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Konventionelle Produkte bei Stiftung Warentest gleichauf mit Bio-Produkten
Vergleich.org-Studie, Dezember 2016

Berlin (ots) - Aus 49 Testberichten der Stiftung Warentest im Zeitraum von 2006 bis 2016 eruierte Vergleich.org die durchschnittliche Bewertung von Lebensmitteln aus konventionellem und biologischem Anbau. Folgende Bilanz konnte gezogen werden:

   - Bio-Produkte weisen keine bessere Qualität als konventionelle 
Produkte auf (Durchschnittsnote konventionelle Produkte 2,91; 
Durchschnittsnote Bio-Produkte 2,95) 

   - "Premium-Bio"-Produkte wie beispielsweise von Bioland weisen 
keine bessere Qualität auf als Bio-Produkte von Discountern 
(Durchschnittsnote Premium-Bio 2,95; Durchschnittsnote Discounter-Bio
2,73) 

   - Bio hat keine Auswirkungen auf die Nährstoffe eines Produktes 

   - Jedes Biosiegel stellt unterschiedliche Anforderungen an das 
Produkt: das strengste Siegel ist die Auszeichnung der Organisation 
Demeter 

Im Jahr 2014 wurden 6,3 Prozent der Anbauflächen in Deutschland durch biologischen Anbau gestellt, der Anteil landwirtschaftlicher Biobetriebe stieg seit 1996 von 1,3 auf 8,6 Prozent (Quelle: BLE-Strukturdaten). Die stetig wachsende Produktion biologischer Lebensmittel geht einher mit einer steigenden Nachfrage deutscher Konsumenten nach Produkten aus biologischem Anbau. So investierten die Deutschen 2015 bis zu 8,62 Milliarden Euro in den Kauf biologischer Erzeugnisse. Zur Jahrtausendwende waren es noch 2,1 Milliarden Euro (Quelle: Arbeitskreis Biomarkt) - das entspricht einem Anstieg von 310 Prozent.

Bio-Produkten wird nachgesagt, gesünder und ökologisch wertvoller als Produkte aus konventioneller Herstellung zu sein. Um diese Aussage zu überprüfen, analysierte Vergleich.org die Testnoten von 49 Einzeltestberichten der Verbraucherorganisation Stiftung Warentest (233 Bio-Produkten sowie 798 konventionellen Produkten) in dem Zeitraum von 2006 bis 2016.

Konventionell gleichauf mit Bio

Im Durchschnitt bieten biologische Lebensmittel (Note: 2,95) keine höhere Qualität als Produkte aus konventioneller Landwirtschaft (Note: 2,91). Dies ergibt sich aus den kumulierten Testergebnissen der Stiftung Warentest, die verschiedene Lebensmittel vornehmlich nach sensorischen und mikrobiologischen Prüfkriterien sowie auf die Belastung durch Schadstoffe untersuchte.

Ein Professor an einer der 15 größten Universitäten Deutschlands, der nicht namentlich genannt werden möchte, kommentiert: "Die Nährstoffe eines Lebensmittels ändern sich nicht, egal, wie es angebaut wird. Es wird sich durch den Konsum von Bioprodukten nie ein Unterschied im Stoffwechsel des Menschen feststellen lassen."

Bio ist nicht gleich Bio

Die Testergebnisse machen deutlich: nicht jedes ausgezeichnete Bio-Produkt weist optimale sensorische Eigenschaften auf und ist frei von Schadstoffen. Ebenso können auch Produkte aus konventionellem Anbau gut schmecken und sind zudem nur in geringem Maße schadstoffbelastet. "Bio hat keine Auswirkung auf das einzelne Produkt, aber bewirkt vielleicht eine Schonung der Umwelt", erklärt der Ernährungswissenschaftler. So werde möglicherweise weniger Düngemittel eingesetzt.

Für Personen, denen eine bessere Tierhaltung und der Schutz der Umwelt am Herzen liegt, ist der Kauf von Bio-Produkten demnach die beste Wahl. Doch woran erkennt man eigentlich, welches Produkt wirklich Bio ist? "Wer in Europa Produkte mit dem Zusatz Bio vermarkten möchte, muss nachweisen können, dass er die Kriterien der Öko-Verordnung der EU erfüllt", sagt Michelle Günter von Vergleich.org. Diese sind strenger als die Lebensmittelrichtlinien für konventionelle Produkte.

Was versteckt sich hinter den Bio-Siegeln

Doch auch in der Qualität von Bio-Produkten gibt es große Unterschiede. So stellt jedes Bio-Siegel andere Anforderungen an die jeweiligen Produkte. Während das EU-Bio-Siegel beispielsweise bis zu 0,9 Prozent genetisch veränderte Organismen erlaubt, verbieten die Siegel Biokreis, Bioland, Naturland und Demeter Genveränderungen komplett. Auch zeigen sich große Unterschiede in Tierhaltung und Düngung mit emissionssteigerndem Stickstoffdünger. Wie eine Untersuchung von Vergleich.org (https://www.vergleich.org/biosiegel/) ergibt, stellt die Organisation Demeter die strengsten Anforderungen an die Gütesiegel.

"Bei unserer Auswertung der Ergebnisse der Stiftung Warentest konnten wir jedoch keinen signifikanten Unterschied zwischen den einzelnen Bio-Siegeln feststellen", betont Michelle Günter. Es ist demnach davon auszugehen, dass sich die unterschiedlichen Anforderungen, die die Institutionen an die Produkte stellen, nicht stark auf die Produktqualität auswirken.

Discounter-Bio genauso gut wie Premium-Bio

Untersucht man die Ergebnisse der Stiftung Warentest genauer, lässt sich feststellen, dass die Qualität von Premium-Bio-Produkten nicht besser ist als von Bio-Produkten aus dem Discounter. Im Durchschnitt bewertete die Stiftung Warentest Premium-Bio-Produkte mit einer 2,95, während die Bio-Produkte aus Discountern eine Bewertung von 2,73 erzielten.

"Für die Qualität eines Produkts ist es demnach unerheblich, ob es aus konventionellem oder biologischem Anbau stammt. Und wer Bio wählt, fährt mit Discounter-Biomarken genauso gut wie mit den Premium-Marken aus dem Bioladen", fasst Michelle Günter zusammen. "Wer hingegen auf die Schonung der Umwelt und eine artgerechte Tierhaltung Wert legt, sollte sich für Produkte mit dem demeter-Siegel entscheiden."

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