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Faszination Marathonlauf: Ein Passionsweg als psychische Wiedergeburt

Köln (ots) - Warum unterziehen sich immer mehr Menschen der Quälerei eines Marathonlaufes? rheingold legt jetzt eine erste tiefenpsychologische Studie zur Faszination dieses Massenphänomens vor. Hobby - Marathonläufer erleben die 42,195 Kilometer seelisch als einen freiwilligen Passionsweg, der sie in vier Stufen durch das psychische Erleben der völligen Selbstaufgabe zu einer Art "Wiedergeburt" führt, die sie als einen seligmachenden und stärkenden Glückszustand erfahren. Naturwissenschaftliche Erklärungen, die den Reiz des Marathon - Laufens ausschließlich auf die Wirkung körpereigener Hormone zurückführen, missachten wesentliche psychische Erfahrungen, die für das Erleben und somit für die Faszination eines vierstündigen Marathonlaufes prägend sind. Marathon-Läufe verzeichnen weltweit sprunghaft wachsende Teilnehmerzahlen: Es gibt bei allen Läufen mehr Interessenten, als Teilnehmer möglich sind. Was aber veranlasst Amateure aller Altergruppen, sich monatelang durch rigide Trainingsprogramme zu quälen, um letztendlich inmitten von Tausenden anderer Sportler durch die eigene Stadt zu laufen? Um diese Faszination zu erforschen, hat rheingold in Köln 30 Amateurläufer beiderlei Geschlechtes tiefenpsychologisch analysiert. Die von naturwissenschaftlicher Seite oft ins Feld geführte Erklärung, dass körpereigene "Glücks"- Hormone die Ursache des Booms seien, greift zu kurz: Marathon-Läufer durchlaufen auf ihrem mühsamen Weg zum Ziel einen vielschichtigen psychischen Prozess, einen Passionsweg, der aus vier Erlebens-Etappen besteht. Die erste Etappe: Von der Euphorie getragen. Der Start eines Marathonlaufes ist für den Amateur - Sportler eine erste große Genugtuung, denn er ist am Ziel seiner Träume angekommen und die quälende Trainingsdisziplin der vergangenen Monate hat ein Ende. Er ist in euphorischer Stimmung - Zweifel und Unsicherheiten angesichts der Herausforderung begegnet er selbstbewusst: :"Jetzt hast du so lang trainiert, jetzt läufst du dein eigenes Rennen!" Von dieser Stimmung und dem Applaus der Zuschauer getragen, absolviert er die ersten 20 Kilometer kraftvoll und locker. Die außergewöhnliche Situation, bekannte Ecken seiner Stadt aus ungewohntem Blickwinken erkunden zu können, lenkt ihn beinnahe vom Laufen ab. Die zweite Etappe: Der Mann mit dem Hammer. Um die Mitte der Marathon-Distanz beginnt der Läufer seine Muskeln zu spüren. Er wird müde und der Lauf verkrampft. Mit jedem Schritt nimmt das körperliche Leiden zu und es breitet auf das seelische Erleben aus. Das Selbstbewusstsein schwindet schnell, der Wille beginnt zu brechen und der Läufer zweifelt an sich selbst:" Warum tust Du dir das alles eigentlich an?" Machtvoll übernimmt in dieser Phase der "innere Schweinehund" des Nicht-Wollens, der Selbstaufgabe und des Selbstzweifels das Regiment über das Seelenleben: Mit jedem weiteren Schritt zerstört der Läufer in seinem freiwilligen Martyrium absichtlich das anfänglich starke Ego zu einem willenlosen und schmerzvollen Häufchen Elend: "Da kommt der Mann mit dem Hammer!" Die dritte Etappe: Durch das Tor der Leiden. An dem absoluten Tiefpunkt des Leidens, an dem es scheinbar kein Weiterkommen gibt, verändert sich das psychische Erleben plötzlich dramatisch und leitet die Wende ein: Die Läufer geben sich scheinbar selbst auf und überlassen sich der Situation, einer geheimnisvollen Macht, die sie trägt und zu neuen, außergewöhnlichen Erlebnissen führt. Diese Macht kommt von außen: Aufmunternde Blicke von Verwandten und Freunden, die mit traumwandlerischer Sicherheit an dieser besonderen Stelle des Laufs placiert wurden, der Beifall der Zuschauer, Samba-Rhythmen, gereichte Bananen, Schoko-Riegel oder Wasser. Das Ereignis "Marathon" mit all seinen Begleitumständen flößt dem noch vor wenigen Minuten einsam leiden Läufer neues Leben ein. Eine Läuferin: "Es hat mich besonders ergriffen, als ich nicht mehr weiterkonnte und so dahin kroch und dann meinen Mann am Rande stehen sah, der mir zu verstehen gab: Ich bin da, wenn es Dir schlecht geht. Du schaffst es!" Die vierte Etappe: Die triumphale Wiedergeburt. Aus der totalen Zermürbung der Seele und der belebenden Erfahrung eines größeren Zusammenhangs kehrt sich in der vierten Etappe das Leiden in einen seligmachenden Glückszustand um: Die Seele wird im Triumph wiedergeboren. Für die Bereitschaft, sich bedingungslos auf einen Leidensweg eingelassen zu haben, wird der Läufer jetzt durch ein "unbeschreibliches" Glücksgefühl belohnt. Er fühlt sich stark und mächtig: Die letzten Kilometer absolviert er wie von Flügeln getragen bis zur Erlösung im Ziel. Die Passion hat sich erfüllt: Der Läufer hat während des Laufes an sich gelitten und sich selbst wieder von diesem Leiden befreit - Er ist Opfer und Erlöser zugleich. Projektleiter der rheingold - Studie: Heinz Grüne Dr. Andreas Marlovits ots Originaltext: rheingold Institut Im Internet recherchierbar: http://recherche.newsaktuell.de Für Rückfragen: Thomas Strätling Tel: ++49/(0)221/912777-44 Fax: ++49/(0)221/912777-43 http://www.rheingold-online.de Original-Content von: rheingold salon, übermittelt durch news aktuell

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