Deutscher BundeswehrVerband (DBwV)

Medienbericht zu mangelndem Vertrauen der Soldaten in Ausrüstung
Wüstner: "Es geht um das Vertrauen der Soldaten in die Politik als Ganzes!"

Berlin (ots) - Im Zusammenhang mit Medienberichten über eine Untersuchung der Bundeswehr, nach der Soldaten nur noch ein "bemerkenswert niedriges Vertrauen" in Bewaffnung und Gerät haben, erklärt der Bundesvorsitzende des Deutschen BundeswehrVerbandes, Oberstleutnant André Wüstner:

"Auch wenn die Soldatinnen und Soldaten nach wie vor ihre Kraft und Motivation aus der militärischen Gemeinschaft ziehen, ist das Ergebnis der Befragung ein todernstes Alarmsignal! Es zeigt erneut eindrücklich den schlechten materiellen Zustand der Streitkräfte, insbesondere in der sensiblen Frage der Einsatzbereitschaft. Was allerdings mindestens ebenso ernst ist: Die Truppe verliert zunehmend das Vertrauen in die Politik als Ganzes, da die Diskrepanz zwischen Aufträgen und Ressourcen weiter wächst, anstatt endlich deutlich verringert zu werden! Die personellen und materiellen Lücken müssen schnellstmöglich geschlossen werden. Ankündigungen ohne eine mittelfristig ausreichende finanzielle Unterfütterung im Verteidigungshaushalt überzeugen nicht mehr!"

Fraglos habe sich die Ausrüstung der Bundeswehr in den letzten Jahren qualitativ deutlich verbessert, so Wüstner weiter. "Allerdings reicht die Quantität der Ausrüstung nicht aus, um sich im notwendigen Maße und getreu dem Motto 'übe, wie Du kämpfst' bestmöglich auf jeglichen Auftrag vorzubereiten. Auch wenn die Streitkräfte gewohnt sind zu improvisieren: Soldaten in einsatzgleiche Verpflichtungen oder Einsätze zu entsenden, ohne dass sie sich ausreichend vorbereiten können, ist nicht nur grob fahrlässig, sondern verantwortungslos!"

Als Beispiel führt Wüstner das Air Policing der Luftwaffe im Baltikum an, wo Piloten eingesetzt wurden, die vorab nicht ausreichend mit kompletter Kampfbeladung den scharfen Schuss oder das Fliegen mit den leider nur improvisierten Nachtsehbrillen geübt hätten. Auch Heer, Streitkräftebasis und Zentraler Sanitätsdienst seien materiell am unteren Ende dessen, was sie für die laufenden Einsätze, einsatzgleiche Verpflichtungen und die Vorbereitung auf die zusätzliche Aufgabe der Beteiligung an der VJTF - Nato-Speerspitze - brauchten. Dramatisch, so Wüstner, sei auch die Lage der Marine, die gerade von der Politik so umfassend mit Aufträgen eingedeckt werde, dass die Besatzungen weder Zeit für Regeneration, noch für den notwendigen Drill für sämtliche Einsatzoptionen hätten. Hier wäre laut Wüstner eine deutliche Reduzierung des Operationstempos zwingend erforderlich.

Wüstner: "Wer, wie im Entwurf des Weißbuchs formuliert, 'die globale Ordnung aktiv mitgestalten' will, darf seine Soldaten nicht mit unzureichender Ausrüstung für Ausbildung, Übung oder gar Einsätze ausstatten. Der momentan vorliegende 50. Finanzplan muss zwingend aufgestockt werden, um der Bundeswehr mittelfristig den Hauch einer Chance zur beabsichtigten umfassenden Modernisierung zu geben. Dazu muss das Herstellen der struktur- und aufgabengerechten Ausstattung sowie die Beschaffung und Bevorratung von Munition um ein Vielfaches beschleunigt werden, denn hierbei handelt es sich in Verbindung mit Ausbildung und Übung schlicht um eine zentrale Voraussetzung für das Überleben im Einsatz. Nur dadurch kann Vertrauen aufgebaut werden. Vertrauen der Soldaten in ihre Ausrüstung, Vertrauen der Soldaten in die politische Führung, Vertrauen der Familienangehörigen, die einen notwendigen und durchaus gefährlichen Dienst in den Streitkräften mittragen sollen und Vertrauen derjenigen, die sich mit dem Gedanken tragen, diesem Land zukünftig auch unter Einsatz ihres Lebens zu dienen!"

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