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ffn-exklusiv: Leuphana Universität fürchtet um akademischen Austausch mit der Türkei

Hannover (ots) - Nach dem gescheiterten Putschversuch in der Türkei hat Präsident Erdogan eine "Säuberungsaktion" angeordnet. Rund 50.000 Staatsbedienstete wurden suspendiert, allein an türkischen Universitäten bereits rund 1.600 Dekane entlassen - wegen angeblicher Beteiligungen am Militärputsch.

Das hat auch Auswirkungen auf den akademischen Austausch mit deutschen Universitäten wie der Leuphana Universität Lüneburg. Diese arbeitet seit Jahren mit Partner-Universitäten in Istanbul und Ankara zusammen.

Sabine Busse, Leiterin "International Office" an der Leuphana, sagte im ffn-Interview: "Wir empfehlen unseren Studenten nach der neuesten Entwicklung in der Türkei, nicht dorthin zu gehen. Weniger wegen der Sicherheitslage, sondern weil wir überhaupt nicht wissen, wie die Lage an den Universitäten ist. Auch im Hinblick auf die Lehre, wenn so viele Lehrende entlassen werden."

Eigentlich wollten 14 Studierende der Leuphana ab September an türkischen Partner-Universitäten weiterstudieren. Bis jetzt haben drei einen Rückzieher gemacht, allerdings aus unterschiedlichen Gründen. Ob türkische Dozenten im Rahmen von ERASMUS wieder an die Leuphana kommen dürfen, ist unklar.

Sabine Busse: "Soweit ich es erfahren habe, ist es so, dass die verbliebenen Rektoren an türkischen Universitäten aufgefordert wurden, bis zum 5. August alle Personen, Lehrende wie Verwaltungspersonal, zu melden, die in irgendeiner Weise verdächtig sein könnten. Das ist ein ganz klarer Aufruf oder eine Anweisung zur Denunziation. Das Klima an den türkischen Universitäten muss ganz furchtbar sein: Repressionen und Angst. Das ist ganz dramatisch."

Busse betonte aber auch, dass viele Studierende der Leuphana weiterhin in die Türkei möchten, da sie sich gut vorbereitet und viel in den Auslandsaufenthalt investiert haben.

Auf die Frage nach Solidaritätsbekundungen mit Wissenschaftlern in der Türkei sagte sie: "Wir hatten überlegt, ob wir die Partner ansprechen, uns dann aber dagegen entschieden. Weil wir einfach nicht wissen, ob der Schriftverkehr bespitzelt wird und mit welchen Reaktionen die dann rechnen müssten."

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