bpa - Bundesverband privater Anbieter sozialer Dienste e.V.

Fachkräftemangel: Alle Möglichkeiten nutzen
Die Pflege braucht kurzfristig qualifizierte Zuwanderung

Berlin (ots) - Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) sieht durch den Wirtschaftsaufschwung gute Chancen auf Vollbeschäftigung, zugleich sorge er sich jedoch über einen Fachkräftemangel in einigen Branchen, sagte er in der "Wirtschaftswoche". Neben der IT-Branche und dem Ingenieurbereich sei auch der Gesundheitsbereich betroffen. Um die Lücken zu schließen, müsse zunächst das Potential im Inland genutzt werden, zusätzlich sei aber auch die "Entwicklung einer klugen Zuwanderung" nötig. Brüderle will ein umfassendes Konzept zur Anwerbung ausländischer Fachkräfte ausarbeiten und schlägt konkret die Änderung der Beschäftigungsverordnung vor. Diese Einschätzung wird von Bernd Meurer, Präsident des Bundesverbandes privater Anbieter sozialer Dienste e.V. (bpa), geteilt und bestärkt. "Die Branche steht vor einer großen Herausforderung und dem Jobmotor Pflege fehlen bereits jetzt die Fachkräfte. Wir werden unseren Bedarf an Fachkräften und Mitarbeitern nicht nur mit Mitarbeiter/innen aus dem Inland decken können, sondern brauchen kurzfristig qualifizierte Zuwanderung. Bereits heute könnten wir 10.000 Fachkräfte einstellen, aber es gibt sie nicht."

Als größter Verband von Pflegediensten und Pflegeheimen in Deutschland vertritt der bpa mit seinen über 6.500 Mitgliedern mehr als jede vierte Pflegeeinrichtung in Deutschland. Der bpa-Präsident weist darauf hin, dass es bereits diverse Heime in vielen Bundesländern gibt, die ganze Stationen schließen müssen, um mit den verbleibenden Fachkräften das gesetzlich geforderte Verhältnis von Bewohnern zu Fachkräften noch erfüllen zu können. Ambulante Dienste müssen aufgrund fehlenden Personals die Versorgung ablehnen. "Wir haben den Pflegenotstand da, wo die notwendige Versorgung weiterer Pflegebedürftiger nicht angeboten werden kann. Die Sicherstellung der Versorgung von pflegebedürftigen Menschen ist in Gefahr. Den Einrichtungen fehlen die Mitarbeiter", sagt Meurer.

Um dem Fachkräftemangel in der Pflege zu begegnen, müssten alle Möglichkeiten genutzt werden. "Wir brauchen mehr Auszubildende auch mit Migrationshintergrund, die Länder müssen die Finanzierung der Schulplätze sicherstellen, wir brauchen eine angemessene Entlohnung und Refinanzierung der Auszubildenden. Wir brauchen deutlich mehr Umschulung anstatt der vom Kabinett vorgesehenen Kürzung. Berufsbegleitende Qualifizierungsmaßnahmen zu Fachkräften sind ebenso erforderlich wie die Anpassungsqualifizierung arbeitsuchender pflegenaher Berufsgruppen durch die Bundesanstalt für Arbeit. Aber auch ausländische Fachkräfte werden gebraucht, hierzu benötigen wir eine Greencard für Menschen aus Ländern außerhalb Europas. Im Ausland erworbene Berufsabschlüsse und Berufserfahrung müssen unbürokratisch anerkannt werden und die Definition von Fachkraft muss angepasst werden", so Meurer. "Deshalb fordert die Branche einen Pflegegipfel. Zentrales Problem ist der Fachkräftemangel. Politik hat die Herausforderung Pflege offenbar nicht verstanden."

Für Rückfragen::

Herbert Mauel,
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030 / 30 87 88 60.

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