Deutsche PalliativStiftung

Lebenshilfe. Sterbehilfe. Tötungshilfe.
Nur Gesetzentwurf Brand/Griese kann organisierte Selbsttötungshilfe stoppen

Lebenshilfe. Sterbehilfe. Tötungshilfe. / Nur Gesetzentwurf Brand/Griese kann organisierte Selbsttötungshilfe stoppen
Buchpräsentation bei der Deutschen PalliativStiftung: Bundestagsabgeordneter Michael Brand und Palliativmediziner Thomas Sitte (li.) plädieren für Hilfen beim Sterben nicht zum Sterben / Weiterer Text über ots und www.presseportal.de/nr/115105 / Die Verwendung dieses Bildes ist für redaktionelle Zwecke honorarfrei. Veröffentlichung bitte ...

Fulda (ots) - In dieser Woche entscheidet der Deutsche Bundestag über laut Bundestagspräsident Norbert Lammert das "wohl anspruchsvollste" Projekt der Legislaturperiode. Es geht um soziale und rechtliche Facetten der Sterbebegleitung und dabei auch um die Frage, wie unsere Gesellschaft mit dem neuen Phänomen des Angebots organisierter Suizidbeihilfe durch sogenannte Sterbehilfeorganisationen umgehen will. Es geht um Leben und Tod.

Neben dem nachdrücklichen Ausbau der Hospiz- und Palliativversorgung setzt sich der Fuldaer Bundestagsabgeordnete Michael Brand als Mitinitiator und Mitverfasser eines fraktionsübergreifenden Gesetzentwurfs für ein Verbot der organisierten Suizidbeihilfe ein. "Missbrauch stoppen und Hilfen stark ausbauen", so beschreibt Brand das Ziel.

Seit nunmehr fast zwei Jahren hat Brand die größte Gruppe von Abgeordneten für eine Neuregelung koordiniert, die weit über 200 Abgeordnete aus allen Fraktionen umfasst. Zu den erklärten Unterstützern zählen u.a. Bundeskanzlerin Angela Merkel, Vizekanzler Sigmar Gabriel, zahlreiche Minister sowie die Fraktionsvorsitzenden Volker Kauder, Thomas Oppermann sowie Katrin Göring-Eckart. "Das Thema Leben und Sterben macht ja nicht an Parteigrenzen halt, und so haben wir Abgeordnete aus allen Faktionen für unseren Vorschlag gewinnen können: Wir wollen Hilfe beim Sterben, nicht Hilfe zum Sterben", betont Michael Brand. "Für die Zukunft wollen wir menschliche Begleitung weiter stärken und auf keinen Fall Suizidassistenz als Dienstleistung im Gesundheitswesen etabliert sehen."

Anträgen der Abgeordneten um Peter Hintze oder Renate Künast zum Ausbau besonders hin zum ärztlich assistierten Suizid halten Brand und seine Gruppe entgegen: "Wir dürfen jetzt auf gar keinen Fall eine Tür öffnen, die wir nicht mehr schließen können - und durch die dann auch Menschen hindurch geschoben werden können, deren freier Wille dies nicht ist." Die Erfahrungen aus Belgien und Niederlanden zeigten, dass die angeblich klaren Kriterienkataloge nicht halten, sondern "Sterbehilfe" immer weiter ausgeweitet wurde z.B. auf Demenzkranke und sogar auf Kinder.

Bei einer Präsentation des Buchbandes bei der Deutschen PalliativStiftung (DPS) in Fulda betonte deren Vorsitzender und Palliativmediziner Thomas Sitte, dass die DPS den Gesetzentwurf Brand / Griese u.a. unterstützt, weil er die geschäftsmäßige Förderung der Selbsttötung unter Strafe stellt und "somit gerade die Selbstbestimmung und das Grundrecht auf Leben besonders in schwierigen Phasen schützt". Palliativmediziner könnten viel mehr tun als die meisten es sich vorstellen könnten. "Völlig falsch ist die Meinung des Wissenschaftlichen Dienstes des Deutschen Bundestages, der in seinem Gutachten konstatierte, dass Palliativmediziner diese Art der 'Sterbehilfe' als häufig wiederkehrenden Bestandteil ihrer Tätigkeit ausübten. Als letzten Ausweg wegen Angst vor Schmerzen, Atemnot, Leiden den Tod zu suchen, ist glücklicherweise nicht notwendig, wenn man bereit ist, mögliche Hilfen anzunehmen und sich palliativ behandeln zu lassen.", so Sitte. Bei der sogenannten Sterbehilfe von Dr. Arnold und von Dignitas und Co. gehe es in der Realität vielmehr um eine reine Tötungshilfe.

Der Palliativmediziner Thomas Sitte gilt als einer der Pioniere der spezialisierten ambulanten Palliativversorgung (SAPV) in Deutschland und arbeitet heute im Kinder-Hospiz "Sternenbrücke" in Hamburg. Er gehört zu den Autoren des Buches mit einem Beitrag unter dem Titel "Lebenshilfe. Sterbehilfe. Tötungshilfe. Palliative Versorgung statt Beihilfe zum Suizid oder Tötung auf Verlangen." Außerdem ist ein Interview mit Sitte und der Gründerin der Sternenbrücke, Kinderkrankenschwester Ute Nerge über Beistand, Schmerztherapie und die Angst vorm qualvollen Tod abgedruckt.

Thomas Sitte verwies darauf, dass die Statistiken die kontinuierliche Zunahme von Suiziden in Ländern mit entsprechend "freier" Gesetzgebung "klar belegen", wie z.B. im US-Staat Oregon und auch der Schweiz. Er warnte davor, "auch in Deutschland diesen sensiblen Bereich des Lebensendes dem Markt der Dienstleistungen offen zu halten". Die Entwicklungen in allen Ländern, die sich so entschieden haben, seien eine "ernstzunehmende Warnung, diesen Weg nicht zu gehen". "In unseren Nachbarländern in denen Regelungen für die Beihilfe zur Selbsttötung oder Tötung auf Verlangen eingeführt wurden, wie auch in den entsprechenden US-Staaten, nimmt die Anzahl der assistierten Suizide unaufhaltsam zu. In der Schweiz, wie auch im US-Staat Oregon verdoppeln sich diese Todesfälle alle fünf bis sechs Jahre. Dabei ist eine wahrscheinliche Dunkelziffer noch gar nicht eingerechnet." so Sitte.

"Wir wollen nicht, dass Menschen unter Druck den fatalen Ausweg des Todes wählen", bekräftigte Michael Brand. "Mit guter medizinischer und menschlicher Unterstützung sind vielen noch gute Zeiten geschenkt, wie wir aus zahlreichen sehr persönlichen Schilderungen erfahren konnten", berichtet der Abgeordnete aus den vielen Besuchen in Hospizen, Palliativstationen und Diskussionsrunden, die er in den letzten Monaten bundesweit absolviert hat.

Zu diesem großen gesellschaftlichen Thema hat Michael Brand eine Runde führender Autoren für ein außergewöhnliches Buch gewinnen können, das jetzt unter dem Titel "Sterbehilfe oder Sterbebegleitung? Die Debatte" im Herder-Verlag erschienen ist. Von Kardinal Lehmann über Bischof Huber, Ärztepräsident Montgomery und den Fuldaer Palliativmediziner Thomas Sitte bis hin zu Ärzten, Juristen, Ethikrat, Pflegern und Betroffenen finden sich zahlreiche Fakten und Facetten, die in der Öffentlichkeit bislang in dieser Form nicht präsentiert wurden.

In diesem Band melden sich diese Experten u.a. aus Medizin, Recht und Ethik deutlich zu Wort - sie eint das Plädoyer für eine menschliche Begleitung beim Sterben statt einer Hilfe zum Sterben. Für ihre Positionen finden sie fundierte Argumente für eine große und emotionale Debatte.

Wie sollen Sterbende begleitet werden? Wie ist die Rolle von Ärzten und Angehörigen? Was bedeuten geschäftsmäßige Angebote zur Suizidbeihilfe für Menschen, die sich schwach oder als Last für andere fühlen? Diese und andere existenzielle Fragen werden aktuell in Gesellschaft und Politik diskutiert. Dazu gehören auch die Herausforderungen rund um Sterbehilfe und Sterbebegleitung, um Palliativmedizin und Hospiz sowie um ärztlich assistierten Suizid und Tötung auf Verlangen.

Für die Debatte im Deutschen Bundestag und darüber hinaus haben die Autoren auf 176 Seiten lesenswerte einzelne Kapitel erstellt, zum Nachschlagen und zum Nachdenken. Es ist im Buchhandel oder beim Herder-Verlag zu beziehen.

Michael Brand (Hg.) 
Sterbehilfe oder Sterbebegleitung? 
Die Debatte 
Mit Beiträgen von Steffen Augsberg, Michael Brand, Peter Dabrock, 
Alois Glück, Ludwig Greven, Wolfgang Huber, Karl Kardinal Lehmann, 
Gerbert van Loenen, Frank Ulrich Montgomery, Benedict Maria Mülder, 
Ute Nerge, Roswitha Müller-Piepenkötter, Stephan Sahm, Werner 
Schneider, Thomas Sitte, Oliver Tolmein, 
Gebunden, 176 Seiten, EUR [D] 19,99, ISBN 978-3-451-30623-5, Herder 
2015 

Die Deutsche PalliativStiftung

Experten aus der Praxis der Sterbebegleitung (Medizin, Pflege, Seelsorge, Physiotherapie, ...) gründeten die Deutsche PalliativStiftung. Ein Hauptziel ist eine gute Vernetzung und Verbesserung der ambulanten Hospizarbeit und Palliativversorgung in Deutschland.

Die Beratung von Entscheidern und Fachleuten, Laien sowie Haupt- und Ehrenamtlichen in Verbänden und Institutionen ist als seriöse Lobbyarbeit eine wichtige Arbeit der PalliativStiftung. Betroffenen und Angehörigen werden geeignete Ansprechpartner vor Ort vermittelt. Mit Öffentlichkeitsarbeit und verschiedenen Projekten der Stiftung wie dem Deutschen PalliativKalender sollen weite Teile der Gesellschaft für die Thematik sensibilisiert und über Versorgungsmöglichkeiten informiert werden.

Nach deutschem Recht darf niemand gegen seinen Wunsch am Leben erhalten werden und kein menschliches Leben aktiv beendet werden. Um das auch leben zu können, müssen die Menschen über die Möglichkeiten von Hospizarbeit und Palliativ-versorgung als lebensbejahende Alternativen Bescheid wissen. Deshalb bringt die PalliativStiftung im eigenen Verlag fundierte und laienverständliche Muster zu Patientenverfügungen, Bücher, Broschüren heraus. Sie klärt auf ungewohnten Wegen auf.

Unsere Vision ist es, dass jeder sagen kann: "Wie gut, dass ich mich auf Hospizarbeit und Palliativversorgung verlassen kann. Immer und überall."

Pressekontakt:

Deutsche PalliativStiftung
Herr Thomas Sitte
Am Bahnhof 2
36037 Fulda
Tel. 0661 48049797
Email. thomas.sitte@palliativstiftung.de

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