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Tiefenpsychologische Untersuchung der Parteispendenaffäre: Die schwere Vertrauenskrise führt kurzfristig nicht zur Ablehnung des Parteiensystems, langfristig erhalten jedoch radikale Führungsgestalten Auftrieb

Köln (ots) - Obwohl das Vertrauen der Wähler aller großen Parteien in die Politik und die Politiker durch die gegenwärtigen Parteispendenaffären schwer erschüttert ist, wird keine Notwendigkeit zur Veränderung des gegenwärtigen Parteiensystems gesehen. Eine tiefenpsychologische Studie des Kölner Instituts für qualitative Markt- und Medienanalysen rheingold ergab, dass trotz großer Empörung über die gegenwärtigen Skandale viele Bürger bereit sind, sich selbst zu beschwichtigen und auf eine rasche Normalisierung der Verhältnisse hoffen. Solange die Politik die Wahrung der gegenwärtigen materiellen Besitzstände sicherstellt, sind sie zu einem "Stillhalteabkommen" mit Politikern bereit und verzichten auf Forderungen zur Veränderung des politischen Systems. Zentraler Ausdruck der gegenwärtigen Vertauenskrise ist ein unterschwelliger Argwohn, dass die tatsächlichen Verhältnisse weit problematischer sein könnten als bisher bekannt. Sämtliche Politiker aus allen Parteien werden tendenziell als korrupt angesehen und es besteht die weit verbreitete Ansicht, dass Politik sich zu einem mafiösen System entwickelt haben könnte, das mit kriminellen Mitteln den Ausbau seiner Macht betreibt. Die Einsicht vieler Wähler, die Politik wieder stärker kontrollieren und mehr persönliche Verantwortung übernehmen zu müssen, führt jedoch nicht zu grundsätzlichen Forderungen an die politische Kultur und erschöpft sich in der Forderung nach kurzfristigen, zumeist personalisierten drastischen Aktionen. Ähnlich wie die Politiker schrecken auch die Wähler vor wirklichen Veränderungen zurück: Nach der Bestrafung der Politiker kann wieder zur politischen Tagesordnung übergegangen werden. Hintergrund dieser Einstellung ist die Tatsache, dass man sich persönlich in den materiellen Lebensverhältnissen, die von der Politik gesichert werden, gut eingerichtet glaubt. Dieses "Stillhalteabkommen" verhindert den manifesten Ausbruch einer Krise. Die vielzitierte Politikverdrossenheit erscheint vor diesem Hintergrund als Rechtfertigung, sich von der Politik abzukoppeln und sich in private Eigenwelten zurückzuziehen. Die Studie von rheingold erweist außerdem, dass viele Bürger hilflos vor der Frage stehen, wie sie überhaupt in die Politik eingreifen können. Ihnen fehlt es an politischen Zukunftsvisionen. Wirkliche politische Veränderungen werden allenfalls mit dem Schreckenszenario des Rechtsextremismus in Verbindung gebracht. Vor diesem Hintergrund soll das bestehende System auf jeden Fall erhalten werden, allerdings mit Optimierungen in den Wertevorstellungen für Demokratie, soziale Gerechtigkeit und Toleranz. Projektleiter Stephan Grünewald geht davon aus, dass die gegen- wärtigen Skandale langfristig zu einem stärkeren Rückzug der Wähler ins Private führen werden und dass durch diese Abkoppelung die Spielräume der Politiker zukünftiger noch größer werden. Auftrieb werden allerdings zukünftig politische Führungsgestalten haben, die versprechen, mit Ungerechtigkeiten, mit "Filz" und unklaren Lebensverhältnissen aufzuräumen und gleichzeitig die materiellen Lebensverhältnisse zu sichern: "Auch wenn gegenwärtig keine grundlegende Krise des Parteiensystems konstatiert werden kann, so ist diese nur aufgeschoben." Eine Langfassung der Studie kann bei rheingold angefordert werden. ots Originaltext: rheingold Im Internet recherchierbar: http://www.newsaktuell.de Kontakt: Thomas Strätling Leiter Unternehmenskommunikation/Pressesprecher Tel.: 0221/912 777-44 Fax: 0221/912 777-55 Mail: straetling@rheingold-online.de rheingold Institut für qualitative Markt- und Medienananlysen Kaiser-Wilhelm-Ring 46 D-50672 Köln Net: www.rheingold-online.de Original-Content von: rheingold salon, übermittelt durch news aktuell

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