ProAbschluss

Der zweite Berufsabschluss. Mit der Initiative ProAbschluss zum neuen Beruf

Der zweite Berufsabschluss. Mit der Initiative ProAbschluss zum neuen Beruf

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Staufenberg, April 2017

Das 1968 gegründete Unternehmen Metallkontor GmbH im oberhessischen Staufenberg handelt mit NE-Metallen, Edelstahl und technischen Kunststoffen. 50 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bedienen an zwei Standorten in Thüringen und Hessen die teilweise hochspezialisierten Wünsche der Kundschaft. Im Sommer 2016 begann der im Verkauf tätige Lagerist Sören Schumann eine zweite Berufsausbildung zum Kaufmann im Groß- und Außenhandel; ein halbes Jahr später bestand er mit Erfolg die Externenprüfung an der IHK Gießen-Darmstadt. Unterstützt wurde er von seinem Unternehmen und der hessischen Initiative ProAbschluss. Wir sprachen mit den Beteiligten über ihre Beweggründe und Erfahrungen.

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Interview-Teilnehmer:

Dirk Eberling (Niederlassungsleiter, Metallkontor GmbH)

Sören Schumann (Fachkraft für Lagerlogistik und Industriekaufmann, Metallkontor GmbH)

Georg Dettloff (Kundenzentrumsleiter Deutsche Angestellten-Akademie GmbH Marburg)

Florian Klügling (Regionalleiter Deutsche Angestellten-Akademie GmbH Mittelhessen)

Frank-Walter Schmidt (Bildungscoach, ProAbschluss)

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Herr Eberling, glaubt man dem aktuellen "Mittelstandsbarometer" von Ernst & Young, ist der befürchtete Fachkräftemangel bei kleinen und mittleren Unternehmen Zukunftsangst Nummer eins. Haben Sie im Unternehmen Fachkräftemangel?

Eberling:

Unser Personal muss sehr spezielle Kenntnisse haben: Fachwissen, Materialbeschaffenheit, Kundenanforderungen und so weiter. Deshalb bilden wir unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter selbst aus, was uns den Fachkräftemangel auf dem Arbeitsmarkt nicht so spüren lässt. Doch unsere Kundschaft aus dem metallverarbeitenden Gewerbe klagt sehr oft über fehlendes qualifiziertes Personal.

Herr Schumann, Sie hatten ja bereits einen Berufsabschluss als Fachkraft für Lagerlogistik. Was war Ihr Antrieb, neben der Arbeit mit der Unterstützung von ProAbschluss, der Initiative des Landes Hessen, einen zweiten, kaufmännischen Berufsabschluss zu machen?

Schumann:

Meine erste Ausbildung hier im Unternehmen liegt ja schon ein paar Jahre zurück; sie begann 2007. Zunehmend hat mich das Kaufmännische aber stärker interessiert als mein erlernter Beruf. Von unserer Geschäftsführung bekam ich schon ein Jahr nach meiner Ausbildung die Chance, mich in diesen Bereich einzuarbeiten.

Eberling:

Wir haben in Herrn Schumann entsprechendes Potenzial gesehen; deshalb hat ihn unser Geschäftsführer gezielt angesprochen, ob er in den Vertrieb wechseln möchte.

Schumann:

Das war genau mein Wunsch und ich habe diese Chance ergriffen. Unsere Materialien kannte ich ja alle - das kam mir bei der Arbeit im Verkauf zupass. Doch im kaufmännischen Bereich war ich eigentlich eine ungelernte Kraft. Deswegen war es mir wichtig, den Abschluss als Kaufmann nachzuholen. Ich empfand den Berufsabschluss als Grundvoraussetzung, sich im kaufmännischen Bereich weiterentwickeln zu können.

Warum unterstützte das Unternehmen Herrn Schumann dabei, den Abschluss nachzuholen?

Eberling:

Wir setzen uns generell sehr für die Fort- und Weiterbildung unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ein. Die Menschen betrachten wir als unser größtes Kapital. Als Unternehmer kann ich meine Fachkräfte immer gezielt entwickeln.

Schmidt

Anfang 2016 nahm ich Verbindung mit dem Unternehmen auf, um ProAbschluss dort vorzustellen. An das erste Telefonat kann ich mich noch gut erinnern. Bereits in diesem Telefonat spürte ich, dass die Unternehmensleitung jemanden konkret im Auge hat! Wir haben uns dann umgehend gemeinsam mit Herrn Schumann zusammengesetzt und eine Erstberatung durchgeführt. Von beiden Seiten - Arbeitgeber und Arbeitnehmer - gab es von Anfang an großes Interesse, die Chancen zu nutzen, die ProAbschluss bietet.

Eberling:

ProAbschluss ist eine ganz tolle, motivierende Sache für den Betrieb und für den Mitarbeiter. Wir wurden sehr zielführend beraten, der ProAbschluss Bildungscoach stellte den Kontakt zur Deutschen Angestellten Akademie her und zudem trug ProAbschluss die Hälfte der Weiterbildungskosten über den Qualifizierungsscheck.

Kannte die Deutsche Angestellten-Akademie das Modell, oder war es ebenfalls neu?

Dettloff :

In der Form war es neu. Weder mit der Firma Metallkontor noch mit ProAbschluss hatten wir bisher zu tun. Die Deutsche Angestellten-Akademie hat aber seit vielen Jahren kaufmännische Berufe im Programm.

Das Ziel ist ja die sogenannte Externenprüfung der IHK, wo jeder teilnehmen könnte, der seit einigen Jahren im Beruf arbeitet. Wie wichtig ist eine gute Weiterbildung?

Dettloff :

Die Kammer prüft ja querschnittartig das ganze Fachwissen eines Berufes. Auch wer lange im Beruf arbeitet, hat ohne gute Vorbereitung nur sehr selten die gesamte berufsfeldbreite Bildung so präsent, dass die Prüfung bestanden werden kann. Fehlende Fachkenntnisse müssen vermittelt werden. Wir haben also in den ersten Terminen erst einmal festgestellt, was Herr Schumann an Fachkenntnissen schon hatte und welche Lücken es gab. Daraus entwickelten wir dann die Qualifikationsplanung für Herrn Schumann bis hin zur Prüfung. Wir haben ein Einzelcoaching gemacht, unsere internetgestützte Lernplattform stellte unterstützend Lernressourcen zur Verfügung.

Herr Schumann, wie lange dauerte denn Ihre Weiterbildung bis zur Prüfung und wie konnten Sie das neben dem Beruf organisieren? War es schwer?

Schumann:

Es war eine reine Abend- und Wochenendschulung, so dass ich meinem Beruf weiter nachgehen konnte. Ein halbes Jahr lang war ich einmal in der Woche abends und dazu noch samstags in der Akademie. Natürlich musste ich auch lernen. Wenn man aber erst mal im Lernprozess drin ist und sich an den Rhythmus gewöhnt hat, dann läuft das eigentlich ganz gut. Nur in der Mitte hatte ich mal einen Hänger. Da konnte mich dann Herr Dettloff auffangen und auch meine Freundin sprach mir Mut zu.

Klügling:

Das ist der große Vorteil an der Weiterbildung im Einzelcoaching, wie sie die DAA schon seit 2007 praktiziert. Vieles lässt sich individuell auf die Teilnehmenden anpassen, das ist vor allem dann vorteilhaft, wenn es gerade nicht so voran geht. Jeder kann ja mal ausfallen - das Kind wird vielleicht krank oder man muss zum Arzt. Auch Auftragsspitzen im Unternehmen können Überstunden bedeuten, die das Lernen kurzfristig verhindern. Beim Einzelcoaching werden solche Schwankungen individuell aufgefangen.

Schmidt:

Nachdem ich die Beteiligten zusammengebracht hatte, blieben wir ja die ganze Zeit über in Verbindung. Es war schön, zu sehen, dass die von mir angebotene weitere Unterstützung kaum nötig war. Den Termin der Prüfung von Herrn Schumann habe ich mir ganz dick im Kalender eingetragen und dann, mit einem Tag Abstand, ihn auch angerufen. Seine ersten Worte waren: "Ich habe Ihren Anruf schon erwartet".

Herr Schumann, was war denn Ihr erstes Gefühl, als Sie wussten: Ich habe das jetzt geschafft?

Schumann:

Was soll ich sagen: Ich war hauptsächlich erleichtert! Denn kurz vor der Prüfung war ich doch ziemlich angespannt, Selbstzweifel kamen hoch: Hatte ich mich gut genug vorbereitet, war das halbe Jahr ausreichend? Immerhin lernen normale Azubis den Beruf drei Jahre, gehen zwei Mal pro Woche in die Berufsschule. Aber es hat geklappt und an dem Abend haben wir ein wenig gefeiert.

Herr Eberling, hat das Unternehmen keine Bedenken, dass sich ein so qualifizierter Mann nun anderweitig umschaut?

Eberling:

Nein, eigentlich nicht. Natürlich weiß man nie, wo einen der Wind hinträgt, aber ich denke, wenn man so eine Phase gemeinsam überstanden hat, das bindet. Wir sind hoffentlich noch sehr lange zusammen.

Was würden Sie Menschen raten, die darüber nachdenken, einen Berufsabschluss nachzuholen, und was den betreffenden Unternehmen?

Schumann:

Man sollte es machen, ja. Ich finde es immer wichtig, dass man für den Beruf, in dem man arbeitet, die richtige Ausbildung hat. Man muss aber bei der Durchführung permanent am Ball bleiben und darf sich auch von Tiefs nicht entmutigen lassen. Die Arbeitgeberseite einzubeziehen halte ich auch für sinnvoll, die sollte ja ein Interesse an gut ausgebildeten Fachkräften haben.

Eberling:

Mein Rat für Unternehmen: Jeder Betrieb steht und fällt mit seiner Belegschaft. Wenn man erkennt, dass jemand Potenzial hat, dann sollte man dies fördern; es tut beiden Seiten gut und stärkt das ganze Unternehmen. In den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern steckt manchmal mehr, als man auf den ersten Blick sieht.

[Fragen: M. Hischer, Seippel & Weihe Kommunikationsberatung GmbH.]

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Fakteninformation Initiative ProAbschluss

Gefördert aus Mitteln des Hessischen Ministerium für Wirtschaft, Energie, Verkehr und Landesentwicklung und der Europäischen Union - Europäischer Sozialfonds werden im Bundesland Hessen Beratung und Finanzhilfen bereitgestellt, die das Nachholen eines Berufsabschlusses wesentlich erleichtern. Das Förderprogramm hilft damit gleichermaßen Unternehmen im Fachkräfte-Engpass und Beschäftigten.

Anspruch auf Förderung durch das Programm haben sozialversicherungspflichtig Beschäftigte mit Hauptwohnsitz in Hessen, die mindestens 27 Jahre alt sind und noch keinen anerkannten Berufsabschluss in ihrem ausgeübten Beruf haben. Auch geringfügig Beschäftigte, für die der Arbeitnehmer Sozialbeiträge bezahlt, werden gefördert.

In einer kostenfreien Beratung werden zunächst individuelle Wege und Möglichkeiten ermittelt, die zu einem Berufsabschluss führen. Finanziell kann fast jede abschlussbezogene Weiterbildungsmaßnahme unterstützt werden. Die Förderung besteht aus einem Zuschuss von 50 Prozent der Teilnahme- und Prüfungsgebühren bis zu einer Höchstgrenze von 4.000 EUR je Qualifizierungsscheck.

Administrativ betreut wird ProAbschluss vom gemeinnützigen Verein Weiterbildung Hessen e. V. Mehr Informationen zu ProAbschluss mit allen Beratungsstellen vor Ort unter www.proabschluss.de

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Bildunterschriften:

TITELBILD DCS 8508 "Jeder Betrieb steht und fällt mit seiner Belegschaft." Niederlassungsleiter Dirk Eberling von der Metallkontor GmbH in Staufenberg (re) unterstützte Sören Schumann (li) beim Erwerb des zweiten Berufsabschlusses als Industriekaufmann.

DCS 8264, DCS 8270 In Partnerschaft zum Erfolg (vlnr): Klaus-Jürgen Rupp (ProAbschluss Bildungspoint), Georg Dettloff (Kundenzentrumsleiter Deutsche Angestellten-Akademie GmbH Marburg), Florian Klügling (Regionalleiter Deutsche Angestellten-Akademie GmbH Mittelhessen), Dirk Eberling (Niederlassungsleiter, Metallkontor GmbH), Sören Schumann (Fachkraft für Lagerlogistik und Industriekaufmann, Metallkontor GmbH), Frank-Walter Schmidt (ProAbschluss Bildungscoach)

DCS 8339, DCS 8358 Berufsabschluss bestanden: Der frisch gebackene Industriekaufmann Sören Schumann (li) mit ProAbschluss-Bildungscoach Frank-Walter Schmidt.

DCS 8382, DCS 8459 Entwickelt Fachkräfte gezielt: Niederlassungsleiter Dirk Eberling von der Metallkontor GmbH in Staufenberg

DCS 8435, DCS 8436 "Fehlende Fachkenntnisse müssen vermittelt werden". Kundezentrumsleiter Georg Dettloff von der Deutschen Angestellten-Akademie GmbH in Marburg.

DCS 8452 Regionalleiter Florian Klügling von der Deutschen Angestellten-Akademie GmbH in Mittelhessen

DCS 8479, DCS 8490, DCS 8499 "Habe diese Chance ergriffen" Der frischgebackene Industriekaufmann Sören Schumann an seinem Arbeitsplatz

DCS 8547 Sören Schumann

DCS 8528 Dirk Eberling

DCS 8392 Die Teilnehmer des Interviews

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