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Neue McKinsey-Studie: Wettbewerbsfaktor Energie als Chance für die deutsche Wirtschaft

München (ots) - 850.000 neue Arbeitsplätze in Deutschland durch Wachstumskerne in energierelevanten Märkten möglich - 2,1 Billionen Euro Marktpotenzial im Jahr 2020, Wachstumsraten von 13% - 53 Mrd. Euro jährliches Energiesparvolumen für deutsche Unternehmen und Haushalte - Betreibermodelle fördern Wettbewerbsfähigkeit und Klimaschutz

36,5 Billionen Euro wurden im vergangenen Jahr weltweit in Branchen erwirtschaftet, in denen Energie und Energieeffizienz von strategischer Bedeutung sind. Das entspricht etwa 40% aller Umsätze. In Deutschland ist dieser Anteil nach Berechnungen der Unternehmensberatung McKinsey & Company mit 44% höher als in allen anderen westlichen Industrienationen und erreicht 2,38 Billionen Euro. Zu diesen Branchen, in denen der Wettbewerbsfaktor Energie eine Schlüsselrolle spielt, zählen Transport und Verkehr, Gebäudetechnik, energieintensive Industrien, Maschinen- und Anlagenbau, Informationstechnologie und IT-Services sowie die Energiewirtschaft selbst.

Die McKinsey-Studie "Wettbewerbsfaktor Energie" zeigt, dass es innerhalb dieser Märkte Bereiche gibt, die ein besonders schnelles, weit überdurchschnittliches Wachstum versprechen und bei denen deutsche Unternehmen exzellente Ausgangspositionen haben. Diese Wachstumskerne bieten bis 2020 jährliche Zuwachsraten von durchschnittlich fast 13%. Damit erreichen sie bis 2020 ein jährliches Volumen von mehr als 2100 Milliarden Euro, ausgehend von 500 Mrd. Euro im Jahr 2008. "Wenn es der deutschen Wirtschaft gelingt, in der Besetzung dieser Wachstumskerne eine führende Rolle zu spielen, dann leistet dies einen herausragenden Beitrag zur Überwindung der Krise. Dadurch können bis 2020 in Deutschland mindestens 850.000 neue Arbeitsplätze geschaffen werden", sagt Frank Mattern, Managing Partner Deutschland von McKinsey. "Für Unternehmen in diesen Bereichen ist es strategisch entscheidend, welche Form von Energie in welcher Menge und zu welchen Kosten entweder in den Produkten oder in den Produktionsprozessen verbraucht wird."

Neue Technologien in der Autoindustrie

Laut McKinsey ergibt sich bis zum Jahr 2020 allein aus effizienteren und emissionsärmeren Pkw-Technologien ein Marktpotenzial von 325 Milliarden Euro. Gegenüber dem heutigen Stand entspräche dies einem Wachstum dieser Marktsegmente von jährlich 29%. Dazu gehören

- Hybridfahrzeuge, die weiterhin als Hauptantrieb einen Verbrennungsmotor haben, aber durch einen Elektromotor unterstützt werden. Sie dürften je nach Ölpreis bis 2020 einen weltweiten Marktanteil zwischen 16 und 24% erreichen, das wären mindestens 270 Milliarden Euro.

- Autos mit signifikant verbessertem Verbrennungsmotor. Die relevanten Komponenten zur Steigerung der Energieeffizienz und zur Verringerung des Kraftstoffverbrauchs schaffen ein Marktvolumen von 30 bis 35 Milliarden Euro.

- Elektroautos und so genannte Plug-in-Hybridfahrzeuge (Fahrzeuge, deren Batterie über das Stromnetz aufgeladen werden kann, im Gegensatz zu normalen Hybridfahrzeugen, deren Batterie sich nur durchs Fahren aufladen lässt) werden langfristig ebenfalls eine bedeutende Rolle für die Autoindustrie spielen. Bis 2020 rechnet McKinsey allerdings nur mit einem Umsatzanteil zwischen 1 und 9%, der stark vom dann geltenden Ölpreisszenario und der technischen Entwicklung abhängt. Das wären Umsätze zwischen 20 und 110 Milliarden Euro.

Wachstumskerne: 180 Mrd. Euro Marktpotenzial in der Gebäudetechnik, Chancen im Maschinen- und Anlagenbau

Die Marktchancen im Gebäudesektor - allein die privaten Wohnhäuser machen ein Viertel des weltweiten Energieverbrauchs aus - ergeben sich durch energieeffiziente Heizsysteme, dezentrale Kraftwärmekopplung, bessere Gebäudeisolierung und Haushaltsgeräte, die signifikant weniger Strom verbrauchen. McKinsey schätzt das Potenzial in diesen Wachstumskernen auf 180 Milliarden Euro im Jahr 2020.

Weitere 120 Milliarden Euro Potenzial bietet der Wettbewerbsfaktor Energie nach der Studie in schnell wachsenden Marktsegmenten des Maschinen- und Anlagenbaus. Dazu zählen maßgeschneiderte Lösungen für energieintensive Industrien wie Chemie, Stahl, Zement, aber auch branchenunabhängige Lösungen in der Automatisierungs- und Steuerungstechnik, bei industriellen Antrieben, der IT-Infrastruktur und der Wärmerückgewinnung. IT-Systeme im Energiemanagement bieten in der Verkehrssteuerung, bei Smart-Grid-Lösungen zum Steuern von Stromnetzen und im Energiemanagement bei industriellen Verbrauchern ein Marktpotenzial von zusammen nochmals rund 30 Milliarden Euro. Bei der Energie¬erzeugung lauten die Wachstumsthemen der nächsten Jahre McKinsey zufolge erneuerbare Energien, Komponenten für den weltweiten Bau von Kernkraftanlagen sowie das Abscheiden und Einlagern von Kohlendioxid, also Carbon Capture and Storage.

53 Mrd. Euro jährliches Einsparpotenzial

Neben neuen Absatzchancen bietet der Wettbewerbsfaktor Energie der deutschen Wirtschaft auch erhebliches Einsparpotenzial. Frank Mattern, Deutschland-Chef von McKinsey: "Nach unseren Berechnungen können deutsche Unternehmen und Haushalte im Jahr 2020 ein Einsparvolumen von 53 Milliarden Euro gegenüber dem heutigen Niveau erreichen, was etwa 25% der gesamten Energiekosten in Deutschland entspricht."

Im Verkehr ließen sich die Kosten um 22 Milliarden Euro senken, bei den Gebäuden um 21 Milliarden und in der industriellen Produktion um weitere 10 Milliarden Euro. Das bedeutet: Die EBIT-Marge, also das Ergebnis vor Steuern und Zinsen, ließe sich so von 3,5% auf 4,0% steigern. Mattern: "Das wäre ein ganz erheblicher Beitrag zur Verbesserung der Wettbewerbsposition und zur Existenzsicherung vieler Unternehmen."

Betreibermodelle erleichtern Energiesparen und Klimaschutz

Viele Chancen zum Energiesparen bleiben heute noch ungenutzt, obwohl sie sich finanziell rechnen würden. Ursachen sind teils mangelnde Information und teils ein zu kurzer Betrachtungszeitraum: Entscheidungskriterium für den Kunden/Verbraucher sind meist die Anschaffungskosten, nicht so sehr eine Analyse der Gesamtkosten und Vorteile über den Lebenszyklus eines Produkts. Hier würden Betreibermodelle entscheidende Verbesserungen ermöglichen. Mattern: "Einen enormen Schub würden wir in der Energieeffizienz - und damit auch beim Klimaschutz - erreichen, wenn wir den Blick auf die Gesamtkosten zur wirtschaftlichen Entscheidungsgrundlage machen." Der Ansatz basiert auf dem Konzept der Total Cost of Ownership. Damit lassen sich Betreibermodelle entwickeln, etwa für die Nutzung von Elektroautos, für Wohngebäude oder in der dezentralen Energiewirtschaft. Hier könnte zum Beispiel ein Dienstleister mit längerem Anlagehorizont die Finanzierung der Anfangsinvestition übernehmen und seine Rückzahlungen über die Energieeinsparungen erhalten.

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