rheingold salon

Wahl in Schleswig-Holstein tiefenpsychologisch: Küste im Trauma

Köln (ots) - Die aktuelle Vertrauenskrise in die Politik durch die Parteispendenaffaire wird in Schleswig-Holstein als Wiederholung der traumatischen Barschel- und Engholm - Affairen erlebt. Bei den Wählern überwiegt am Tag vor der Wahl eine gedrückte, enttäuschte und fast resignative Stimmung: Die tiefe Sehnsucht nach einem führungsstarken und glaubwürdigen Landesvater, der das "kleine Schleswig-Holstein" nach vorn bringen kann, bleibt auch weiterhin unerfüllt. Land und Wähler werden auch nach der Wahl in einem Zustand der Agonie verbleiben. Dieses ist das wesentliche Ergebnis einer tiefenpsychologischen Wählerforschung, die das Kölner Institut für qualitative Markt- und Medienanalysen rheingold unmittelbar vor der Wahl im nördlichsten Bundesland durchgeführt hat. Vor allem CDU -Spitzenkandidat Volker Rühe, vor wenigen Wochen noch von Wähler aller Parteien als starker Mann und Hoffnungsträger geschätzt, ist durch den Parteispendenskandal unglaubwürdig geworden. Ohne rechte Begeisterung halten die Schleswig-Holsteiner an ihrer ehrlichen und fürsorglichen Landesmutter Heide Simonis fest. Mit Volker Rühe verbanden sich vor der Parteispendenaffaire bei Wählern aller Parteien die Hoffnung, dass er dem "randständigen, oftmals vergessenen Schleswig-Holstein Auftrieb geben und es aus der Randständigkeit herausreißen" könne. Selbst bei vielen SPD-Wählern war die Bereitschaft zu erkennen, ihn aktiv zu wählen oder sich mit einem Landesvater Rühe zu arrangieren. Der CDU-Spitzenkandidat hat durch die Affaire sein Image als "durchsetzungsfähige Führungspersönlichkeit" und "konsequenten Kämpfertyp, der viel bewegen kann" verloren. Er wirkt jetzt als "tönerner Riese", "ausgehöhlt und angeschlagen". Aufgrund der Erfahrungen mit den früheren Landesvätern Barschel und Engholm zweifeln die Wähler an seiner Unschuld. Als kränkend erleben es selbst viele CDU-Wähler außerdem, dass Rühe nicht "bedingungslos zum kleinen Land Schleswig - Holstein steht", sondern sich mit dem Parteivorsitz der CDU neu zu orientieren scheint. Dennoch überwiegt bei den meisten Wählern Mitleid mit dem einstigen Hoffnungsträger, der die in ihn gesetzten Hoffnungen auf einen kraftvollen und ehrlichen Neuanfang nicht mehr erfüllen kann. Heide Simonis gilt dagegen als ehrliche und fürsorgliche Landesmutter. Sie wirkt natürlich, bodenständig und volksnah. Aber selbst SPD-Wähler verbinden mit ihr keinen neue Durchkraftung und keinen starken Auftrieb. Als eine verlässliche und angesichts der Affären tröstliche Landesmutter verspricht sie den Erhalt des status quo. Die Tiefeninterviews mit Wählern in Schleswig Holstein bestätigen die Ergebnisse der Anfang Februar in Nordrhein-Westfalen durchgeführten rheingold - Studie zur Parteispendenaffäre: Die Tiefendimensionen der Krise sind viel gravierender als es in den allgemeinen Beschwichtigungen, politischen Schuldzuweisungen oder Meinungstrends zum Ausdruck kommt. Es gibt eine tiefe Erschütterung der Wähler und eine in ihrem Ausmaß beispiellose Vertrauenskrise in die gesamte politische Klasse. Im Zuge des Stillhalteabkommens zwischen Wählern und Politikern stellen die Wähler das System zwar grundsätzlich nicht in Frage, unterschwellig vollzieht sich jedoch eine Erosion des politischen Systems und der politischen Kultur, deren Folgen prognostizierbar sind: Die Erstarkung konsequenter Führungsgestalten mit dem Versprechen nach Wahrung des persönlichen status quo und der Befreiung von "Filz", Undurchschaubarkeit und Ungerechtigkeit. Weiterhin, so zeigen die Tiefeninterviews, wird der Zuwachs an Politikverdrossenheit und der Rückzug ins Private zunehmen und die CDU bei den nächsten Wahlen symbolisch abgestraft werden. ots Originaltext: rheingold Institut für qualitative Markt- und Medienanalyse Im Internet recherchierbar: http://recherche.newsaktuell.de Kontakt: Thomas Strätling Leiter Unternehmenskommunikation / Pressesprecher Tel. 0221/91277744 Fax 0221/91277743 mail: straetling@rheingold-online.de rheingold Institut für qualitative Markt- und Medienanalyse Kaiser-Wilhelm-Ring 46 D-50672 Köln net: www.rheingold-online.de Original-Content von: rheingold salon, übermittelt durch news aktuell

Themen in dieser Meldung


Das könnte Sie auch interessieren: