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Die Trump-Clinton-Schlammschacht, Facebook und unser Gehirn

Weil Gefühle von Frauen mit traumatisierter Vergangenheit durch den Präsidentschaftskandidaten der Republikanischen Partei, Donald J. Trump, aufs Neue verletzt wurden, unterzeichneten mehr als 3.000 amerikanische Psychotherapeuten ein Manifest. Ihre Grundsatzerklärung bezeichnet den Machismus, Sexismus und die Ablehnung bestimmter Bevölkerungsgruppen als schwere Gefährdung des Wohlbefindens jener Menschen, die bei ihnen Hilfe und Unterstützung suchen. Auch Lehrer registrieren bereits in den Klassenzimmern eine Zunahme an Drohungen, Drangsalierung und Mobbing. Die offensichtliche Wiederspiegelung der Schlammschlacht des aus dem Fernsehen bekannten Geschäftsmannes nährt die Befürchtung, dass die ungewöhnliche Kandidatur aggressives und herabsetzendes Verhalten gesellschaftsfähig machen könnte.

Möglicherweise trifft den Facebook-Chef Mark Zuckerberg eine Mitschuld. Im Dezember 2015 überstimmte er seine Berater, die das Löschen von Hassmeldungen aus dem Trumplager für gerechtfertigt hielten. Jetzt droht ein schlimmes Ergebnis: Wen wählst du, wenn du beide Kandidaten hasst? Egal wie die Wahl ausfällt - sie wird zur Folge haben, dass mehr amerikanischen Bürger die Leitfigur im Weißen Haus bekämpfen als unterstützen werden.

Am genauesten beschreibt das von dem Psychologen William J. Doherty an der Universität von Minnesota in Minneapolis verfasste und online verbreitete Anklagepapier die Auswirkungen insbesondere auf Frauen in psychologischer Behandlung. In Therapiestunden präsentieren sich Frauen ein weiteres Mal verletzt und traumatisiert durch die Verächtlichmachung von Frauen, während Trump von sich behauptet, sie zu verehren. Weiterhin hohe Zustimmungswerte für einen Erfolgsmenschen, der allgemeine Standards für Wahrheit und Benehmen außer Kraft setzt, eine verheiratete Frau mit einer Schlampe vergleicht und sich anmaßen darf, Frauen nach Lust zu küssen, zu begrapschen und ungestraft mit "10" oder "4" zu benoten, machen Donald Trump auch im nichtpolitischen Sinne zu einer ernsten Gefahr. Nicht einmal der Menstruationszyklus seiner politischen Gegnerin ist für ihn tabu. Gefühle von Hilflosigkeit, Angst, Scham und Bedrohung kehren zurück. Auch Schwule, Lesben, Angehörige von Minderheiten und Menschen mit Migrationshintergrund fühlen sich ausgegrenzt oder persönlich angegriffen. Ein katholischer Priester an der Holy Trinity Church in Manhattan, Reverend Stephen M. Koeth, beklagte "einen schmerzvollen Augenblick in unserer Kultur".

Wenig ändert ein "Danke, Donald Trump" in der New York Times - dafür dass er Millionen Wählern, die Feminismus vielleicht als Schimpfwort einsetzen, vor Augen führt, was Frauen täglich erleben.

Menschen spüren, wie zerbrechlich das moralische Kapital einer Gesellschaft ist. Ein Geflecht aus Umgangsformen, Regeln, Höflichkeit, Wertschätzung und Respekt hält in der Regel den Einzelnen von zu purem Egoismus ab und schützt ein friedliches Zusammenleben. Jetzt ersetzen Lügen die Wahrheit. Zur gleichen Zeit wird die Kandidatin der Demokraten von mehr Amerikanerinnen und Amerikanern abgelehnt als akzeptiert. Auch Hillary Clinton hat ihren Teil dazu beigetragen, von ihrem Gegner "nasty woman", widerliche Frau, genannt werden zu können. Sie hat nach allen Sexvorwürfen gegen ihren Ehemann Bill jede einzelne beteiligte Frau gnadenlos auf das Härteste bekämpft. Nicht wenige Amerikaner sind heute sogar entrüstet, wie eine Umfrage aufdeckte, weil eine Frau von 68 Jahren es wagt, sich als die beste Wahl für ein hohes öffentliches Amt darzustellen.

Wahlkampfforscher stufen die Schlammschlacht von Donald Trump und Hillary Clinton als explizit verantwortungslos ein. Im amerikanischen Wahlkampf werden Werte reduziert, die auch bei uns gefährdet sind.

Aber nicht nur eine funktionierende Demokratie ist in Gefahr, auch die Gesundheit ist bedroht.

Entsteht Bluthochdruck wegen Angela Merkel, fragten bereits vor Monaten die Autoren der Sachbüchern "Blutdruck-Lügen der Medizin" und "Die Gehirn-Retter", Marc Bennettberg und Imre Kusztrich. Ihre Antwort: ja. Zugrunde liegt eine neue Erklärung durch den Neurobiologen Professor Dr. Peter Sterling von der Perelman School of Medicine, University of Pennsylvania, für Reaktionen der Nervensysteme auf sozialen Stress. Ein Organismus überlebt durch vorauseilende Anpassung. Es werden nicht bestimmte Messwerte verteidigt, sondern den Organsystemen werden eigene Reaktionen auf innere und äußere Herausforderungen erlaubt. In seinem Konzept namens Allostase steckt die griechische Silbe allo für variabel. Besser als das Prinzip des sturen Ausgleichs, Homöostase, erklärt die Allostase Laborwerte außerhalb der Normen und Gesundheitsprobleme von Millionen Menschen.

Heute ist weltweit anerkannt, dass chronische Leiden wie Diabetes, Bluthochdruck, Schlaganfall und Herz-Kreislauf-Erkrankungen in Verbindung zum Zustand unseres Umfelds, unserer Familien und unserer Arbeitswelt stehen.

Von besonderer Bedeutung sind Ängste, Zorn und andere soziale Stressoren. So genannte Ausgrenzungserfahrungen durch Beschämung und Erniedrigung sind die stärksten Auslöser entlang der Nachrichtenkette vom Gehirn zu den Drüsen der Stresshormone. Chronische Erregung setzt die Stresshormone Cortisol und Adrenalin frei. Sie verengen Blutgefäße und halten Salz in den Geweben zurück. Die Atmung, der Herzschlag und der Blutdruck werden gesteigert. Auf lange Sicht verdicken die Gefäßwände, eine Voraussetzung für weiteren Bluthochdruck.

Eine dauerhafte Überlast durch chronischen Stress schädigt verschiedene Organsysteme, vor allem aber steigt die Wahrscheinlichkeit für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Depression, Muskel-Skelett-Schäden, Stoffwechselprobleme wie das Metabolische Syndrom und eine Schwächung des Immunsystems. Die sich über das Leben summierende allostatische Last erklärt auch frühzeitiges Altern und die höhere Wahrscheinlichkeit bestimmter Erkrankungen.

Bei tief greifendem Wandel in der Gesellschaft mit Migration, mit Chancenungleichheit und mit neuen Formen der Gewalt - Erpressung auf dem Schulhof, Terror, Pädokriminalität, Drogenkriminalität, Prostitution, mafiose Organisationen - haben im Gehirn allostatische Reaktionen eine Schlüsselrolle. Veränderungen in der unmittelbaren Nachbarschaft, Rassismus, erhöhte Wachsamkeit, familiäre Probleme, Krankheit und Armut bilden sehr stressanfällige Bevölkerungen. Die Auffassung, dass eine große gesellschaftliche Herausforderung nicht bewältigt, nicht geschafft werden kann, gilt als sehr starker allostatischer Faktor. In diesem Sinne ist Allostase auch eine politisch begründete Theorie biologischer Reaktionen im menschlichen Körper.

Tatsächlich ist beispielsweise der Blutdruck im Stande, sich von Minute zu Minute zu verändern. Für den Fall, dass von der Evolution hier ein biologischer Fixpunkt vorgesehen war, scheint das System lückenhaft zu sein.

Nach den Erhebungen des Robert Koch-Instituts und der Deutschen Gesellschaft für Hypertonie und Prävention haben 20 bis 30 Millionen Bundesbürger Bluthochdruck, Tendenz steigend, und das 50 Jahre nach Einführung der Massenmedikation. Für mehr als 90 Prozent wird nie eine klare Ursache ermittelt. Sozial schwache Schichten sind stärker betroffen. Mehr als 1,5 Millionen Menschen über 65 in Deutschland leiden an Demenz.

Dutzende Phytamine und andere Mikronährstoffe, Enzyme, Aminosäuren und Antioxidanzien sowie zahlreiche Lebensmittel haben nachgewiesen gehirnschützende und blutdrucksenkende Eigenschaften. Alle werden zu wenig genützt.

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