgeld für Azubis in privaten Altenpflegeschulen abgeschafft wird."

Ebenfalls auf Bundesebene kämpft der bpa für den Erhalt der eigenständigen Altenpflegeausbildung. Hier macht Brüderle deutlich: "Die Spannbreite der Berufe Krankenpflege, Kinderkrankenpflege und Altenpflege ist für einen gemeinsamen Beruf zu groß. Am Ende haben wir dann examinierte Pflegekräfte, die alles ein wenig und nichts richtig können. Es ist gut, dass sich die Landesregierung bereits gegen die Zusammenlegung ausgesprochen hat und der Bundestag den Gesetzesvorschlag noch einmal prüft." Ähnlich äußerte sich auch die Vizepräsidentin des bpa, Susanne Pletowski, in ihrem Grußwort.

Der Bundesverband privater Anbieter sozialer Dienste e. V. (bpa) bildet mit mehr als 9.000 aktiven Mitgliedseinrichtungen (davon mehr als 200 in Thüringen) die größte Interessen-vertretung privater Anbieter sozialer Dienstleistungen in Deutschland. Einrichtungen der ambulanten und (teil-)stationären Pflege, der Behindertenhilfe und der Kinder- und Jugendhilfe in privater Trägerschaft sind im bpa organisiert. Die Mitglieder des bpa tragen die Verantwortung für rund 275.000 Arbeitsplätze und circa 21.000 Ausbildungsplätze. Das investierte Kapital liegt bei etwa 21,8 Milliarden Euro.

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