Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH

Tuberkulose greift wieder um sich
GTZ unterstützt Dritte-Welt-Länder gegen lebensbedrohliche Krankheit
Zum Welt-Tuberkulose-Tag am 24. März 2000

Eschborn (ots) - Als die Krankheit bei Kulsum diagnostiziert wurde, war die 18 Jahre alte Mutter zweier Kinder so schwach, dass sie kaum noch auf den Beinen stehen konnte. Heute geht sie täglich drei Kilometer zu Fuß, um bei der nächsten Gesundheitsstation ihre Medikamentendosis zur Behandlung ihrer Tuberkulose (TB) in Empfang zu nehmen. Überall in Bangladesch arbeiten die ländlichen Gesundheitsdienste mittlerweile mit dem "Directly Observed Treatment, Short Course" (DOTS). Die DOTS-Strategie bildet das zentrale Element der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zur Bekämpfung der Tuberkulose. Acht Millionen Menschen erkranken jährlich neu an TB. Der Welt-Tuberkulose-Tag am 24. März soll daran erinnern. "In den Entwicklungsländern gefährdet die TB die wirtschaftlich produktivste Altersgruppe", sagt Andrea Knigge. Die Ärztin ist bei der Deutschen Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ) in Eschborn für die Programme zur Tuberkulose-Bekämpfung verantwortlich. "80 Prozent der Tuberkulose-Patienten gehören der Altersgruppe 15 bis 49 Jahre an." Früher starben an Tuberkulose überwiegend ältere Menschen, heute jedoch fordert die Krankheit immer häufiger jüngere Opfer. Die Ursache: HIV/AIDS. In neun von zehn Fällen wird das Virus beim Geschlechtsverkehr übertragen. Die HIV-Infizierten erkranken bis zu zehnmal häufiger an TB als nicht infizierte. Eine wachsende Zahl von HIV-Infektionen und die damit einhergehende TB-Neuinfektionen lassen in den kommenden Jahren in Asien und Afrika eine dramatische Entwicklung befürchten. Derzeit gehen 40 Prozent der Todesfälle bei AIDS-Patienten dort auf das Konto der Tuberkulose. Seit Mitte der 90er Jahre ist TB erneut auf dem Vormarsch. "In vielen Ländern der Dritten Welt gehört die Krankheit mittlerweile wieder zu den häufigsten Todesarten", sagt Knigge. Bis zu drei Millionen Menschen weltweit rafft die Seuche im Jahr dahin. Den Nährboden für TB bilden Armut, Verelendung und die Misere vieler staatlicher Gesundheitsdienste. Vor allem aber macht die Allianz mit HIV das Bakterium zu einer Bedrohung für die Menschheit. In einem Aufsehen erregenden Schritt rief deshalb die WHO 1993 den globalen Tuberkulose-Notstand aus. Bis zum Jahr 2020 rechnet sie mit bis zu einer Milliarde Neuinfektionen; 200 Millionen Menschen würden erkranken, 70 Millionen an TB sterben. Die Deutsche Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ) erhielt 1995 vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung den Auftrag, nationale Programme zur Bekämpfung der Tuberkulose zu unterstützen. Seit 1996 steht das bundeseigene Unternehmen nationalen TB-Programmen im südlichen Afrika (Sambia, Namibia) sowie in Pakistan und im russischen Westsibirien mit Rat und Tat zur Seite. "Ein länderübergreifendes Programm zur Gesundheitsförderung mit starker TB-Komponente im südlichen Afrika ist gerade angelaufen", erzählt Andrea Knigge. Das Gemeinschaftsprojekt soll unter anderem die "Southern African Tuberculosis Control Initiative" beraten, wie sie das länderübergreifende Netz der TB-Kontrolle ausbauen und die Behandlung nach DOTS als Standard einführen kann. Starke Migrationsbewegungen von infektiösen Tuberkulosekranken beeinflussen zur Zeit selbst effizient geführte TB-Programme in den jeweiligen Nachbarländern negativ. Außerdem bricht circa jeder zweite Tuberkulosekranke in der Region seine Therapie vorzeitig ab. Die unregelmäßige Einnahme der Medizin aber birgt das Risiko, dass sich Arzneimittel resistente Bakterienstämme entwickeln, die auf traditionelle TB-Medikamente nicht mehr ansprechen. Die Heilung eines Patienten kostet dann statt der üblichen 85 bis 110 DM schnell das Hundertfache. "Die konsequente Betreuung der Patienten stellt einen zentralen Faktor bei der Bekämpfung der Tuberkulose dar", betont Knigge. DOTS setzt an dieser Erkenntnis an und verlangt von den Partnern: die nationalen Programme zur Tuberkulose-Bekämpfung zu stärken, die Einnahme der Medikamente zu überwachen, deren regelmäßigen Nachschub zu sichern, den Auswurf mikroskopisch zu untersuchen, um diagnostische Sicherheit herzustellen sowie alle relevanten Daten standardisiert zu erfassen. So praktiziert kann DOTS so erfolgversprechend wie kostengünstig sein - 200 mal preiswerter als die Behandlung von Leukämie. Damit die Patienten die hochwirksamen Kombinationsmedikamente auch über einen Zeitraum von sechs bis acht Monaten einnehmen, setzt DOTS auf die Betreuung durch Helfer. Früher blieb es dem Kranken vielfach selbst überlassen, seine Medizin einzunehmen. Besserten sich die Symptome, setzte er in aller Regel die Medikamente eigenmächtig ab. Die Folge: Die Krankheit heilte nicht aus, der Betroffene konnte weitere Menschen anstecken - durchschnittlich zwischen 10 bis15 Personen pro Jahr. Andrea Knigge: "Das muss nicht sein: Auch wenn wir es mit einer sehr ernsten Situation zu tun haben, eine bezahlbare und effiziente Strategie gegen Tuberkulose existiert. Wir müssen sie nur anwenden." Die GTZ ist überwiegend im Auftrag des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, aber auch für internationale Organisationen wie die Weltbank, die Europäische Union oder die Vereinten Nationen tätig. Rund 11.000 Mitarbeiter in 130 Ländern des Südens und Ostens arbeiten daran, die Lebensgrundlagen der Menschen zu verbessern und die Umwelt zu erhalten. Über Neuigkeiten im GTZ-Internetangebot informieren per e-mail die GTZ NetNews unter http://www.gtz.de/home/deutsch/news/index.html ots Originaltext: GTZ Im Internet recherchierbar: http://recherche.newsaktuell.de Redaktion: Hans Stehling Telefon: 06196/79-1177 E-Mail: Hans.Stehling@gtz.de Internet: http://www.gtz.de Verantwortlich: Dr. Johannes Seifen Telefon (0 61 96) 79-11 75 E-mail: Johannes.Seifen@gtz.de Stabsstelle Unternehmenskommunikation Gruppe 021 Presse, Redaktion, Interne Kommunikation Original-Content von: Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH, übermittelt durch news aktuell

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