SOS-Kinderdorf: Das "Wir-Gefühl", das verbindet / SOS-Kinderdorfmutter Anke Hertzsch: "Meine Berufswahl war hundertprozentig richtig" (mit Bild)

Das "Wir-Gefühl", das verbindet
SOS-Kinderdorfmutter Anke Hertzsch: "Meine Berufswahl war hundertprozentig richtig" (mit Bild)

   

München (ots) - Anke Hertzsch hat ihre Entscheidung nie bereut. Trotz "aller Probleme und schlafloser Nächte", sagt sie, war ihr Entschluss "hundertprozentig richtig": Seit fünf Jahren arbeitet die gelernte Erzieherin im SOS-Kinderdorf in Dießen, seit vier Jahren betreut sie als SOS-Kinderdorfmutter sechs Kinder, die nun zwischen vier und zwölf Jahre alt sind - und die sich zu einer Familie mit starkem "Wir-Gefühl" zusammengefunden haben.

Anke Hertzsch hat ihre Familie mit sehr jungen Kindern aufgebaut: Die Kleinen gingen mit zwei Ausnahmen alle in den Kindergarten und waren damit in einem Alter, mit dem sich die frühere Kindergartenleiterin bestens auskannte. Völlig neu war für sie lediglich die Versorgung eines Säuglings: Nancy kam mit ganzen vier Monaten ins SOS-Kinderdorf und forderte lautstark eine ganze Menge Aufmerksamkeit ein.

Für Anke Hertzsch waren die ersten beiden Jahre die anstrengendsten. Zum einen musste sie mit zunächst zwei, nach einem Jahr dann bereits sechs Kindern eine Familienstruktur aufbauen, Regeln und Alltagsroutine entwickeln. Zum anderen galt es, eine komplette Lebensumstellung zu bewältigen. Denn wenn ihre neue Aufgabe auch in etwa so war, wie sie sich das bei ihrer Entscheidung vorgestellt hatte, kam das Ausmaß, in dem ihr Privatleben betroffen war, doch überraschend: "Das kann man niemandem vorher klar machen", sagt die SOS-Kinderdorfmutter. Zum Beispiel, wie oft eigene Bedürfnisse hintangestellt werden - den Kindern zuliebe.

Dafür wurde aus den drei Geschwisterpaaren schnell eine neue Familie mit gut aufeinander eingespielten Mitgliedern. So waren zum Beispiel schon beim zweiten gemeinsamen Weihnachten Traditionen gewachsen, deren Einhaltung die Kinder sich wünschten. Für das rasch entstandene "Wir-Gefühl" sorgten viele gemeinsame Ausflüge, über die die Kinder sich mit einem begeisterten "Weißt Du noch" austauschen. Inzwischen betreut Anke Hertzsch nur noch ein Kindergartenkind, die kleine Nancy. Alle anderen gehen zur Schule, bei den meisten steht bald ein Schulwechsel an. Da heißt es, sich umzuschauen, welche Schulen in Frage kommen und sich diese anzuschauen - ein Feld, das der SOS-Kinderdorfmutter bislang noch fremd ist. Doch wie in so vieles andere "wächst man da rein", schmunzelt sie. So auch in die ersten Pubertätsgespräche, die demnächst anstehen. Da hilft ihr sicher die neue Gelassenheit, die sie sich in den vergangenen fünf Jahren erworben hat - und die Tatsache, dass sie an ihrer Aufgabe gewachsen ist.

"Die Kinder werden immer selbstständiger"

Für Anke Hertzsch ist es faszinierend mitzuerleben, wie die Kinder immer selbstständiger werden und Eigenverantwortung übernehmen. So gehen sie am Samstag schon ganz alleine Brötchen kaufen oder bringen ihre eigenen Ideen in die Familienregeln ein: Die Dienste wie Tisch decken und Spülmaschine ausräumen etwa wechseln auf Wunsch der Kinder nun nicht mehr wöchentlich, sondern täglich.

Die größte Veränderung, die die Familie bislang zu bewältigen hatte, war der Abschied von einem Buben, der zu seinem leiblichen Vater ziehen konnte. Hier war vor allem Anke Hertzschs professionelle Ebene als Erzieherin gefragt, die auch bei anderen Schwierigkeiten, die die Kinder aus ihrer Vorgeschichte mitbringen, zum Tragen kommt. Dann informiert sich die SOS-Kinderdorfmutter über das anstehende Problem und mögliche Lösungen, zieht den Fachdienst zu Rate, tauscht sich mit der Bereichsleitung aus oder nimmt die Supervision in Anspruch.

Zuwachs!

Mit dem Einzug der achtjährigen Vanessa im Mai dieses Jahres ist die Familie wieder komplett. Allerdings müssen sich die Buben und Mädchen nun wieder neu aufeinander einstellen. Die SOS-Kinderdorfmutter schätzt, dass es noch gut ein Vierteljahr dauert, bis alles wieder "rund läuft". Dafür wird die Familie dann wohl lange Bestand haben. Denn wie so viele Buben und Mädchen im SOS-Kinderdorf bleiben wahrscheinlich auch die sechs Schützlinge von Anke Hertzsch bis zu ihrer Volljährigkeit in Dießen - bei einer SOS-Kinderdorfmutter, die den Weg in diesen Beruf nie bereut hat.

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