Verband für transparente Verkehrspolitik in Europa (VTVEU)

Was bewirkt der Blitzermarathon?

Düsseldorf (ots) -

Der Verband für transparente Verkehrspolitik in Europa - VTVEU 
(http://www.bussgeldinfo.org) hat auf Basis der Informationen des 
Statistischen Bundesamtes untersucht, wie sich die Unfallzahlen 
direkt nach den Blitzermarathons der Vorjahre entwickelt haben, und 
wie sich unangepasste Geschwindigkeit als Unfallursache in den 
letzten vier Jahren entwickelt hat.

Blitzermarathon 2016: Innenminister beurteilen Blitzermarathon 
unterschiedlich

Während Baden-Württembergs Innenminister Reinhold Gall (SPD) in einem
Interview des WDR den Blitzermarathon als Instrument ausdrücklich 
befürwortete, sagte Niedersachsens Innenminister Boris Pistorius 
(SPD) gegenüber dem Magazin Focus: "Unser Ziel, die Zahl der Unfälle,
Verunglückten und vor allem Getöteten nachhaltig zu senken, haben wir
bisher mit dem Blitzer-Marathon nicht erreicht." Denn die Zahl der 
Verkehrstoten in Europa und auch in Deutschland war im Jahr 2015 
gestiegen.

Wie entwickelten sich die Unfallzahlen nach den Blitzermarathons?
Bereits im Jahr 2014 wurde im Rahmen einer Masterarbeit am Institut 
für Straßenwesen der RWTH Aachen nachgewiesen, dass Autofahrer an 
Stellen, an denen geblitzt worden war, auch noch 10 Tage später 
messbar langsamer fuhren.

Lassen die Unfallstatistiken, die vom Statistischen Bundesamt 
veröffentlicht werden, Rückschlüsse auf messbare Effekte unmittelbar 
nach Durchführung eines Blitzermarathons zu? Der Blitzermarathon 2014
wurde am 18.09.2014 bundesweit durchgeführt. Waren es im August noch 
4.318 Unfälle mit Personenschaden, so ging diese Zahl im September 
auf 3.905 zurück und blieb im Oktober fast konstant. Im November 
schließlich ereigneten sich nur 3.075 Unfälle mit Personenschaden, 
ein Wert, der weit unter dem Durchschnitt liegt. Leider war der 
Dezember 2014 dann mit 4.256 Unfällen mit Toten und Verletzten ein 
vergleichsweise schlechter Monat.

Prüft man die gleichen Werte für 2015, als der Blitzermarathon am 16.
April stattfand, lässt sich kein offensichtlicher Effekt feststellen.
Die Zahl der Unfälle mit Personenschäden stiegen von 3.468 im April 
auf 3.739 im Mai und 4.310 im Juni 2015.
In beiden Zeiträumen war das Wetter nicht extrem, lediglich der 
Dezember 2014 war außergewöhnlich warm.

Fazit: Auf Basis der verfügbaren Daten konnten wir keine klare 
Aussage zur unmittelbaren Wirkung von Blitzermarathons treffen.

Steigen die Unfallzahlen wegen überhöhter Geschwindigkeit?
Die Gesamtzahl der Unfälle, Verunglückten und Getöteten ist im Jahr 
2015 gestiegen. Allerdings trifft dies nicht auf Unfälle mit 
Personenschäden zu, bei denen als Unfallursache unangepasste 
Geschwindigkeit festgestellt wurde. Die Zahlen sind von 2012 bis 2014
gefallen und in 2015 beinahe konstant geblieben (Anstieg um 0,1%) - 
gegen den allgemeinen Trend steigender Unfallzahlen. Für die höhere 
Anzahl von Unfällen allgemein und von solchen mit Personenschäden im 
Besonderen scheinen daher andere Ursachen als unangepasste 
Geschwindigkeit verantwortlich zu sein.

Fazit: Um die Zahl der Unfälle mit Personenschaden weiter zu 
reduzieren, müssen die Autofahrer für die Gefahren unangepasster 
Geschwindigkeit sensibilisiert werden. Der Blitzermarathon ist eine 
von mehreren Maßnahmen zur Erreichung dieses Ziels. Es wird wohl mit 
der vorhandenen Datenbasis nicht möglich sein, den Beitrag des 
Instruments "Blitzermarathon" genau zu ermitteln. Auch kann auf Basis
der Unfallstatistiken kein unmittelbarer Effekt in den Folgewochen 
und -monaten nachgewiesen werden. Es bleibt aber festzuhalten, dass 
unangepasste Geschwindigkeit als Unfallursache im Verhältnis zu 
anderen Fehlverhalten weiter abnimmt.

Infografiken zum Download zu dieser Meldung finden Sie auf 
http://www.bussgeldinfo.org/presse/was-bewirkt-der-blitzermarathon/

Hintergrund:
Das Infoportal Bußgeldinfo.org (www.bussgeldinfo.org) stellt neben 
dem aktuellen Bußgeldkatalog mit Bußgeldrechner zahlreiche 
Informationen zum Verkehrsrecht und zur aktuellen Rechtsprechung zur 
Verfügung. Infografiken helfen interessierten Verkehrsteilnehmern bei
der schnellen Orientierung. Bußgeldinfo.org wird vom Verband für 
transparente Verkehrspolitik in Europa (VTVEU) zur Verfügung 
gestellt. Der Verband hat sich zum Ziel gesetzt, durch Studien, 
Analyse von Daten und eigene Umfragen einen Beitrag zur Transparenz 
und Vereinfachung europäischer Verkehrspolitik zu leisten. 

Pressekontakt:

Verband für transparente Verkehrspolitik in Europa (VTVEU)
www.bussgeldinfo.org
Ansprechpartner: Michael Reichelt
E-Mail: info@bussgeldinfo.org
Telefon: 0211-95599389
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