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Nachhaltige Städte: Die Zukunft des Gebäudesektors ist grün

Hannover (ots) - Effektiver Klimaschutz geht nicht ohne die Gebäude in Städten - sie verbrauchen einen Großteil der Energie und sind deshalb für den Klimaschutz essentiell. Nachhaltige Architektur ist dabei längst nicht mehr nur etwas für Weltverbesserer, sondern ein gewaltiger Zukunftsmarkt.

Auf der Metropolitan Solutions, der weltweit einzige Smart-City-und Green-City-Konferenzplattform (7. bis 11. April 2014), diskutieren Politiker und Experten unter anderem aus der EU, der deutschen Bundespolitik, den europäischen Klimaschutzhochburgen, der Automobil- und Energieversorgungswirtschaft gemeinsam mit innovativen Start-ups, Spitzenverbänden und der Deutschen Rohstoffagentur über intelligente Technologien, die zum Einsatz kommen könnten, um die Energiewende voranzutreiben. Denn: Der Erfolg der Energiewende entscheidet sich in den Städten und durch die Städte. Fragen sind beispielsweise: Welche innovativen kommunalpolitischen Strategien setzen Europas beispielgebende Klimaschutzhochburgen ein? Wie "smart" muss das Energiesystem sein, und wer bezahlt es?

Der deutsche Reichstag als Selbstversorger mit grünem Strom

Von außen betrachtet steht am Platz der Republik in Berlin nur das wiederbelebte Wahrzeichen der deutschen Demokratie: Der Reichstag ist 120 Jahre alte Neorenaissance, Touristenmagnet und Kulisse für hitzige Parlamentsdebatten. Doch ist er auch ein Symbol für die Zukunft unserer Städte? Das integrierte Energiekonzept des in den Neunzigerjahren umgebauten Gebäudes - inklusive Solartechnik, Geothermie, Kraft-Wärme-Kopplung und mechanischer Belüftung - verdeutlicht, was Ingenieure inzwischen aus alten Bauwerken herausholen können. Zu 82 Prozent versorgen sich der Reichstag und die umliegenden Gebäude selbst mit grünem Strom. Dass Gebäude zu Kraftwerken werden, ist nicht die einzige Neuerung: innovative Fenstertechnik, Dämmung sowie effiziente Heizung und Kühlung senken den Energieverbrauch von Gebäuden drastisch. Der Gebäudesektor ist dabei der Schlüssel zu effektivem Klimaschutz und zukunftsfähigen Städten.

Neuartige Fenster lassen Heizkosten um bis zu 25 Prozent sinken

Der deutsche Gebäudebestand macht knapp 40 Prozent des Endenergieverbrauchs aus. Mehr als ein Drittel des EU-weiten Ausstoßes von Treibhausgasen entfällt auf Gebäude. Gleiche Zahlen gelten laut den Vereinten Nationen für den weltweiten Durchschnitt. Und diese Zahlen zeigen: Beinahe nirgendwo bringen Effizienzmaßnahmen mehr als im Gebäudesektor und sind sie so einfach und auch wirtschaftlich umzusetzen. Mit heute verfügbaren Technologien lässt sich der Energiebedarf von alten und neu errichteten Gebäuden um 30 bis 80 Prozent verringern. Genau das schreiben auch immer mehr Gesetzgeber vor - beispielsweise soll der deutsche Bestand bis 2050 nahezu klimaneutral werden. Um diesen Vorgaben nachzukommen, hat zum Beispiel das oberfränkische Unternehmen Rauh SR Fensterbau zusammen mit Fraunhofer-Forschern ein Fenster entwickelt, das über Sensoren die Lüftung steuert und die Heizkosten um bis zu 25 Prozent senken soll. Der Trick: Bevor die frische Luft in den Raum fließt, strömt sie durch einen Spalt am Boden des Fensters zwischen den Scheiben nach oben und erwärmt sich so. Scheint die Sonne, ist der Effekt noch größer.

Auch im Bereich der Dämmung tut sich einiges: So könnten nur zwei Zentimeter dünne Vakuumpaneele für Fassaden künftig auch Altbauten ohne größere Verschandelung wärmedämmen. Erste Produkte deutscher Unternehmen sind schon erhältlich.

Grüne Gebäude: aus der Nische zum Megatrend

Der Trend zu effizienten Gebäuden, die außerdem ihre eigene Energie produzieren, schafft einen gigantischen Markt. Laut einer Befragung des US-Fachverlags McGraw Hill schätzen Architekten, Ingenieure und Gebäudebesitzer, dass bis Ende 2015 mehr als die Hälfte ihrer Projekte in den Bereich nachhaltiges Bauen fallen. Bemerkenswert dabei ist, dass noch 2008 ein Großteil der Befragten auf die Frage nach den wichtigsten Treibern für die Zunahme an grünen Bauprojekten antwortete: "Weil es das Richtige ist." In der neuen Erhebung geben sie "niedrigere Betriebskosten" als wesentlichen Grund an. Nachhaltiges Bauen, so zeigt sich, wird von einem Thema für Weltverbesserer zu einem tragfähigen Geschäftsmodell.

Höhere Anfangsinvestitionen für effiziente Gebäude zahlen sich dabei von allein aus, schreibt der World Green Building Council in einem Report. Der Grund: Energieeffiziente Wohnungen und Büros verursachen langfristig deutlich weniger Betriebskosten. Kein Wunder, dass Marktanalysten beeindruckende Umsatzzahlen für den Bereich grünes Bauen voraussagen. In 2017 werde das globale Marktvolumen für energieeffiziente Technik in Gebäuden die Marke von 100 Milliarden US-Dollar knacken, schätzen Experten des US-Marktforschungsunternehmens Navigant Research.

Online-Award zeichnet vorbildliche Projekte aus

Deshalb darf das Thema Green Buildings auch auf der Metropolitan Solutions nicht fehlen, die parallel zur HANNOVER MESSE vom 7. bis 11. April Technologien und Dienstleistungen für Städte zeigt. Auch ein hochkarätig besetztes Diskussionspanel der in diesem Rahmen stattfindenden ICLEI Global Town Hall widmet sich dem Thema nachhaltiges Bauen. Hinzu kommt ein weiteres Highlight der Messe: die Vergabe des Green Building Solutions Awards, den die Metropolitan Solutions in Kooperation mit dem Netzwerk Construction21 zum zweiten Mal vergibt. In vier Kategorien soll der Award vorbildliche Gebäude, die innovative Lösungen im Bereich Energieeffizienz und Umweltschutz aufweisen, hervorheben und auszeichnen.

Ein Beispiel fortschrittlicher Stadtentwicklung ist derzeit schon in Stuttgart zu besichtigen: Das Stadtquartier Killesberghöhe hat im vergangenen Jahr als erstes Bauprojekt seiner Art die Gold-Zertifizierung der Deutschen Gesellschaft für nachhaltiges Bauen erhalten. Projekte wie das in Stuttgart dürften künftig das Bild der Metropolen weltweit prägen. Nimmt man die verschiedenen Nachhaltigkeitszertifikate als Messgröße, bleibt indes noch viel zu tun: Weniger als fünf Prozent der Büroflächen in den sieben größten deutschen Städten sind einer Erhebung des Immobilienunternehmens Jones Lang LaSalle zufolge bislang zertifiziert. Der Gebäudeindustrie stehen also grüne Zeiten bevor.

Über die Metropolitan Solutions 2014

Die Metropolitan Solutions ist die weltweit einzigartige Smart-City-und Green-City-Konferenzplattform, auf der Entscheider aus Verwaltung, Administration und Politik mit den wichtigsten Anbietern von städtischen Infrastrukturlösungen aus der Industrie zusammenkommen. Gemeinsam nutzen sie die Messe als internationale Dialog- und Informationsplattform für Technologien und Dienstleistungen für Städte und diskutieren über innovative Konzepte und aktuelle Technologien für nachhaltige Stadtentwicklung sowie Best-Practice-Beispiele. Insgesamt 37 Partner unterstützen die Metropolitan Solutions, unter ihnen Institutionen wie der Deutsche Städtetag und der Deutsche Städte- und Gemeindebund, das weltweite Städtenetzwerk ICLEI und das World Business Council for Sustainable Development. Die Schirmherrschaft hat erneut EU-Energiekommissar Günther Oettinger übernommen, der auf der Messe seine "Smart Cities Initiative" vorstellt. Foren und Diskussionsrunden sowie begleitende Konferenzen wie die ICLEI Global Town Hall und das better transport forum ergänzen das Messeprofil. Das nutzen insbesondere der öffentliche Sektor sowie Wissenschaft und Industrie als ideale Möglichkeit, um sich zu begegnen und auszutauschen.

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