Die Stiftung Menschen für Menschen

Meinungsbeitrag von Karlheinz Böhm zur momentanen Situation in Äthiopien:"Spenden helfen den Hungernden, nicht der Regierung"

Addis Abeba (ots) - Soll man der äthiopischen Regierung helfen, obwohl das Land im Kriegskonflikt mit Eritrea ist? Während Sie sich diese Frage stellen, stehe ich im Dürregebiet im Südosten Äthiopiens und halte sterbende Kinder in meinen Armen, die bis auf die Knochen abgemagert sind. Und daneben hilflos die Eltern. Ihre Augen werde ich nie vergessen. Darum lautet die Frage für mich nicht, ob ich der äthiopischen Regierung helfen soll - sondern, ob ich den äthiopischen Menschen helfen kann. Kindern, Müttern und Vätern, ganzen Bauernfamilien. Niemand kann bestreiten, dass dieser Grenzkrieg sinnlos ist, sinnlos wie jeder andere Krieg auf dieser Welt. Zwei der ärmsten Länder unserer Erde streiten um ein wertloses Stück Bergland und hunderte Kilometer vom Kriegsgeschehen entfernt kämpfen Millionen Menschen vor Hunger ums Überleben. Es gibt so viele Gründe, warum Sie gegen diesen Krieg sein können. Es gibt aber mindestens genauso viele Gründe, warum ich für die äthiopischen Menschen in den Dürregebieten arbeite. Einmal mehr sind nämlich jene die leiden, nicht identisch mit jenen, die das Leid verursachen. Weil die Menschen, die jetzt verhungern, im wahrsten Sinne des Wortes weit weg vom Schuss sind. Äthiopien ist so gross, wie Deutschland, Italien und Frankreich zusammen. Kriegsgebiet und Dürregebiet sind bis 1300 Kilometer voneinander entfernt. Bei uns eine Sache von zwölf Stunden auf der Autobahn. Für einen äthiopischen Bauern zwölf Tagesreisen über Stock und Stein. Wenn irgend jemand in seinem Dorf ein Auto hätte, was bei zwei Autos auf tausend Bewohner eher unwahrscheinlich ist. Zu Fuss wäre er zwei Monate unterwegs, denn 1000 Meter tiefe Schluchten trennen die Dörfer. Welten liegen dazwischen, und manchmal auch Jahrhunderte. Nur zwei Zeitungen gibt es nämlich für 60 Millionen Äthiopier. Und die erscheinen in der Hauptstadt mit einer Auflage von 77.000. Das Fernsehen sendet zwei Stunden pro Tag und kommt auch nicht über die Hauptstadt hinaus. Was können also die Menschen im Süden Äthiopiens dafür, dass die Regierungen von Eritrea und Äthiopien im Norden des Landes einen sinnlosen Krieg führen? Sie wissen ja nicht einmal, dass es diesen Krieg gibt. Die Kinder, Mütter und Väter, die Bauernfamilien. Ich werde diesen Menschen in ihrer Not immer helfen - ganz egal, was deren Regierung macht oder unsere Regierungen sagen! Ich handle, und zwar jetzt. Schon bei der Hungerkatastrophe 1984/85 hat die Welt viel zu spät reagiert. 1 Million Verhungerte war das Resultat. Und auch heute wird viel zu lange gewartet. Das Resultat ist absehbar, denn 8 Millionen Menschen sind vom Hungertod bedroht. Vor ein paar Tagen beteten die Menschen im Dürregebiet noch, dass es endlich regnet. Jetzt hat der Himmel seine Schleusen geöffnet und die Menschen beten, dass es aufhört. Flüsse treten über die Ufer, die verdursteten Rinder werden durch die Dörfer geschwemmt und verseuchen das Wasser. Unsere Lastwagen stecken im Schlamm. Deshalb bin ich heute in die Hauptstadt Addis Abeba zurückgekehrt, um die weitere Nothilfe zu organisieren. Ergänzungsnahrung, Getreide, Speiseöl und Medikamente. In Gedanken bin ich aber immer noch im Dürregebiet, bei diesen sterbenden Kindern und ihren hilflosen Eltern. Dabei braucht es so wenig. Mit 60 DM können wir einen Menschen sechs Monate lang ernähren und ihm damit das Leben retten. Ohne diese Nothilfe muss er verhungern. Können Sie da wegschauen? Die Stiftung Menschen für Menschen ruft zu Spenden auf: Konto 700.000, Dresdner Bank München (BLZ 700 800 00) ots Originaltext: Stiftung Menschen für Menschen Im Internet recherchierbar: http://recherche.newsaktuell.de Für weitere Auskünfte stehen Ihnen Axel Haasis und Thomas Goesmann unter Tel. 089-3839790 bzw. 0171-3333505 zur Verfügung. Original-Content von: Die Stiftung Menschen für Menschen, übermittelt durch news aktuell

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