bpa - Bundesverband privater Anbieter sozialer Dienste e.V.

Reform der Pflegeausbildung notwendig, aber nicht so!
bpa-Stellungnahme zur Anhörung zum Pflegeberufereformgesetz im Deutschen Bundestag
Integrative Ausbildung für uns vorstellbar

Berlin (ots) - Zur Verbändeanhörung am kommenden Montag zum Pflegeberufereformgesetz im Deutschen Bundestag erklärt bpa-Präsident Bernd Meurer:

"Der bpa hält zur nachhaltigen Sicherung der Fachkräftebasis eine Reform der Pflegeausbildung für richtig. Um die Pflegeberufe zukunftsgerecht weiterzuentwickeln und attraktiver zu gestalten, ist der vorliegende Gesetzentwurf allerdings nicht geeignet. Die geplante Zusammenlegung der bisherigen drei Pflegeberufe zu einer sogenannten generalistischen Pflegeausbildung wird die Attraktivität der Pflege nicht steigern, sondern

   -	zu einer Abschaffung der Altenpflege und einer Konzentration auf
die Krankenpflege, 
   -	weniger Praxis beim Träger der praktischen Ausbildung, 
   -	höheren Abbrecherquoten bei der Ausbildung insbesondere durch 
Hauptschüler, 
   -	einer Verflachung des Wissens, 
   -	einer sinkenden Zahl von Ausbildungsplätzen, 
   -	einem Anstieg des Fachkräftemangels, 
   -	höheren Kosten 
   -	sowie zu mehr Bürokratie führen. 

Mit großem politischem Druck wird versucht, eine Vereinigung unterschiedlicher Ausbildungsberufe in der Alten-, Kinderkranken- und Krankenpflege zu erzwingen. Die derzeitigen Rekordausbildungszahlen in der Altenpflege werden hierbei aufs Spiel gesetzt und die bewährte Sicherstellung der pflegerischen Versorgung ist gefährdet.

Auch die Finanzierung der geplanten Pflegeberufsausbildung ist fraglich. Denn vergleicht man die heute bestehenden Kosten für die Ausbildung mit denen, die für die Generalistik angegeben werden, besteht eine Deckungslücke von rund 160 Millionen Euro. Um diesen Fehlbetrag auszugleichen, müssen entweder 25.000 Ausbildungsplätze pro Jahr wegfallen oder die Kosten werden für alle anderen Kostenträger der Ausbildung - d.h. die Länder, Pflegekassen, Krankenkassen, Krankenhäuser, Pflegeheime und Pflegedienste - höher ausfallen. Nach Einschätzung des bpa werden die geplanten Neuregelungen für jeden Träger zu einem Mehraufwand führen, der ungefähr dem Stellenumfang einer halben Pflegefachkraft (etwa 24.000 Euro p.a.) entspricht.

Auch die pflegebedürftigen Menschen werden künftig mit zusätzlichen Kosten für das Umlagesystem - zulasten ihrer ohnehin gedeckelten Teilleistungen aus der Pflegeversicherung - belastet. Des Weiteren werden ihnen die Schulkosten für die "Berufsschulen" aufgebürdet. Ein für den bpa gangbarer Weg, den mittlerweile auch die grün-schwarze Koalition in Baden-Württemberg favorisiert, wäre, die Pflegeberufe zu reformieren, einheitliche Ausbildungsinhalte gemeinsam zu vermitteln sowie eine Schwerpunktbildung mit einem gesonderten Abschluss. Das wäre richtungsweisend - auch für Europa."

Die ausführliche Stellungnahme des bpa finden Sie hier: http://www.bpa.de/Fachinformationen-Positionen.19.0.html?&no_cache=1&tx_bpadocumentlist_pi1[uid]=570619

Der Bundesverband privater Anbieter sozialer Dienste e.V. (bpa) bildet mit mehr als 9.000 aktiven Mitgliedseinrichtungen die größte Interessenvertretung privater Anbieter sozialer Dienstleistungen in Deutschland. Einrichtungen der ambulanten und (teil-) stationären Pflege, der Behindertenhilfe und der Kinder- und Jugendhilfe in privater Trägerschaft sind im bpa organisiert. Die Mitglieder des bpa tragen die Verantwortung für rund 275.000 Arbeitsplätze und circa 21.000 Ausbildungsplätze (siehe www.youngpropflege.de oder auch www.facebook.com/Youngpropflege). Das investierte Kapital liegt bei etwa 21,8 Milliarden Euro.

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Für Rückfragen: Olaf Bentlage, Tel.: 030/30 87 88 60

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