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Eliten oder "Parasiten": Wie attraktiv ist "Studieren in Deutschland" für ausländische Studenten?

Köln (ots) - Eine tiefenpsychologische Pilotstudie von rheingold zur Motivation und zu den Erfahrungen ausländischer Studenten in Deutschland. Die Entscheidung, ein Studium in Deutschland zu beginnen, wird von ausländischen Studenten vor allem durch das Image der "Deutschland AG" bestimmt: Die Bundesrepublik als erfolgreiche Wirtschaftsmacht, als Land der geordneten politischen Verhältnisse, der Qualitätsprodukte, der geistigen Liberalität und der romantischen Traditionen bestimmt das Image der deutschen Hochschulen- konkrete Vorstellungen über ihre Strukturen und die Inhalte des Studiums spielen hierbei eher eine untergeordnete Rolle: Der Ruf Deutscher Hochschulen bei Studenten im Ausland ist besser als bei ausländischen Studierenden in Deutschland. Im Gegensatz zu anderen Hochschulsystemen finden ausländische Studenten in Deutschland nicht eine Verlängerung der abhängigen Schulzeit, sondern sie vollziehen die Erprobung eines umfassenden Lebensentwurfes, einer "Berufung": Wie in einem Brutkasten lässt ihnen das deutsche Hochschulsystem persönliche Entwicklungsspielräume, die nicht ausschließlich über fachliche Kompetenz definiert werden - allerdings ohne ihnen jedoch feste Rahmenbedingungen wie zeitliche Vorgaben und Einkommen bieten zu können. Diese Liberalität zieht auch diejenigen ausländischen Studenten an, die "Sinnreisen" unternehmen und insbesondere einen "freien Geist" entwickeln wollen. Letztendlich wird das Studium dennoch mehrheitlich als erfolgreich, als eines der "Top 10" im internationalen Vergleich, erlebt. Studieren als "Lebensentwurf zur Probe", als Suche nach der persönlichen Berufung: Dieser Herausforderung begegnen ausländische Studenten mit drei unterschiedlichen Strategien: Die "Durchstarter" haben klare und abgegrenzte Vorstellungen darüber, was sie erreichen wollen und organisieren ihr Studium innerhalb der vielschichtigen Möglichkeiten flexibel und mit eiserner Disziplin. Sie sind mit dem Studium, dem Abschluss und den beruflichen Perspektiven meist hoch zufrieden - erleben dieses allerdings eher als persönliche Leistung, denn als Qualität des Hochschulstandortes Deutschland. Die "Durchbeisser" beginnen das Studium mit einer festen Zielvorstellung, das über alle Hindernisse hinweg als Idealbild bestehen bleibt. Erst nach Abschluss des Studiums wandelt sich dieses Bild und der Lebensentwurf. Die "Durchwurstler" beginnen das Studium mit hoch gesteckten, aber diffusen Zielen. Erst nach einer längeren Zeit der Orientierungslosigkeit und der Auseinandersetzung mit den unterschiedlichsten Angeboten und der eigenen Lebenserfahrung sind sie in der Lage, ihr Studium erfolgreich zu absolvieren. Ein Proband: "Der deutsche Abschluss qualifiziert, weil man es geschafft hat, sich allein durchzuschlagen. Er untermauert Charakterstärke und Disziplin: Das Studieren schult die Persönlichkeit!" Als besonders bezeichnend für das Studium in Deutschland erleben ausländische Studenten die Ausländerfeindlichkeit und die fehlende Wertschätzung des Studiums durch die deutsche Bevölkerung. Ein Student: "Wer bei uns studieren kann, der ist wer. Hier wird man ja eher danach bewertet, wie viel Geld man hat, als danach, was in einem steckt: Wir vermieten nicht an Arbeitslose und Studenten!" Während des Studiums entsteht bei ausländischen Studenten andererseits ein Bild des "Studiums in Deutschland", das durch die Begriffe "Demokratie", "Liberalität" und "Reifungsprozess" gekennzeichnet ist. Diese Wertungen werden allerdings auch ambivalent erlebt: Dem demokratischen Prinzip der freien Studienwahl, der fehlenden Studiengebühren und fehlenden Korruption steht gegenüber, dass Studenten von der Bevölkerung eher als Parasiten, denn als zukünftige Elite betrachtet werden. Auch die Tatsache, dass die Universitäten nicht für die Stundentenmassen ausgestattet sind, wird als negative Kehrseite des demokratischen Prinzips erlebt. Die Liberalität des Universitätssystems mit ihrer Denk-Freiheit, ihrer Diskussions- statt Rezeptionskultur, ihrer Wahlfreiheit und der fehlenden zeitlichen Zwänge wird da negativ erlebt, wo Dozenten die Freiräume haben, Studenten zu vernachlässigen oder die Lehre nicht als ihr Aufgabengebiet zu sehen. Auch das mangelnde Feedback im universitären Betrieb, die fehlenden Konsequenzen eignen Tuns sind Kehrseiten der Medaille: Oft kommen Fehlentscheidungen während des Studiums erst nach dem erfolgreichen Abschluss zum Tragen. Ausländische Studenten erleben sich nach dem erfolgreichen Abschluss eines Studiums in Deutschland als eigenständige, reife Persönlichkeiten mit einem hohen Intellekt, viel Lebenserfahrung und guter Selbstorganisation - doch das Studium bereitet wenig auf die Berufsausübung vor. Die für das deutsche Hochschulsystem kennzeichnende Trennung von Theorie und Praxis führt in einen zweckfreien Raum - und nimmt häufig zu viel Zeit in Anspruch. Projektleiter: Kirsten Juchem Jens Lönneker ots Originaltext: rheingold Institut für qualitative Markt- und Medienanalysen Im Internet recherchierbar: http://recherche.newsaktuell.de Thomas Strätling straetling@rheingold-online.de rheingold Institut für qualitative Markt- und Medienanalysen Kaiser-Wilhelm-Ring 46 D-50672 Köln Tel.: ++49/(0)221/912 777-44 Fax: ++49/(0)221/912 777-43 Mobil: ++49/(0)172/3918613 http://www.rheingold-online.de Original-Content von: rheingold salon, übermittelt durch news aktuell

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