Vier Pfoten - Stiftung für Tierschutz

Medikamentenmissbrauch in deutschen Schweineställen Gesundheitsrisiko Schweinefleisch

Hamburg/Wien (ots) - Ein unglaublicher Skandal erschüttert seit Donnerstag, den 18. Januar 2001, die österreichische und deutsche Schweineproduktion: großflächiger Missbrauch von Medikamenten und kriminelle Praktiken in der Schweinehaltung. Nach monatelangen Recherchen erstattete die Tierschutzorganisation VIER PFOTEN nun Anzeige gegen die mutmaßlichen Hauptverantwortlichen: vier Tierärzte aus Bayern und zwei österreichische Landwirte, die im Verdacht stehen in ihren Betrieben illegale Medikamentenlager zu betreiben . Den ermittelnden Behörden übergaben die VIER PFOTEN eine Liste mit Adressen mehrerer Hundert verdächtiger Schweinebetriebe. Darüber hinaus zeigten die VIER PFOTEN drei bayerische Schweinemastbetriebe in Garching, Fridolfing und Ruhstorf wegen des Verdachts des Medikamentenmissbrauchs und tierquälerischer Haltung an. Am vergangenen Donnerstag führte die Kriminalpolizei bei den bayerischen Tierärzten Roland F. und Andreas G. Razzien durch. Sie sind dringend verdächtig, Drahtzieher beim illegalen Handel mit verbotenen Pharmazeutika in Österreich und Deutschland zu sein. Diese und zwei weitere deutsche Veterinäre wurden von den VIER PFOTEN angezeigt. "Uns wurden von einzelnen Mitarbeitern der Tierärzte F. und G. Kundenlisten mit mehreren Hundert Adressen von deutschen und österreichischen Schweinemästern zugespielt", so Thomas Pietsch, Nutztierreferent der VIER PFOTEN. "Diese Listen haben wir vergangene Woche den ermittelnden Behörden zur Verfügung gestellt. Wie viele Betriebe tatsächlich betroffen sind, lässt sich zum jetzigen Zeitpunkt noch gar nicht abschätzen. Möglicherweise handelt es sich erst um die Spitze des Eisberges". Österreichische und deutsche Polizeibeamte nahmen am Donnerstag und Freitag vergangener Woche rund 60 Hausdurchsuchungen vor, darunter Räumlichkeiten, die mit den genannten Tierärzten in Verbindung gebracht werden sowie Schweinemastbetriebe, die im Verdacht stehen, gepanschte oder verbotene Medikamente zu verabreichen. Im Rahmen dieser Maßnahmen sind bereits einige Betriebe in Österreich gesperrt worden. Bei den eingesetzten Medikamenten handelt es sich nach den Recherchen von VIER PFOTEN vor allem um Antibiotika, Impfstoffe und Hormone, die zum Teil verboten oder nicht zugelassen sind sowie um Nachahmerprodukte, bspw. das Breitbandantibiotikum Baytril der Firma Bayer Austria. Hochwirksame und streng rezeptpflichtige Medikamente wie Tetracycline wurden säckeweise in Schweineställen gefunden. Normalerweise werden diese Medikamente im Milligrammbereich eingesetzt, streng kontrolliert von Tierärzten. Durch diesen Missbrauch besteht die Gefahr, dass krebserregende, erbgutschädigende und Resistenzen bildende Rückstände sowie Abbauprodukte der Pharmazeutika in das Schweinefleisch gelangen. Die VIER PFOTEN trugen durch monatelange Recherchen maßgeblich dazu bei, die Ermittlungen von Polizei, Zoll und Veterinärbeamten zum Erfolg zu führen. Die wichtigsten Konsequenzen der VIER PFOTEN-Recherchen sind Strafanzeigen gegen die beteiligten Tierärzte, die den schwarzen Medikamentenmarkt seit Jahren bedient haben und dabei millionenschwere Gewinne machten. Gegen Hunderte von österreichischen und deutschen Schweinehaltern, die selbst zu Tätern geworden sind, da sie sich regelmäßig am illegalen Medikamentenmarkt bedient haben, wird nun ebenfalls ermittelt. Von der bedingungslosen Profitorientierung in der Schweinezucht an die Wand gedrängt, haben sich die angezeigten Landwirte im konkurrenzlos billigen "Selbstbedienungsladen" des millionenschweren, gesetzwidrigen Tierarznei-Schwarzhandels bedient. Die größten Profite machten dabei selbstverständlich die kriminellen Tierärzte. Am vergangenen Freitag machten die VIER PFOTEN mit spektakulären Aktionen bei Schweinemastbetrieben in Deutschland und Österreich auf die Tragweite dieses Skandals aufmerksam. "Uns geht es um viel mehr als nur Staub aufzuwirbeln oder einzelne Bauern des unkontrollierten Einsatzes verbotener Medikamente zu überführen", sagt Thomas Pietsch. "Die Grenzen des Zumutbaren sind für die Konsumenten längst erreicht. Daher musste dieser Skandal in vollem Umfang recherchiert und die Verantwortlichen von den zuständigen Sicherheitsbehörden dingfest gemacht werden. Die unabsehbaren Gefahren der industriellen Nutztierhaltung auch für die Verbraucher sind in diesen Tagen wieder einmal überdeutlich geworden." Die VIER PFOTEN fordern ein grundsätzliches Umdenken in der Landwirtschaftspolitik. Die Rahmenbedingungen für artgerechte Tierhaltung und flächendeckende Kontrollen von Fleischerzeugnissen müssen endlich geschaffen werden. In Wien wird heute von den VIER PFOTEN das Enthüllungsbuch "Gesundheitsrisiko Schweinefleisch" vorgestellt, welches die Ergebnisse der anderthalb jährigen Recherchen in diesem Skandal zum Inhalt hat und weitere Details dieses Medikamentenskandals öffentlich machen wird. Fotos sind bei dpa zu erhalten. ots Originaltext: VIER PFOTEN E. V. Im Internet recherchierbar: http://recherche.newsaktuell.de Weitere Informationen: Thomas Pietsch, Nutztierreferent - VIER PFOTEN E. V. Telefon: 040 399249-70 / 0171 4910784 Britta Büchter, Pressestelle - VIER PFOTEN E. V. Telefon: 040 399249- 35 / 0160 337 35 52 Original-Content von: Vier Pfoten - Stiftung für Tierschutz, übermittelt durch news aktuell

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