Nasdaq will Londoner Börse übernehmen
Das transatlantische Beziehungsgeflecht verdichtet sich weiter
Hamburg (ots) - Bei der Bewertung der sich anbahnenden Übernahme der Londoner Börse durch die Nasdaq werden nur die betriebswirtschaftlichen Fragen erörtert und dabei die wichtigsten Folgen übersehen:
1. Die Europäer sind dadurch unter Handlungsdruck geraten und müssen den Zusammenschluss der Deutschen Börse mit der Vier-Länder-Börse Euronext beschleunigen. Dies dürfte aber schwierig sein, weil die Machtfragen: Wo soll der Hauptsitz sein und wer hat das Sagen? Deutsche Börse oder Euronext? nicht geklärt sind.
2. Die Chancen, dass Großbritannien in die europäische Währungsunion eintritt, werden infolge der anstehenden Verstärkung der dollarisierten transatlantischen Finanzströme eher sinken.
3. Die tief verwurzelte transatlantische ökonomische Vernetzung wird durch die geplante LSE-Übernahme bestätigt und weiter gestärkt. Dies alles geschieht zu der Zeit, in der die Europäische Union ohnehin in Gefahr ist, nationalstaatlich unterwandert zu werden. Anstatt gesamteuropäische Solidarität beobachten wir zunehmende Renationalisierung der Wirtschaftspolitik. Beispiele Frankreich, Spanien, Deutschland.
4. Die amerikanische Hegemonie wird militärisch geschützt, wirklich gestützt ist sie aber auf die ökonomische Kraft. Die transatlantische Love Affair zwischen Börsen trägt zur weiteren Festigung der amerikanischen Hegemonie bei. Große Börsen ziehen zusätzliches Kapital ins Land und ein starker nationaler Kapitalmarkt hilft bei der Finanzierung der Schulden. Aber vor allem: Börsen lenken die Geldströme, diese Tentakel der Macht in der globalisierten Weltwirtschaft.
5. Heute gilt: Wer die Energie- und Finanzströme beherrscht, regiert die Welt. Die Vereinigten Staaten sind dabei, die Region mit den wichtigsten Energiequellen in ihrem Sinne umzugestalten. Die transatlantische Börse ist Ausdruck und Stärkung der ohnehin weit entwickelten amerikanischen Kontrolle der Finanzströme und Schwächung des wahrscheinlichsten Herausforderers der USA - der Europäischen Union.
Pressekontakt:
Dr. Peter Robejsek, Direktor HAUS RISSEN HAMBURG
0170 531 85 09
Analyse: www.hausrissen.org

