Europäischer Wirtschafts- und Sozialausschuss

Ländliche Förderung: Besser machen, einfach halten - fordert EWSA

Ländliche Förderung: Besser machen, einfach halten - fordert EWSA
Sofia Björnsson, EWSA-Mitglied und Berichterstatterin der Initiativstellungnahme zu "Konkreten Maßnahmen nach der Cork 2.0 - Erklärung". Weiterer Text über ots und www.presseportal.de/nr/127335 / Die Verwendung dieses Bildes ist für redaktionelle Zwecke honorarfrei. Veröffentlichung bitte unter Quellenangabe: "obs/Europäischer ...

Brüssel (ots) - Die ländlichen Gebiete in der EU unterscheiden sich innerhalb und zwischen Mitgliedstaaten. Es ist wichtig, diese Differenzen zu kennen und sicherzustellen, dass ländliche Programme und Maßnahmen jene Differenzen auf EU- und Mitgliedsstaaten-Ebene berücksichtigen. In seiner Initiativstellungnahme 'Konkrete Maßnahmen nach der Cork-2.0-Erklärung', fordert der Europäische Wirtschafts- und Sozialausschuss (EWSA) zielgesetztere Förderungen für die Entwicklung von ländlichen Gebieten, basierend auf den Prioritäten der jeweiligen Mitgliedstaaten, Regionen und Initiativen der Zivilgesellschaft.

Nur das verpflichtende 'Rural Proofing' wird effektive Richtlinien garantieren

Die Entwicklung des ländlichen Raums ist ein Querschnittsthema, welches nicht einzig durch den Europäischen Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des Ländlichen Raums (ELER) geschultert werden kann. Ländliche Entwicklung betrifft prinzipiell alle Politikbereiche. Der EWSA fordert somit eine kohärentere Politik, sowie eine Erhöhung der Anteile der ESI-Fonds für die ländliche Entwicklung - insbesondere in Bezug auf den Europäischen Landwirtschaftsfonds für Regionale Entwicklung (EFRE) und den Europäischen Sozialfonds (ESF). Dies sind erforderliche Schritte, um bestehende Disparitäten und territoriale Ungleichgewichte abzubauen.

Der EWSA ist der Meinung, dass 'Rural Proofing' - ein Instrument, um die Auswirkung von Politikentscheidungen auf ländliche Gebiete zu identifizieren - verpflichtend sein muss. "'Rural Proofing', welches allein zu Untersuchungen und Feststellungen führt, ist bedeutungslos; es muss eine wahre und akkurate Grundlage liefern für Menschen, die landwirtschaftliche Politikentscheidungen treffen, einschließlich der Verteilung von Fördermitteln", sagte Brendan Burns, Präsident der EWSA NAT-Fachgruppe.

In der Stellungnahme hebt der EWSA zudem hervor, dass die Vereinfachung auf allen Ebenen - regional, national, sowie auf EU-Ebene - von großer Dringlichkeit ist. "Wenn die EU die bürokratischen Hürden nicht vermindert, werden immer weniger Landwirte bereit sein, ihre einzigartige Landschaft zu schützen und zu fördern. Das wird sehr viel teurer werden als gezielte Subventionen. Leidtragende werden europäische Bürger sein, sowohl in Städten, als auch auf dem Land", betont Berichterstatterin Sofia Björnsson.

Der EWSA befürwortet die Cork 2.0 Erklärung, da sie starke Unterstützung für ländliche Politik auf EU-Ebene bietet.

Die Förderung von Innovation und Digitalisierung hilft bei der Schaffung von Arbeitsplätzen in ländlichen Gebieten

Nachhaltige Landwirtschaft und ländliche Entwicklung brauchen innovative Lösungen. Für klimaintelligente Lösungen und eine stärker kreislauforientierte, ökologische Wirtschaft besteht großes Potenzial. Die Erzeugung von Solar-, Wind-, Wasserkraft- und Bioenergie würde nicht nur dem Klima helfen, sondern wäre auch eine nachhaltige Einkommensquelle für Menschen in ländlichen Gebieten. "Die Implementierung von Innovationen und das Anwenden neuer Technologien erfordert jedoch häufig umfangreiche Investitionen und hohes Risiko. Um dieses Risiko zu vermindern, könnten entweder öffentliche Fördermittel genutzt werden oder eine Gruppe von Landwirten könnte gemeinsam investieren", sagte Frau Björnsson, die daran glaubt, dass Innovationsstrategien und Förderungen auf identifizierten Bedürfnissen basieren müssen. Nach Auffassung des EWSA können Gemeinschaftsinitiativen wie die Europäische Innovations-Partnerschaft (z.B. EIP-Agri) aufgrund ihres basisnahen Ansatzes von Nutzen sein.

Wenn junge Menschen in ländlichen Gebieten bleiben und Unternehmen und Unternehmer dort Erfolg haben sollen, ist eine qualitative Breitbandversorgung essenziell, sowohl aus Gründen der Sicherheit als auch für die Lebensqualität. "Breitband ist ein Muss für Unternehmen und Unternehmer und moderne Landwirtschaft hängt immer mehr von funktionierendem Internet ab", sagte Frau Björnsson. Wo die Marktkräfte nicht ausreichen, sollen EU-Finanzhilfen genutzt werden, damit Breitband auch abgelegene Gemeinden erreichen kann.

Ackerland und Wälder machen 85% der Gesamtfläche der EU aus und stellen Europäern Nahrung, Futtermittel, Energie, Fasern und kollektive Güter, wie eine reichhaltige Flora und Fauna, zur Verfügung. Diese vielfältige Landschaft kann auch dazu beitragen, andere unternehmerische Möglichkeiten - nicht nur in der Landwirtschaft - zu schaffen, vor allem in der Tourismus- und Freizeitbranche. Landwirtschaft ist zudem der Hauptantrieb für den Übergang zu nachhaltigen Lebensmittelsystemen. Die Förderung von lokalem Verbrauch nutzt nicht nur lokalen Wirtschaften und der landwirtschaftlichen Produktion, sondern verkürzt auch die Versorgungskette und hilft somit unserer Umwelt.

Zu guter Letzt sind ländliche Gebiete auch Schlüsselakteure bei der Implementierung von internationalen Verpflichtungen im Rahmen der UN Nachhaltigkeits-Ziele und des Pariser Klimaschutzabkommens (COP 21).

Der europäische Wirtschafts- und Sozialausschuss ist ein institutionelles Beratungsgremium, welches durch den Vertrag von Rom 1957 gegründet wurde. Der Ausschuss hat 350 Mitglieder aus ganz Europa, die vom Rat der Europäischen Union ernannt werden. Er repräsentiert die verschiedenen wirtschaftlichen und sozialen Komponenten der organisierten Zivilgesellschaft. Seine beratende Rolle ermöglicht es seinen Mitgliedern, und damit den Organisationen, die sie vertreten, an dem EU-Entscheidungsprozess teilzunehmen.

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