Harry Potter - Entwicklungshilfe für Jung und Alt
Zum Start des fünftes Bandes: rheingold entschlüsselt die psychologischen Hintergründe eines aktuellen Phänomens

    Köln (ots) -
    
    Harry Potter ist weit mehr als lockere Leseunterhaltung, weit mehr
als ein spannender Abenteuerroman aus einer fernen Welt. Harry Potter
leistet reale psychologische Entwicklungs-Hilfe. Und das gleich in
fünffacher Hinsicht:
    
      1. Er greift die Sehnsucht der Leser auf, den geheimen Code ihres
eigenen Schicksals zu entschlüsseln und sich auf einen
Selbstfindungs-Prozess einzulassen.

    2. Er zeigt den Lesern, dass Entwicklung keine Zauberei ist, sondern hart erkämpft und durchlitten werden muss.

    3. Er animiert die Leser, die Welt durch eine andere - phantastische Brille zu sehen und dadurch auch die eigenen Ängste, Ambivalenzen und Träume besser zu erkennen.

    4. Er hilft, den Alltag besser zu bestehen, in dem er handfeste Lebens-Strategien für alltägliche Lebensfragen aufzeigt.

    5. Schließlich erzieht er den Leser durch den zunehmenden Reifungsgrad der veröffentlichen Bände auch zum Umgang mit anspruchsvollerer Literatur.          rheingold hat in einer tiefenpsychologischen Studie herausgefunden, dass es genau diese fünf Punkte sind, deren richtige Mischung den Erfolg und die Faszination der Romane von J.K. Rowling begründen. Und das über alle Leser-Generationen hinweg.

    
      1. Die Selbstfindungs-Sehnsucht
    
    Harry Potter erweckt den Glauben an die verborgene persönliche
Berufung und Bestimmung des Lesers, die in den Routinen des grauen
Alltags oft verschüttet wird. Harry Potters zentrale Botschaft
lautet: Auch Du besitzt eine geheime Besonderheit, glaube an Dich und
Deine Entwicklung und mach Dich auf den Weg, auch wenn er
beschwerlich ist.
    
    Die widrigen Lebensumstände und beschränkten Verhältnissen, denen
Harry Potter zu entkommen sucht, sind dabei für den Leser
gleichzeitig Trost und Zuversicht: Man fühlt sich ausgesöhnt mit den
eigenen Engen, Verletzungen, Lieblosigkeiten und Beschränktheiten,
aber auch ermutigt, seinen eigenen Selbstfindungs-Prozess zu starten.
Vorbildlich ist dabei auch der Lebensweg der Autorin, die ihrer
inneren Stimme folgte und sich mit dem Schreiben der Potter- Romane
aus dem Sumpf einer persönlichen Lebenskrise gezogen hat.
    
    Bei den Lesern ruft Harry Potter Fragen im Hinblick auf die eigene
Lebensgeschichte wach: Was ist in meinen Leben festgefahren? Welche
schlummernden Berufungen liegen brach? Welche Geheimnisse bestimmen
meine Geschichte? Welche geheimen Lebenswünsche treiben mich an?
    
    
      2. Entwicklungs-Hilfe ohne Zauberei
    
    Harry Potter ist ein Entwicklungs-Roman, der die Leser auch zur
eigenen Entwicklung herausfordert. Paradoxerweise besteht seine
zentrale Lehre in der Erfahrung, dass Entwicklung keine Zauberei ist,
sondern harte Arbeit. Man muss sich auf viele kleine und mühselige
Entwicklungs-Schritte einlassen. Nichts geht von selbst, stets ist
man vom Scheitern bedroht und muss Rückschläge in Kauf nehmen. Man
muss über sieben Bände gehen, um ans Ziel zu gelangen.
    
    In der heutigen digitalen Welt der schnellen Wunscherfüllung auf
Knopfdruck und der grenzenlosen technologischen Machbarkeiten macht
Harry Potter Werbung für ein altmodisches analoges, aber auch
realistisches Entwicklungs-Prinzip: Wie in den Grimmschen Märchen ist
Entwicklung nur über Irrungen, Wirrungen, Gefahren und den Einsatz
des eigenen Lebens zu haben. Aber gerade diese Mühen und hart
erkämpften Teilerfolge machen den Reiz, den Stolz und den Zauber
einer wirklich durchlebten Entwicklung aus.
    
    Die mühsamen Herausforderungen, die das Abenteuer Entwicklung mit
sich bringt, spiegeln sich nicht nur im Schicksal Harry Potters,
sondern auch in den unendlichen Entwicklungsmühen der Autorin, die
die Geburt des fünften Bandes erforderten.
    

      3. Die Welt durch eine andere Brille sehen
    
    Harry Potter hilft den Lesern nicht nur sich selbst, sondern auch
die Welt anders zu sehen. Durch die Harry-Potter-Brille machen die
Leser eine ebenso verblüffende wie bereichernde Wirklichkeits-
Erfahrung: Die Welt ist gar nicht so klar eingeteilt in Vernunft und
Unvernunft, in Phantasie und Realität. Harry Potter hebelt die
gängigen Kategorien und Denk-Gleise gekonnt aus: Die vorgeblich
phantastische Welt der Zauberer funktioniert geradezu ernüchternd
normal, quasi wie im richtigen Leben. Die grauen
Selbstverständlichkeiten des vertrauten Alltagslebens entfalten eine
bizarre und phantastische Dimension.
    
    Harry Potter vermittelt den Lesern die Einsicht, dass die Realität
phantastisch ist und die Phantastik real. Der Zauber liegt nicht in
den jenseitigen Reichen der Phantasie, sondern in den Dingen selbst.
Aber man muss genau hinsehen, um den geheimen Zauber des scheinbar
grauen Alltags zu erkennen. Viele Leser beschreiben, dass sie sich
wirklich nach der Lektüre animiert fühlen, die alltägliche Welt mit
anderen Augen zu sehen und sie auch einmal anders zu inszenieren.
    
    Ob man dieser phantastischen Realität etwas abgewinnen kann, daran
scheiden sich allerdings die Geister nicht nur in der Welt der
Muggels. Die Gegner von Harry Potter rümpfen die Nase über den faulen
kindlich-esoterischen Zauber, der da verbreitet wird. Die Potter-Fans
erleben sich als eine eingeschworene Gemeinschaft, die sich durch
eine phantastischere Weltsicht verbunden fühlt. Eine Weltsicht, in
der auch das scheinbar Unvernünftige, - gemischte Gefühle, geheime
Ängste, aber auch die Magie der Träume - seinen Platz hat.
    

      4. Das kleine Einmaleins des Lebensalltags
    
    Harry Potter hilft nicht nur den Alltag anders zu sehen, sondern
ihn auch anders zu bestehen. Vor allem die Kindern interessieren sich
viel mehr für die beschriebenen Lebens-Strategien von Harry Potter
als für seine Zaubertricks. Denn in den Abenteuern von Harry Potter
werden allgemeine Lebensfragen thematisiert, die die Kinder aber auch
die Erwachsenen im Alltag beschäftigen: Was macht man, wenn man
anders ist als die anderen? Wie findet man Freunde? Wie kann man sich
versöhnen, wenn man sich verkracht hat? Wie setzt man sich gegen
Autoritäten durch? Wie geht man mit der ersten Verliebtheit um?
    

      5. Literatur-Erziehung im doppelten Sinne
    
    Harry Potter erzieht die Leser nicht nur darin, ihren Alltag
anders zu sehen und persönliche Entwicklungs-Herausforderungen
anzunehmen. Von Band zu Band werden die Leser auch zum Lesen und zum
Umgang mit anspruchsvollerer Literatur herangeführt. Denn der Leser
wird nicht nur in den Reifungs-Prozess von Harry Potter einbezogen,
sondern er macht auch den literarischen Reifungs-Prozess mit, der
sich im Schaffen der Autorin vollzieht. Jeder Band bringt ein Mehr an
Vielschichtigkeit und psychologischer Nuancierung, die dem Leser die
Möglichkeit gibt, langsam literarisch mitzureifen.
    
    Projektleitung:

    Dipl.-Psych. Judith Behmer     Dipl.-Psych. Thomas Oppel     

      Mit freundlichen Grüßen
    
    Thomas Kirschmeier Pressesprecher
    
      Über  rheingold  Institut für qualitative Markt- und
Medienanalysen: rheingold zählt zu den renommiertesten Adressen der
qualitativ- psychologischen Wirkungsforschung.  Das Institut hat sich
mit seinen rund 180 festen und freien Mitarbeitern - überwiegend
Diplom- Psychologen - auf tiefenpsychologische Kultur-, Markt- und
Medienforschung spezialisiert.  Ihre Analysen erarbeiten die Kölner
auf der Basis der morphologischen Markt- und Medienforschung, die an
der Universität Köln entwickelt wurde. Jahr für Jahr liegen bei
rheingold rund 5.000 Frauen und Männer "auf der Couch". Dabei
analysieren die Wissenschaftler auch die unbewussten seelischen
Einflussfaktoren und Sinnzusammenhängen, die das Handeln eines jeden
Menschen mitbestimmen. Zu den Kunden des Instituts zählt neben
öffentlichen Auftraggebern die Beletage der deutschen und
europäischen Wirtschaft.  Gegründet wurde rheingold (vormals IFM
Köln) vor 16 Jahren von Stephan Grünewald und Jens Lönneker.
www.rheingold-online.de
    
      
ots Originaltext: rheingold
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