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Versteckte Kameras dokumentieren illegale Ferkeltötung in Schweinezuchtbetrieb im Landkreis Harz

Münster (ots) - Der Tierrechtsverein tierretter.de e.V. hat Mitte Juni versteckte Kameras in einem Schweinezuchtbetrieb mit 1.100 Sauen installiert. Die Aufnahmen zeigen, wie ein Arbeiter zwei Ferkel aus den Buchten nimmt und mit dem Kopf gegen den Betonboden schleudert, um diese zu töten. Die frischgeborenen Schweine zeigen teilweise noch über eine Minute lang Anzeichen von Leben.

Etwa 1.100 Sauen produzieren in dem Betrieb im Landkreis Harz (Sachsen-Anhalt) Ferkel für die Schweinemast. Aktivisten und Aktivistinnen des Vereins tierretter.de e.V. haben in zwei Nächten im Juni die Zustände in der Anlage dokumentiert. Rein baulich agiert der Betrieb größtenteils nach den deutschen Gesetzen, lediglich ein kaputter Spaltenboden wäre hier zu bemängeln.

In den Abferkelbereichen zeigen die Videoaufnahmen zahlreiche tote Ferkel, manche in den Buchten zwischen ihren Artgenossen, andere auf einem Wagen im Gang oder vor den Türen. Eine Schubkarre ist bis zur Hälfte gefüllt mit toten Körpern. Einige Ferkel liegen sterbend in den Buchten zwischen ihren Artgenossen. Eine Sau scheint Verletzungen und Entzündungen im Bereich der Vulva zu haben. Das Tier wurde offensichtlich medizinisch nicht versorgt. Die Wunden lassen darauf schließen, dass sie schon länger darunter leidet. Einige Masttiere zeigen blutige Ohren oder angebissene Schwänze - Standard in der Schweinezucht und Mastbetrieben.

Die Bilder der versteckten Kameras zeigen, dass ein Arbeiter zwei Ferkel an den Hinterbeinen aus den Buchten nimmt und mit dem Kopf voran auf den harten Boden schleudert. Diese Praktik des Tötens wurde schon mehrfach von Tierrechtsvereinen dokumentiert und sorgte 2014 für einen handfesten Skandal in der Landwirtschaft.

Obwohl diese äußerst brutale Art der Tötung eigentlich noch nie legal gewesen ist, gaben damals mehrere Bundesländer spezielle Durchführungserlässe heraus, die das Töten von Ferkeln gesetzlich regeln. Auch in Sachsen-Anhalt, wo die aktuellen Bilder entstanden sind. Landwirtschaftsminister Aeikens (CDU) forderte damals, dass es nicht akzeptiert werden kann, dass einige Schweinehalter Ferkel auf eine Art und Weise töten, die eindeutig gegen den Tierschutz verstößt. Doch nur drei Jahre später wiederholen sich die Aufnahmen.

Zudem müssen diese Tötungen abgesehen von der Art auch vom Ursprung hinterfragt werden: Ferkel werden getötet, weil sie angeblich 'nicht überlebensfähig' seien. Eigentlich müsste ein Veterinär diese Diagnose geben. "Diese Ferkel sind nur wirtschaftlich nicht überlebensfähig. Medikamente und eine richtige Fürsorge würden mehr Geld kosten, als die Tiere am Ende an Gewinn abwerfen. Deswegen lohnt es sich für die Bauern und Bäuerinnen nicht diese Tiere durchzubringen." führt Christian Adam, Vorstandsmitglied bei tierretter.de e.V. aus. Inwiefern die Wirtschaftlichkeit vor dem Gesetz als 'vernünftiger Grund' für die Tötung der Tiere angesehen werden können, müssen Gerichte klären, wie beispielsweise auch bei dem Schreddern von ca. 50 Millionen Eintagsküken - allein in Deutschland!

Aufgrund dieser Aufnahmen hat der Verein tierretter.de e.V. Anzeige gegen den Betreiber der Anlage erstattet. Dieser Fall zeigt einmal mehr: obwohl Politik und auch die Landwirtschaft Besserungen versprechen, selbst in Fällen mit direkten Gesetzesübertretungen, die Realität in den Ställen sieht oft anders aus. Es ist nicht das erste Mal, dass Vereine nach den Skandalbildern von 2014 dokumentieren, dass in manchem Betrieben das Totschlagen noch gängige Praxis ist.

"In wie vielen Betrieben wirklich noch Ferkel auf diese Art und Weise getötet werden bleibt fraglich, bisher konnte es aber bereits mehrfach nachgewiesen werden. Wir vermuten eine sehr hohe Dunkelziffer. Flächendeckende Kontrollen könnten nur von den Veterinärämtern durchgeführt werden", meint Christian Adam. "Allerdings handelt es sich dabei um eine Praxis, die nur schwer durch Kontrollen einzudämmen sei, denn es passiert genau dann, wenn niemand in dem Betrieb anwesend ist, außer die Arbeiter und Arbeiterinnen selber."

"Die Tierindustrie ist eine tierverachtende Industrie. Lebewesen werden zu Waren degradiert und so kann es dazu kommen, dass Ferkel auf den Boden geschlagen werden um sie zu töten - einfach nur, weil es sich finanziell nicht lohnt. Das ist allerdings nur die Spitze des Eisberges, denn der Tod eines jeden Tieres ist in der Industrie vorprogrammiert. Ob als Ferkel direkt nach der Geburt oder nach sechs Monaten im Schlachthaus. Jedes Schwein will leben und wird getötet nur für den menschlichen Genuss", kritisiert Christian Adam die gesamte Industrie.

FOTOS http://ots.de/anXMZ

VIDEOMATERIAL http://ots.de/NCRFt

(Quellennennung: tierretter.de)

Pressekontakt:

Christian Adam / christian@tierretter.de / 0251-59083284

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