Ammiratus Review

Editorial: Eine Hoffnung auf unsere Zukunft

Editorial: Eine Hoffnung auf unsere Zukunft

(Mannheim / 19.05.2017 - Ammiratus Review) Die Kunst war jeher im Spannungsfeld zwischen Kultur und Politik eingebetten. Das ist zwangsläufig so und manchmal wollen uns Geschichten von Schriftstellern etwas tiefergehendes, gesellschaftskritisches vermitteln. Die Karikatur ist eine überzogene, aber dennoch legitimierte Weise, mit Mächtigen umzugehen. In Romanen oder gar in Gedichten mag das eher dezent und versteckt passieren.

Da sitzte ich nun und kann nicht anders. Am Scheffelhaus, welches sich in Neustadt an der Weinstraße direkt am Marktplatz befindet, nicht weit von der Stiftskirche auf der einen Seite und dem Rathaus auf der anderen Seite.

Dieses Scheffelhaus, wie auch eigentlich sehr vieles in der Pfalz, ist sehr historisch und der Name des Hauses rührt vom Schriftsteller Joseph Victor von Scheffel, welcher in dieses Haus gern einkehrte, da dort sein guter Freund, Verleger und Buchhändler Eduard Witter lebte. Da Witter nicht nur die Literatur liebte, sondern auch mit Wein handelte und Scheffel Schriftsteller war und den Wein liebte, konnte ein langjähriges Band der Freundschaft zwischen den beiden aufgebaut werden. Das war im 19. Jahrhundert. Scheffel und Witter waren Zeitzeugen der ersten deutschen Revolution von 1848, denn das Hambacher Schloss befindet sich in Sichtweite.

Was würden die beiden zur heutigen politischen Lage sagen? Fest steht wohl, dass es nie die guten alten Zeiten gegeben hat, egal wo man sich auf der historischen Zeitlinie befindet. Und wie sollte man die Zukunft einschätzen? Ich glaube, dass Menschen zu jeder Zeit Hoffnung verspürten, dass gegenwärtige Situationen in unserer Gesellschaft verbessert werden könnten.

An diesem Scheffelhaus sitze ich nun, unter einem Sonnenschirm der Gastwirtschaft, welcher in dieser starken Frühlingssonne wohltuenden Schatten spendet. Meine Blicke schweifen über den Marktplatz und ich genieße die pfälzer Lebensart. Eine rumänische Musikgruppe untermalt die Szenerie mit vertrauten französischen Klängen und der Brunnen auf der Platzmitte scheint alles Wasser der Welt zu verarbeiten. Die Menschen laufen in gemäßigter Geschwindigkeit über den Platz, auch wenn diese es eilig haben sollten.

In der Tat haben wir in unserer Gesellschaft viel erreicht seit 1848 - aber haben wir jetzt keinen Grund dazu, die Lebensumstände in unserer Gesellschaft verbessern zu wollen? Was gibt es zu verbessern? Wer kann das wissen? Ich behaupte, nicht diejenigen könnten etwas dazu sagen, welchen es sehr gut geht, sondern diejenigen, welche Gründe für Kritik haben. Dabei glaube ich, dass das alte politische Richtungsdenken von Rechts-Mitte-Links nicht mehr zeitgemäß ist. Fraktionsdenken scheint obsolet zu sein und stattdessen kommt ein pragmatischer und projektbezogener Ansatzpunkt zum Tragen.

Die Frage ist dann eher, ob man noch politisch aktiv ist oder eher nicht. In dieser historischen Kulisse verspüre ich dennoch Hoffnung. Die Hoffnung, dass wir uns in unserer Lebenslage in unserer Gesellschaft immer noch verbessern könnten. Wir sollten aus Fehlern lernen und Schritt für Schritt für Verbesserungen eintreten. Ein Gedanke ist, die Demokratie an sich verbessern zu wollen. Altbewährtes behalten und Verbesserungen einführen. Wie ich in meinem Essay aus dem Jahr 2013 "Die Freiheit erwartet uns" schon formulierte, könnte eine künftige "Altregokratie" eine weiterentwickelte Form der heutigen Politik sein.

Doch was hat eigentlich Scheffel so gedacht? Er konnte in seinen Geschichten und Gedichten sehr gut historische Persönlichkeiten in die alltägliche Gegenwart holen. Während seiner Zeit wurde nationalistisches Gedankengut gefördert und galt als modern. Immerhin wurde zu seinen Lebzeiten das Deutsche Reich gegründet. Dennoch ist zu betonen, dass mit der Nationalversammlung in der Frankfurter Paulskirche im 19. Jahrhundert auch ein Fundament für konföderierte Strömungen, auch für vereinzelte pro-europäische Strömungen gelegt wurde. Immerhin hatten fast alle Beteiligten der Frankfurter Nationalversammlung und sowohl der Märzrevolution von 1848 starke Kontakte in europäische Nachbarstaaten.

Eine europäische Identität - das ist so eine Sache. Ich mache keinen Hehl daraus, dass ich ein Europa der zwei Geschwindigkeiten befürworten würde. Lass uns einfach Frankreich und Deutschland zusammenlegen und Bauen dann so ein Fundament für unsere hoffnungsvolle Zukunft.

Ihr

Dieter Geruschkat (Chefredakteur)

 
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