Thüringische Landeszeitung

Thüringische Landeszeitung: Reise in die Vergangenheit
Kommentar von Elmar Otto zum AfD-Parteitag in Stuttgart

Weimar (ots) - Wer die Vergangenheit liebt, ist bei der AfD bestens aufgehoben. Die Partei, die bei vielen Menschen weiter auf Zustimmung trifft, hat auf ihrem Parteitag in Stuttgart unter Beweis gestellt, dass sie keine Antworten auf Fragen der Gegenwart hat. Ja, die Rechtskonservativen haben sich endgültig als Populisten etabliert und ohne Zweifel bewiesen, dass sie vieles sind, aber keine Alternative für Deutschland.

Mit dem Satz "Der Islam gehört nicht zu Deutschland" rüttelt die nur vermeintlich weltoffen und liberal daherkommende AfD an den Grundfesten der Religionsfreiheit. Mit dem Vorstoß den Euro und möglichst auch die EU abwickeln zu wollen stellt sie ein Bündnis infrage, das seine Schwächen hat, aber von dem nicht zuletzt die Wirtschaftsnation Deutschland besonders profitiert. Mit der Forderung, den Bundespräsidenten direkt wählen zu lassen, offenbart sie eine bemerkenswerte Ignoranz gegenüber dem Grundgesetz.

Wer also eine Reise in die Zeit vor ein paar Jahrzehnten bevorzugt, wer auf Abschottung setzt und nicht auf eine zwingend notwendige gesteuerte Zuwanderung, der ist bei der AfD an der richtigen Adresse.

Deshalb ist es umso erstaunlicher, dass sich Teile der Union plötzlich als AfD light entpuppen und versuchen, ihre rechte Flanke zu schließen. Doch dieses durchsichtige Manöver dürfte am Ende mehr Wähler vergraulen als begeistern.

Unterdessen steht Thüringens AfD-Chef Björn Höcke bei der politischen Zeitreise an vorderster Front. Für sein Projekt der umfassenden Veränderung der Bundesrepublik ist der beschauliche Freistaat dabei längst zu klein geworden. Wann Höcke sich endlich zu seinen bundespolitischen Zielen bekennt, dürfte deshalb nur noch eine Frage der Zeit sein.

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