PHARMA FAKTEN

Welt-Aids-Konferenz 2016 - Gentherapien werden bei der Entwicklung von HIV-Heilmittel eine wichtige Komponente

Münster/Hamburg (ots) - Bei der Welt-Aids-Konferenz in Durban in Südafrika beraten seit Montag 18.000 Forscher, Aktivisten und Politiker über Strategien gegen HIV. Jedes Jahr infizieren sich rund 2,1 Millionen Menschen mit dem gefährlichen Virus. Prof. Joachim Hauber vom Heinrich-Pette-Institut in Hamburg erklärt im Interview mit Pharma Fakten, welche Ziele bei der HIV-Bekämpfung künftig erreichbar erscheinen.

Seit mehr als 15 Jahren gibt es unterschiedliche Prognosen, wonach AIDS/HIV bald geheilt sein soll. Wann ist nach Ihrer Ansicht mit einem Heilmittel zu rechnen?

Prof. Joachim Hauber: Mit Prognosen dazu sollte man sehr vorsichtig sein. Aussagen dazu könnten zu große Hoffnungen wecken. Außerdem muss unterschieden werden, was man unter Heilung versteht: eine funktionelle oder eine sterilisierende Heilung. Bei einer funktionellen Heilung könnten Patienten ihre Infektion ohne Medikamente kontrollieren. Auf natürliche Weise schaffen das schon jetzt etwa ein Prozent der mit HIV Infizierten, die sogenannten Elite-Controller. Die genauen Ursachen dafür sind noch weitgehend unverstanden.

Das große Ziel jedoch ist die sterilisierende Heilung, dass Patienten also komplett virenfrei werden. Ob das zu erreichen ist, bleibt abzuwarten. Auf jeden Fall müssen wir die Entwicklung entsprechender Therapieansätze weiterhin versuchen.

Welcher Mechanismus muss für einen Durchbruch geknackt werden?

Prof. Hauber: Das HIV verbirgt sich in unserem Erbgut, indem es sich in unsere Gene integriert. Bislang ist das unumkehrbar und deshalb der Knackpunkt. Obwohl durch die derzeitigen Kombinationstherapien die Virenvermehrung erfolgreich unterdrückt werden kann, bleibt der genetische Bauplan des HI-Virus erhalten. Die Folge sind lebenslange Therapien. Diese Behandlungsmöglichkeit ist sicherlich einer der größten Erfolge der biomedizinischen Forschung. Doch sie kann auf Dauer auch unerwünschte Folgen haben. Mit der Zeit können sich Nebenwirkungen zeigen: beispielsweise altern die Patienten schneller, haben Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes, oder ein höheres Krebsrisiko.

Eine echte Heilung, denke ich, wird nur durch Kombination verschiedener neuer Ansätze gelingen können, wobei Gentherapien dabei eine wichtige Komponente sein werden. Aktuell haben wir auf diesem Gebiet eine sehr spannende Entwicklung. Neue molekulare Werkzeuge ermöglichen im Labor das Gene Editing, also die Inaktivierung oder Entfernung des Virus-Erbgutes in bzw. aus der einzelnen infizierten Zelle.

Mit welchem Behandlungsfortschritt können Patienten demnächst rechnen?

Prof. Hauber: Die vorhandenen Kombinationstherapien werden sicherlich noch weiter verfeinert. Patienten werden künftig wohl insgesamt weniger Pillen zu sich nehmen müssen. Es ist mit Medikamenten zu rechnen, die eine Wirkung von mehreren Wochen und Monaten haben werden. Mit Sicherheit wird es künftig mehr Versuche zur Heilungsforschung geben. In zehn bis 15 Jahren ist zu erwarten, dass diese in einzelnen Fällen eine funktionelle Heilung ermöglichen. Dafür wird allerdings, wie bereits erwähnt, die Entwicklung neuartiger kombinatorischer Therapieansätze notwendig sein.

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