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Zum Misserfolg verdammt: "ran" missachtet um 20.15 Uhr die psychologischen Bedürfnisse der Bundesliga-Fans.

    Köln (ots) - "ran" scheitert bei den Zuschauern um 20.15 Uhr auf Sat.1 nicht an attraktiven Konkurrenz-Programmen, sondern an der Missachtung der psychologischen Grundvoraussetzungen für die Bundesliga-Berichterstattung durch die Programmplaner.          Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben: Die bundesdeutschen Fußballfans können ihre Wünsche nach Erregungs-Komprimierung und -verarbeitung nicht bis 20.15 Uhr aufschieben. Dies ist das zentrale Ergebnis vieler rheingold -Studien der letzten Jahre zum Rezeptionsverhalten der Fernsehzuschauer und zur Bedeutung der Fußball-Berichterstattung. Das ZDF-SPORTstudio trägt dem gegenüber durch seine besondere Machart den Wünschen der Zuschauer Rechnung.          Der Erfolg von "ran" beruhte auf zwei Faktoren, die den seelischen Bedürfnissen der Fußball-Fans in besonderer Weise entsprachen und die auf dem neuen Sendeplatz nicht mehr befriedigt werden.          1. Faktor: Unmittelbare Erregungs-Verarbeitung          Für den Fußball-Fan sind die Bundesligaspiele am Samstag der Erregungs-Höhepunkt der Woche. Sie geraten während der Dramatik des Spieltages in einen vehementen Prozess des Mitfieberns und Mitleidens. Ein Teil der Fans stellt sich diesem Ereignis live. Sie suchen die Echtzeit-Erregung entweder im Stadion, am Radio oder bei "Premiere". Sie befinden sich nach den Bundesliga-Spielen  in einem Zustand hochgradiger emotionaler Aufgewühltheit. "ran" erfüllte für diese Fans auf dem Sendeplatz um 18.30 Uhr die Funktion der Erregungs-Verarbeitung: Der gerade erst erlebte Triumph des Lieblingsvereins sollte noch einmal nachgekostet oder die Hintergründe für die Niederlage sollten geklärt und aufgearbeitet werden.

    Die Rezeption von "ran" unmittelbar nach Spielende beruhigte so
bislang die Erregungs-Kurve der Fans und ermöglichte es ihnen, sich
wieder gelassener anderen Themen oder Aufgaben zuzuwenden. Die
Verschiebung des Sendeplatzes zwingt viele Fans jetzt dazu, andere
Wege der Erregungs-Verarbeitung zu suchen.
    
    2. Faktor: Zeitnahe Erregungs- Komprimierung
    
    Auch die zweite Funktion von "ran" auf dem alten Sendeplatz-die
"Erregungs-Komprimierung" - wird durch die Verlegung entwertet: Die
Fans, die sich der Echtzeit-Erregung nicht stellen können oder
wollen, haben den Wunsch, die Dramatik der Spiele zeitlich
komprimiert und dramaturgisch zugespitzt zu durchleben. Sie halten
die Spannung, indem sie sich vorher nicht über die Ergebnisse
informieren. Ihren Erregungs-Stau lösten sie dann zeitnah durch die
Rezeption der "ran"-Spielberichte auf dem vormaligen Sendeplatz auf.
Die Verlegung von "ran" führt jetzt dazu, dass die Erregungskurve
zusammenbricht, da viele Zuschauer die Ergebnisse nicht bis 20.15 Uhr
ignorieren können. Häufig halten sie die Spannung nicht länger aus
und suchen aktiv in den Kurznachrichten von ARD, ZDF, Videotext oder
Internet eine Auflösung der Erregung.
    
    Erregungs-Auflockerung und Seelenmassage durch das
"ZDF-SPORTstudio"
    
    Durch die bereits vor 20.15 Uhr vollzogene Auflösung der Erregung
wird "ran" für die Zuschauer zu einer entdramatisierten
Langeweile-Sendung, die mit großem Getöse versucht, die bereits
gelöste Spannung wieder auf zu bauen. Das "ZDF -SPORTstudio" um 22.15
Uhr beabsichtigt hingegen erst gar nicht, die Erregung des
Nachmittags noch einmal hochzukochen: Die Sendung betreibt eine
entspannende Erregungs-Auflockerung und Seelenmassage. Die
Hintergründe und das Drumherum des Spieltages werden ausgeleuchtet.
Die lockeren Gesprächrunden mit Trainern oder Spielern vermitteln den
Zuschauern das beruhigende Gefühl, dass trotzt der Dramatik des
Spieltages das Leben wieder harmonisch weitergeht.
    
    Fernsehen am Samstagabend: Die Zuschauer verlangen Erlebnisse aus
einem Guss
    
    Überdies sind mit der Prime time am Samstagabend traditionelle
Erlebniswünsche verbunden, die "ran" in keiner Weise erfüllen kann.
Der Samstagabend soll der Unterhaltungs-Höhepunkt der gesamten Woche
sein und die Zuschauer erwarten ein Erlebnis aus einem Guss: Für gute
Quoten sorgen daher ein fesselnder Spielfilm, eine moussierende Show,
eine harmonisierende Musik-Sendung oder ein packendes
Live-Fußball-Spiel. "ran" ist da durch die parzellierten kleinen
Erlebnis-Häppchen zu fragmentarisch, um diesen Erwartungen der
Zuschauer zu entsprechen.
    
    Mit freundlichen Grüßen
    
ots Originaltext: rheingold Institut für qualitative Markt- und
Medienanalysen
Im Internet recherchierbar: http://www.presseportal.de


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