Industrieverband Agrar e.V.

Pflanzenschutz- und Düngemittel-Industrie: Stagnierende Märkte - wuchernde Bürokratie

    Frankfurt am Main (ots) - Das Geschäft mit Pflanzenschutz- und
Düngemitteln in Deutschland ist im vergangenen Jahr verhalten
verlaufen. Das berichteten die im Industrieverband Agrar (IVA)
zusammengeschlossenen Hersteller auf der Jahrespressekonferenz des
Verbands in Berlin.
    
    Im Fachbereich Pflanzenschutz stagnierte der Nettoinlandsumsatz
bei 1,03 Mrd. Euro, so IVA-Präsident Kurt Küsgen. Die Mitglieder des
Verbands decken rund 95 Prozent des deutschen Markts ab. Die von
ihnen abgesetzte Wirkstoffmenge lag im Jahr 2001 mit rund 26.000
Tonnen acht Prozent niedriger als im Vorjahr (28.480 Tonnen). Die
Landwirte hatten verstärkt Produkte mit niedrigeren Aufwandmengen pro
Hektar eingesetzt.
    
    Bei der Ausfuhr von Pflanzenschutzmitteln setzte sich dagegen auch
2001 der langjährige Aufwärtstrend fort. Die Exporterlöse stiegen
gegenüber dem Vorjahr (2,25 Mrd.) um sieben Prozent auf 2,4 Mrd.
Euro. Im gleichen Zeitraum ging der Weltmarkt für
Pflanzenschutzmittel um sieben Prozent auf 25,6 Mrd. Dollar zurück
(Vj.: 27,5 Mrd.). "Die Hersteller in Deutschland haben damit ihre
international führende Position weiter ausbauen können", erklärte
Küsgen. Die hier ansässigen Unternehmen bedienen rund 40 Prozent des
Weltpflanzenschutzmarkts.
    
    Der allerdings stagniert seit Mitte der 90iger Jahre - nicht
zuletzt wegen des Vormarschs der Grünen Gentechnik. Transgenes
Saatgut wird inzwischen auf über 50 Mio. Hektar angebaut und
repräsentiert einen Markt von drei Mrd. Dollar. "Den Landwirten in
Deutschland - und Europa - darf diese Zukunftstechnologie nicht
verwehrt werden, wenn sie für den Internationalen Wettbewerb fit
werden sollen", forderte Küsgen. In Deutschland ziele die grüne
Agrarpolitik jedoch nach wie vor auf Verhinderung, nicht auf
Akzeptanz dieser Technologie.
    
    Scharf kritisierte der IVA-Präsident die im Rahmen des
Verbraucherschutzgesetzes geplante Änderung des Zulassungsverfahrens
für Pflanzenschutzmittel. "Die Bundesregierung hat die Chance nicht
genutzt, das Zulassungsverfahren zu optimieren und von bestehenden
Mängeln zu befreien." Anstelle von drei Behörden werden künftig vier
mit dem Zulassungsprozess befasst sein. Doppelarbeit, unnötige
Schnittstellen und neue Reibungsflächen sind vorprogrammiert. Die
Kosten werden steigen, das Verfahren langwieriger. Die Forderung nach
einem schlanken Staat und einer effizienten Verwaltung, wie sie das
von Wedel-Gutachten erhoben hatte, wird nicht erfüllt.
    
    Die dort ebenfalls geforderte klare Trennung zwischen
Risikomanagement und Risikobewertung wird unterlaufen, wenn eine der
drei Bewertungsbehörden weiter gehende Kompetenzen hat als die beiden
anderen. "Warum im Übrigen ein Verbraucherschutzgesetz diese
Vorzugsfunktion der Umweltbehörde und nicht der Gesundheitsbehörde
zuweist, ist für uns nicht nachvollziehbar," bemerkte Küsgen. Mit den
geplanten Änderungen drohe sich auch der Einfluss Deutschlands auf
Entscheidungen zum Pflanzenschutz auf Brüsseler Ebene zu
verschlechtern.
    
    Die bisherige Zulassungsbehörde, die Biologische Bundesanstalt,
gilt als das unbestrittene Kompetenzzentrum für Pflanzenschutz in
Europa. Für die forschenden deutschen Pflanzenschutzfirmen war dies
ein wesentlicher Standortvorteil, betonte Küsgen.
    
    Der Industrieverband halte deshalb an seiner Forderung nach einer
zentralen Zulassungsbehörde, in der sowohl Risikomanagement als auch
Risikobewertung angesiedelt sind und eigene Forschungstätigkeit
integriert ist, fest.
    
    Auch die Düngemittel-Industrie hatte mehr Freude am
Auslandsgeschäft als am heimischen Markt. In Deutschland verzeichnete
der Umsatz der IVA-Mitglieder im Fachbereich Pflanzenernährung mit
617 Mio. Euro ein Minus von neun Prozent gegenüber dem Vorjahr (685
Mio. Euro). Die Exporterlöse kletterten dagegen um drei Prozent auf
843 Mio Euro (Vj.: 819 Mio.).
    
    Dennoch zeigte sich der Vorsitzende des IVA-Fachbereichs
Pflanzenernährung, Stefan Greger, nicht unzufrieden. "Das Preisniveau
konnte im vergangenen Jahr in etwa gehalten werden", berichtete er.
"Den Herstellern in Deutschland hat dies eine dringend notwendige
Atempause verschafft." Tiefstpreise Ende des letzten Jahrzehnts
hatten die Stickstoff-Industrie in die roten Zahlen geführt und einen
einschneidenden Kapazitätsabbau zur Folge gehabt.
    
    Greger verteidigte die Anti-Dumping-Maßnahmen der EU auf dem Markt
für Stickstoffdünger. Dadurch bedingte Preissteigerungen für die
Landwirte blieben weit unter einem Prozent. Eine Abschottung der
Märkte erfolge nicht.
    
    In Deutschland stammen nur 40 Prozent des eingesetzten
Stickstoffdüngers aus heimischer Produktion. Fast zwei Drittel des
Verbrauchs werden importiert, zu einem wesentlichen Teil aus Ländern
des ehemaligen Ostblocks. "Die deutsche Düngemittel-Industrie stellt
sich dem internationalen Wettbewerb", betonte Greger. "Gleichzeitig
erfüllt sie die hier geltenden hohen Umweltstandards bei der
Produktion und hohe Qualitätsstandards bei den Produkten." Dies
gelinge durch modernste Technologie im Produktionsprozess und
intensive Forschung zur Weiterentwicklung der Produktpalette.
    
    Greger bemängelte bei dieser Gelegenheit, dass vom
Bundeslandwirtschaftsministerium seit über einem Jahr die Zulassung
neuer Düngemittel blockiert wird, mit denen sich die
Nährstoffauswaschung ins Grundwasser deutlich vermindern lässt.
"Ausgerechnet unter der Ägide einer Agrarministerin der Grünen können
dadurch weder Landwirte noch Umwelt von dem innovativen Dünger
profitieren", sagte er.
    
    Der Industrieverband Agrar mit Sitz in Frankfurt am Main ist der
Zusammenschluss von Unternehmen der agrarchemischen und
agrarbiologischen Industrie in Deutschland. Zu den Geschäftsfeldern
der 52 Mitgliedsunternehmen gehören Pflanzenschutz,
Pflanzenernährung, Schädlingsbekämpfung und Biotechnologie.
    
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