IGK-Verlag Kusztrich

Gibt es Bluthochdruck wegen Angela Merkel?

Die Frage kommt nicht aus dem Lager der AfD. Gestellt wird sie von den Autoren des Sachbuchs "Blutdruck-Lügen der Medizin", Marc Bennettberg und Imre Kusztrich. Ihre Antwort: ja. Zugrunde liegt eine neue Erklärung für Reaktionen der Nervensysteme auf sozialen Stress.

160 Jahre lang galt in der Wissenschaft das Prinzip Homöostase: Ein Körper unternimmt alles, um auch unter veränderten Konditionen eine Stabilität der Temperatur, der Blutzusammensetzung und des Blutdrucks aufrechtzuerhalten. Demnach ist Bluthochdruck ein Defekt dieser inneren Regulation.

Dem setzt der führende Neurobiologe Professor Dr. Peter Sterling das Konzept Allostase entgegen. In dieser Bezeichnung steckt die griechische Silbe allo für variabel. Allostase hält nicht krampfhaft an Konstanz fest, sondern sichert Stabilität durch vorauseilende Anpassung. Es werden nicht bestimmte Messwerte verteidigt, sondern den Organsystemen werden eigene Eichwerte als Reaktion auf innere und äußere Herausforderungen erlaubt. Chefetage sind die spezielle Bereiche des Gehirns zur Steuerung der Hormone und Neurotransmitter aus der Hypothalamus-Hypophysen-Nebennierenrinden-Achse. Von besonderer Bedeutung sind soziale Stressoren. So genannte Ausgrenzungserfahrungen durch Beschämung und Erniedrigung sind die stärksten Auslöser entlang dieser Nachrichtenkette vom Gehirn zu den Drüsen der Stresshormone. Die sich über das Leben summierende allostatische Last erklärt auch frühzeitiges Altern und die höhere Wahrscheinlichkeit bestimmter Erkrankungen.

So wird soziale Ungleichheit zur gesundheitlichen Ungleichheit.

Heute ist weltweit anerkannt, dass chronische Leiden wie Diabetes, Bluthochdruck, Schlaganfall und Herz-Kreislauf-Erkrankungen in Verbindung zum Zustand unseres Umfelds, unserer Familien und unserer Arbeitswelt stehen.

Chronische Erregung setzt die Stresshormone Cortisol und Adrenalin frei. Sie verengen Blutgefäße und halten Salz in den Geweben zurück. Die Atmung, der Herzschlag und der Blutdruck werden gesteigert. Auf lange Sicht verdicken die Gefäßwände, eine Voraussetzung für weiteren Bluthochdruck.

Eine dauerhafte Überlast durch chronischen Stress schädigt verschiedene Organsysteme, vor allem aber steigt die Wahrscheinlichkeit für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Depression, Muskel-Skelett-Schäden, Stoffwechselprobleme wie das Metabolische Syndrom und eine Schwächung des Immunsystems.

Allostase steuert die Organe nach dem Prinzip der Vorhersage. Ein Beispiel: Das Bauchspeicheldrüsenhormon Insulin wird in Erwartung von Nahrung schon ausgeschüttet, noch ehe Blutzuckermoleküle den Blutstrom erreichen. Das würde bedeuten, dass der Organismus lernt und erkennt, dass künftige Adaptionen unausweichlich sind. Auf dieser Grundlage erklärt die Allostase die chronischen Gesundheitsprobleme von Millionen Menschen besser als das Prinzip Homöostase.

Bei tief greifendem Wandel in der Gesellschaft mit Migration, mit Chancenungleichheit und mit neuen Formen der Gewalt - Erpressung auf dem Schulhof, Terror, Pädokriminalität, Drogenkriminalität, Prostitution, mafiöse Organisationen - haben im Gehirn allostatische Reaktionen eine Schlüsselrolle. Veränderungen in der unmittelbaren Nachbarschaft, Rassismus, erhöhte Wachsamkeit, familiäre Probleme, Krankheit und Armut bilden sehr stressanfällige Bevölkerungen. Die Auffassung, dass eine große gesellschaftliche Herausforderung nicht bewältigt, nicht geschafft werden kann, gilt als sehr starker allostatischer Faktor. In diesem Sinne ist Allostase auch eine politisch begründete Theorie biologischer Reaktionen im menschlichen Körper.

Tatsächlich stehen gewisse Eigenheiten im menschlichen Körper nicht im Einklang mit der großartigen Idee der Homöostase. Der Blutdruck beispielsweise ist im Stande, sich von Minute zu Minute zu verändern. Für den Fall, dass von der Evolution hier ein biologischer Fixpunkt vorgesehen war, scheint das System lückenhaft zu sein.

Für Professor Dr. Peter Sterling von der Perelman School of Medicine, University of Pennsylvania, liefert der Blutdruck ein Paradebeispiel für seine Auffassung. Bis zum sechsten Lebensjahr bleibt er recht stabil. Dann erhöht er sich recht abrupt, denn das Kind löst sich von den Eltern und stellt sich zunehmend selbst wirklichen oder erfundenen Gefahren. Nicht beherrschbarer Stress bewirkt schon früh eine Destabilisierung der Potenziale des Zentralnervensystems. Mit 17 hat fast die Hälfte aller Jungen höhere Blutdruckwerte zwischen 120 und 139 mm Hg, beziehungsweise 80 und 89 mm Hg, und jeder Fünfte schädigt bereits mit voll entwickelter Hypertension sein Gefäßsystem.

Seit mehr als 40 Jahren erforscht Professor Dr. Peter Sterling die Funktionen des Gehirns. Seine Forschung konzentrierte sich auf den unleugbaren Zusammenhang zwischen chronischen Krankheiten und psychosozialen Faktoren. Der Wissenschaftler setzte darauf, dass die Politik diese Erkenntnisse im Kampf gegen Ungleichheit, gegen die steigende Zahl von Gefängnisinsassen und gegen andere soziale Probleme stärker berücksichtigt.

Auch der Bielefelder Soziologe Niklas Luhmann plädierte für die Abschaffung des Begriffs Homöostase für ein intelligentes selbstregulierendes System. Er sprach von Homöodynamik.

Nach den Erhebungen des Robert Koch-Instituts und der Deutschen Gesellschaft für Hypertonie und Prävention haben 20 bis 30 Millionen Bundesbürger Bluthochdruck, Tendenz steigend, und das 50 Jahre nach Einführung der Massenmedikation. Für mehr als 90 Prozent wird nie eine klare Ursache ermittelt. Es ist längst nicht mehr die Managerkrankheit, für die es fälschlich gehalten wurde. Sozial schwache Schichten sind stärker betroffen.

In dem Sachbuch "Blutdruck-Lügen der Medizin" (IGK-Verlag, ISBN 9783950410655) werden der medikamentösen Reduzierung von Blutdruckwerten ohne Ermittlung und Beseitigung der Ursachen andere, natürlichere Therapiekonzepte entgegengesetzt. Zum Beispiel Gewichtsabnahme, Fleischfasten und die Unterstützung der Funktionen unserer Nervensysteme und des Herz-Kreislaufs durch Dutzende Phytamine und andere Mikronährstoffe. Auch zahlreiche Lebensmittel - wie Rote Bete, Staudensellerie und Chicorée - haben bestätigte blutdrucksenkende Eigenschaften. Alle werden zu wenig genützt.

 
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