bpa - Bundesverband privater Anbieter sozialer Dienste e.V.

Eine Branche trotzt der Krise: Über eine Million neue Jobs für die Pflege

Berlin (ots) - bpa-Fachtagung präsentiert: IW-Studie zur Beschäftigungssituation und zum volkswirtschaftlichen Nutzen der Pflege

Pflege als reiner Kostenfaktor? Pflege als ein Bereich, der ausschließlich Geld kostet und weder dem Staat noch der Volkswirtschaft einen monetären Nutzen einbringt? Anlässlich der heutigen politischen Fachtagung des Bundesverbandes privater Anbieter sozialer Dienste e. V. (bpa) in Berlin mit über 500 Unternehmern und Führungspersonen aus privaten Pflegeeinrichtungen wurde dieses Vorurteil klar revidiert. Zukunftsweisende Erkenntnisse lieferte eine neue Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) zur Beschäftigungssituation und zum volkswirtschaftlichen Nutzen der Pflege. Die Kernbotschaft: In Zeiten einer sich ver-schärfenden weltweiten Finanzkrise mit 3,5 Millionen arbeitssuchende Menschen (im Jahr 2011 sollen es bereits 5 Millionen sein) gibt es einen Sektor im Gesundheitsbereich, dem bei einer rasant steigenden Nachfrage positive Zukunftsperspektiven prognostiziert werden: Die Pflege.

Während Unternehmen anderer Branchen zunehmend in die roten Zahlen geraten und massenhaft Arbeitsplätze abbauen müssen, werden hunderttausende neue Pflegejobs eine rasant steigende Nachfrage befriedigen. Konkrete Zahlen aus der Studie lieferte Dr. Dominik H. Enste vom IW: "Mit seinen rund 810.000 Beschäftigten leistet der Pflegesektor bereits heute einen Beitrag zur Wertschöpfung in Höhe von gut 25 Milliarden Euro. Das sind fast 20 % der Wertschöpfung des gesamten Gesundheitswesens. Bis zum Jahr 2050 werden sich Wertschöpfung und Beschäftigtenzahl fast verdreifachen, so dass bis zu 2,2 Millionen Personen professionelle Pflege leisten können. Hauptgrund ist der demographische Wandel: In den nächsten 30 Jahren wird sich die Anzahl der Pflegebedürftigen auf über 4 Millionen verdoppeln."

Wie dieser Trend im Branchenvergleich zu bewerten ist, brachte bpa-Präsident Bernd Meurer auf den Punkt: "Ambulante Pflegedienste und Heime beschäftigen mit 810.000 Arbeitnehmern fast so viele Menschen wie die Automobilbranche. Prognostiziert wird: Die in der Pflege Beschäftigten werden sich bis 2050 auf etwa 2 Millionen mehr als verdoppeln."

Für einen entsprechenden Paradigmenwechsel in der öffentlichen Wahrnehmung der Pflege - weg vom Image des Kostenverursachers hin zum "Antriebsmotor" der Volkswirtschaft - sprach sich die Parlamentarische Staatssekretärin bei der Bundesgesundheitsministerin, Marion Caspers-Merk, anlässlich der bpa-Fachtagung aus: "Mit der Pflegereform haben wir grundlegende strukturelle und finanzielle Verbesserungen geschaffen: Mehr Qualität, mehr Beratung und bessere Leistungen. Das ist gut für die Pflegebedürftigen und ihre Angehörigen, eröffnet aber auch neue Perspektiven für die Beschäftigung. Sowohl die Einführung des Fallmanagements als auch die zusätzlichen Betreuungsleistungen für demenziell Erkrankten bieten neue Jobchancen. Pflegebedürftige haben Anspruch auf eine verbesserte Versorgung - und die Einrichtungen können neue Arbeitsplätze schaffen."

Insgesamt müsse klar sein: "Gute Pflege muss auch bezahlt werden."

Voraussetzung für eine entsprechend hohe gesellschaftliche Anerkennung der Pflege sei es auch, im Rahmen verbesserter Ausbildungsbedingungen mehr Menschen für eine qualifizierte Pflege zu gewinnen. "Dazu müssen wir die Pflegeberufe weiter öffnen und attraktiv machen für alle, die eine ordentliche Schulausbildung mitbringen." Die gleich lautende Position der privaten Betrei-ber war klar und eindeutig: Geeignete Interessenten dürfen nicht am Zugang zur Altenpflegeausbildung gehindert werden. Dies gilt selbstverständlich auch für geeignete Absolventen der Hauptschulen nach zehn Jahren schulischer Ausbildung.

Eindeutig war auch die Haltung von Marion Caspers-Merk zu der kommenden Veröffentlichung der Qualitätsberichte der Pflegeheime und Pflegedienste: "Wir brauchen und unterstützen ein verbraucherfreundliches Transparenzsystem." Das von der Selbstverwaltung vereinbarte System wird den Verbrauchern ermöglichen, sich über die wirkliche Situation der Pflege zu informieren. Sowohl gute als auch schlechte Versorgung werden damit öffentlich.

Die Vertreter der Bundestagsfraktionen aller Parteien betonten in der darauf folgenden politischen Diskussion, dass zur Befriedigung eines wachsenden Bedarfs an Pflege das Engagement aller Anbieter erforderlich sei. "Trägervielfalt spielt dabei eine ganz große Rolle", betonte Jens Spahn, Obmann der CDU/CSU-Bundestagsfraktion im Ausschuss für Gesundheit. Konkurrenz belebe den Markt und sorge für mehr Qualität.

Ähnlich äußerte sich Frank Spieth, Gesundheitspolitischer Sprecher der Bundestagsfraktion DIE LINKE: "Es kommt nicht auf den Träger an, sondern auf die Qualität."

Heinz Lanfermann, Pflegepolitischer Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion, sprach sich in deutlichen Worten gegen die Regulierungswut des Staates aus: "Wir brauchen nicht mehr Staat(-spflege) mit immer mehr Reglementierung und staatlichen bzw. vom Staat gesteuerten Investitionen, sondern mehr individuelle Freiheit sowohl der Pflegebedürftigen als auch der Anbieter, um auf die demographischen und gesellschaftlichen Veränderungen flexibel und bestmöglich reagieren zu können."

Elisabeth Scharfenberg, pflegepolitische Sprecherin der Bundestagsfraktion Bündnis 90/ Die Grünen, betonte, dass die Rahmenbedingungen für alle Akteure des Pflegemarktes stimmen müssten. "Deshalb muss der Fokus vor allem auf den Pflegebedürftigen und ihren Angehörigen liegen. Doch auch für Pflegekräfte, Ehrenamtliche sowie Dienste und Einrichtungen braucht es bessere Voraussetzungen, um die wirtschaftlichen Potenziale der Pflege auszuschöpfen."

Für Rückfragen:

Herbert Mauel, Bernd Tews, 030 / 30 87 88 60.

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