Das Legoprinzip: Die Zukunft unserer Arbeitsplätze im Zeitalter der globalen Produktion
Hamburg (ots) -
Eine wachsende Angst geht um in Deutschland: Kein Arbeitsplatz ist mehr sicher. Ob in der industriellen Fertigung oder im Marketing, jeder Job könnte morgen in ein Billiglohnland verlagert werden. Wie Legosteine lassen sich die Aktivitäten eines Unternehmens auseinander nehmen und in aller Welt wieder mit anderen Bausteinen zusammenfügen. Globalisierung geschieht jeden Tag dadurch, dass sich Unternehmen die Frage stellen, was sie noch in den eigenen vier Wänden produzieren, was sie besser von anderen kaufen und wo sie all ihre Aktivitäten ausüben sollen. Sie sind in der Lage die verschiedenen Funktionen, die sie früher selbst ausgeübt haben, um den ganzen Globus zu verteilen und zu koordinieren. Die Höhe der Lohnkosten scheint dabei das einzige Entscheidungskriterium zu sein.
Kein westliches Industrieland hat bislang eine tragfähige Antwort auf das Legoprinzip gefunden. Gerade weil es noch keine Antwort und erst recht keine Gegenstrategie gibt, gilt es, sich auf die folgenden Veränderungen westlicher Gesellschaften einzustellen:
1. Das Ziel der Vollbeschäftigung erweist sich zusehends als Illusion. In welchen Bereichen sollen die fünf Millionen Arbeitslose unterkommen, wenn nicht nur Jobs im produzierenden Gewerbe, sondern auch im Dienstleistungsbereich wegfallen?
2. Unser politisches System muss sich verstärkt auf Arbeitskämpfe einstellen. Wenn die Globalisierung für zu viele Menschen zu große persönliche Risiken mit sich bringt, ist die Wahrscheinlichkeit von Gegenreaktionen groß. Eine zeitgemäße Sozialpolitik kann die Zustimmung der Menschen zu offenen Märkten und internationalem Wettbewerb erst ermöglichen.
3. Die gegenwärtige Tendenz zur globalen Produktion wird für die westlichen Länder sinkende Löhne und wachsende Einkommensunterschiede mit sich bringen.
Das Bemühen, die Grenzen bei gleichzeitig wachsenden sozialen Verwerfungen offen zu halten, wird die Politik vor eine unvorstellbare Zerreißprobe stellen. Aber es gibt keine Alternative: Unternehmen und Länder müssen lernen, sich im Wettbewerb zu behaupten.
Eine aktuelle Studie des Massachusetts Institute of Technology (MIT) zeigt, dass es nach wie vor möglich ist, international wettbewerbsfähig zu sein und gute Jobs in Hochlohnländern zu bewahren und zu schaffen. Im Zeitalter der globalen Produktion sind niedrige Löhne nicht alles! Für unternehmerische Entscheidungen können letztlich auch bestimmte regionale oder nationale Vorteile des jeweiligen Heimatlandes wichtig sein. Unternehmen sind auf ein hervorragendes wirtschaftliches Umfeld angewiesen. Vor allem der lokalen Konzentration (sogenannte Cluster) von dynamischen und zukunftsorientierten Branchen, anspruchsvollen Zulieferern und Kunden, exzellenten Kommunalbeamten und leistungsfähigen Hochschulen kommt eine große Bedeutung zu.
Können wir durch solche Cluster unseren Wohlstand und unsere Arbeitsplätze retten? Eine Garantie ist es nicht. Aber haben wir eine andere Wahl?
Ergänzende Ausführungen zu diesem Artikel finden Sie unter http://www.hausrissen.org/analysen/legoprinzip.htm
Für Rückfragen:
Dr. Eckard Bolsinger Stellv. Institutsdirektor HAUS RISSEN HAMBURG 040 - 81 90 7 - 12
Pressekontakt:
Dr. Eckard Bolsinger
Stellv. Institutsdirektor
HAUS RISSEN HAMBURG
040 - 81 90 7 - 12

