SOS-Kinderdorf e.V.

Aktuelle Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin)
"SOS-Kinderdorf leistet einen Beitrag, Armut zu bekämpfen"

München (ots) - Kinder, die auf Hartz IV-Leistungen angewiesen sind, leben nicht nur in materieller Armut. Sie haben auch schlechtere Bildungschancen und können nur eingeschränkt am gesellschaftlichen Leben teilnehmen. Das zeigt sich immer wieder im Arbeitsalltag der 46 Einrichtungen von SOS-Kinderdorf in Deutschland. Die SOS-Familienzentren, ob in Berlin-Hellersdorf, Weimar oder München, unterstützen Kinder und Eltern in schwierigen Lebenslagen durch Familien- und Erziehungsberatung. In den SOS-Mütter- und Kindertageszentren werden viele Kinder von Hartz IV-Empfängern flexibel betreut. Dazu gehört auch die Versorgung mit warmem Mittagessen, das für viele Kinder keine Selbstverständlichkeit ist.

Nach einer aktuellen Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) sind immer mehr Kinder und junge Erwachsene von Armut betroffen. Was muss passieren, um den Trend zu stoppen? Welche Ursachen hat die Armut in Deutschland? Antworten von Dr. Markus Grabka, einem der Autoren der DIW-Studie.

Wer ist in Deutschland armutsgefährdet?

Dr. Markus Grabka: Es gibt eine Vorgabe der Europäischen Kommission, nach der Menschen als armutsgefährdet gelten, die weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens ihres Landes zur Verfügung haben. Bei Einpersonenhaushalten sind das in Deutschland 925 Euro pro Monat. Bei einer Familie mit zwei Kindern liegt die Grenze bei 1943 Euro. In Deutschland leben derzeit vor allem junge Erwachsene, Alleinerziehende und Familien mit mehr als zwei jüngeren Kindern unter dieser Armutsrisikoschwelle.

Welche Faktoren lösen Armut in der Regel aus?

MG: Hauptgründe sind die hohe Arbeitslosigkeit und die Ausweitung des Niedriglohnsektors. Auch die prekären Beschäftigungsverhältnisse spielen eine Rolle: Vor allem viele junge Menschen starten heutzutage oftmals mit schlechter Entlohnung in ihr Arbeitsleben.

Was sind die Folgen der Armut?

MG: Konsequenzen sind beispielsweise bei der Gesundheit der Kinder spürbar. Studien belegen, dass unter anderem die Zahngesundheit bei Kindern aus armen Verhältnissen erheblich schlechter ist. Eltern achten in diesen Fällen nicht genügend auf die Ernährung. Süßigkeiten und fettiges Essen führen bei den Kindern außerdem zu Übergewicht.

Sie sagen, höhere Hartz-IV-Sätze reduzieren zwar Einkommensdefizite, behandeln aber nur die Symptome. Was muss aus Ihrer Sicht getan werden?

MG: Höhere Hartz-IV-Sätze können die Betroffenen zwar kurzfristig finanziell entlasten. Sie beheben aber nicht die Ursachen der Armut. Eine Alleinerziehende benötigt beispielsweise nicht einfach nur mehr Geld, sondern eine Kinderbetreuung, damit sie arbeiten gehen kann. Hier ist mehr Zielgenauigkeit nötig. Es ist wichtig, in die Kinderbetreuungsinfrastruktur zu investieren und in Angebote wie kostenloses Mittagessen oder Schulstarterpakete. So kommt das Geld auch direkt bei denen an, die es am meisten brauchen: den Kindern.

SOS-Kinderdorf betreibt zum Beispiel Berufsausbildungszentren für die Ausbildung sozial benachteiligter Jugendlicher und Familienzentren. Wie können solche Einrichtungen helfen?

MG: Diese Einrichtungen sind sehr sinnvoll und müssen unbedingt stärker gefördert werden. SOS-Kinderdorf kann mit seinen Angeboten einen Beitrag dazu leisten, die Ursachen der Armut zu bekämpfen und den Lebensweg der Kinder zu ebnen.

Welche Rolle werden Angebote wie die SOS-Familienstärkungsprogramme in Zukunft spielen?

MG: Es zeichnet sich ab, dass die Situation in Deutschland noch einige Jahre so bleiben wird. Deshalb werden Einrichtungen wie SOS auch in Zukunft eine wichtige Rolle spielen, um Kinder und Jugendliche aus sozial schwachen Haushalten aufzufangen.

Die Ergebnisse der Studie sind im Wochenbericht 7/2010 des DIW auf der Institutswebsite ( www.diw.de ) als PDF-Dokument erhältlich.

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