Deutsche AIDS-Hilfe

Deutsche AIDS-Hilfe zu HIV-Neuinfektionen: Präventionslücken schließen

Berlin (ots) - Die Zahl der Infektionen ist stabil, könnte aber niedriger sein. Prävention jetzt ausbauen mit medikamentöser Prophylaxe, Spritzenvergabe in Haft / 13.000 Menschen wissen nichts von ihrer Infektion. Deutsche AIDS-Hilfe rät: Im Zweifel testen lassen

Die Zahl der HIV-Neuinfektionen in Deutschland betrug 2015 wie im Vorjahr 3.200. Das hat heute das Robert-Koch-Institut in seinem Epidemiologischen Bulletin mitgeteilt.

Dazu erklärt Sylvia Urban vom Vorstand der Deutschen AIDS-Hilfe: "Verglichen mit anderen europäischen Ländern, liegt die Zahl der Neuinfektionen in Deutschland seit Jahren konstant auf niedrigem Niveau. Das ist ein Erfolg der Prävention. Aber: Die Zahl könnte noch niedriger sein. Denn zurzeit sind einige hoch wirksame Maßnahmen zur Vermeidung von HIV-Infektionen in Deutschland nicht zugänglich. Wer Neuinfektionen senken will, muss alle wirksamen Mittel verfügbar machen!"

In Einklang mit den Handlungsempfehlungen des RKI fordert die Deutsche AIDS-Hilfe drei wesentliche Erweiterungen der HIV-Prävention in Deutschland:

   - Die Prä-Expositionsprophylaxe (PrEP), bei der HIV-Medikamente 
     vorbeugend eingenommen werden, verhindert zuverlässig 
     Infektionen bei Menschen mit besonders hohem Risiko. Seit diesem
     Jahr ist sie in Deutschland verschreibungsfähig, doch für die 
     Finanzierung gibt es bisher keine Lösung. Der zuständige 
     Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) von Ärzten und Krankenkassen 
     äußert sich nicht, der Hersteller Gilead beharrt auf dem hohen 
     Preis von über 800 Euro pro Monat. Die Folge sind vermeidbare 
     HIV-Infektionen. 

DAH-Vorstand Sylvia Urban: "Das Kondom bleibt für die meisten Menschen das wichtigste Mittel, um sich vor HIV zu schützen, es reduziert zudem das Risiko anderer Geschlechtskrankheiten. Die PrEP ist jedoch für schwule Männer mit besonders hohem Risiko eine unverzichtbare Ergänzung der Schutzmöglichkeiten. Sie bewahrt Menschen vor einer HIV-Infektion und erspart Therapiekosten. Was wirkt, muss auch zur Anwendung kommen!"

   - Verfügbarkeit von sauberen Spritzen in Haft: Bei Menschen, die 
intravenös Drogen konsumieren, sind saubere Spritzen das 
entscheidende Mittel, um HIV- und Hepatitis-Übertragungen zu 
verhindern. Das RKI betont, entsprechende Präventionsmaßnahmen 
müssten verstärkt werden. Die Deutsche AIDS-Hilfe betont: In 
deutschen Haftanstalten sind bisher keine sauberen Spritzen 
verfügbar. In Bayern erhalten Häftlinge meist auch keine  
Substitutionstherapien, so dass Abhängige wieder an der Nadel landen.
Aufgrund der Strafverfolgung von Drogenkonsument_innen befinden sich 
viele von ihnen in Haft, bundesweit ist rund 1% der Häftlinge 
HIV-positiv, rund 20% sind mit dem Hepatitis-C-Erreger HCV infiziert. 

"Menschen einem drastisch erhöhten Infektionsrisiko die Schutzmaßnahmen zu entziehen ist irrational und hoch gefährlich", sagt DAH-Vorstand Sylvia Urban. "In deutschen Gefängnissen werden HIV- und HCV-Infektionen fahrlässig herbeigeführt."

   - Mehr HIV-Test-Angebote, Zugang zur Therapie für alle: Angebote 
für freiwillige und anonyme HIV-Tests müssen ausgebaut werden, 
insbesondere für schwule und bisexuelle Männer, Drogenkonsument_innen
und Migrant_innen. Denn wenn eine HIV-Infektion diagnostiziert und 
erfolgreich behandelt wird, kann sie nicht voranschreiten und HIV ist
dann nicht mehr übertragbar. Die Deutsche AIDS-Hilfe fordert 
entsprechend den Empfehlungen des Robert-Koch-Instituts mit 
Nachdruck, Menschen ohne Papiere und EU-Ausländern ohne 
Krankenversicherung endlich den anonymen Zugang zur Therapie zu 
eröffnen. 

"Medizinische Behandlung ist ein Menschenrecht und ein Gebot der Vernunft. Es ist beschämend, dass diese Lücke in der deutschen Gesundheitsversorgung noch immer Bestand hat", so Urban.

Im Zweifel zum HIV-Test

Knapp 13.000 Menschen in Deutschland wissen nichts von ihrer HIV-Infektion, viele sind schon seit Jahren infiziert. Sie erhalten dementsprechend keine Therapie und es kann zu unwissentlichen HIV-Übertragungen kommen.

"Wer ein HIV-Risiko eingegangen ist, sollte sich testen lassen", betont Sylvia Urban. Ärztinnen und Ärzte sollten HIV-Tests häufiger anbieten. Männern, die Sex mit Männern haben, rät die Deutsche AIDS-Hilfe aufgrund der höheren Bedrohung durch HIV zu jährlichen Routine-Checks.

Bericht auf aidshilfe.de: http://ots.de/P0fLV

Weitere Informationen: PrEP: https://www.aidshilfe.de/hiv-prep Versorgung von Menschen ohne Papiere: http://ots.de/P0fLV

Die Geschichte einer HIV-Diagnose, die fast zu spät kam: http://ots.de/EvgfX

Pressekontakt:

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