Thüringische Landeszeitung

Thüringische Landeszeitung: Was ist da los? - Der Blick in den Abgrund
Kommentar von Gerlinde Sommer zur fremdenfeindlichen Gewalt im Osten Deutschlands und insbesondere in Sachsen

Weimar (ots) - Ein Bekannter aus dem Südwesten fragt: Was ist denn da bei euch los? Bei uns? Na, diese Hetzer vor dem Asylheim, die Brandstifter und Feuerwehrbehinderer, sagt er. "Bei euch": Damit meint er den Osten.

Sein Kollege sagt: Früher haben sie "Wir sind das Volk" gerufen, jetzt rufen sie es wieder. Ich halte dagegen: Das sind doch ganz andere Leute. Da schallt aus dem Bayernradio, in Obergünzburg im Allgäu sei als "typischer Pegidaruf" zu hören gewesen: "Wir sind das Volk". Der dortige Bürgermeister sagt, er habe dem Nazimob ins Auge geblickt. Sein Kollege in Sachsen spricht Klartext. Derweil eiert die sächsische Regierungspolitik tagelang rum.

Nein, Fremdenhass ist nicht typisch Ost. Das nicht. Aber er findet offenbar einen größeren Resonanzboden. Tagelang wird der Polizeieinsatz in Clausnitz halbherzig verteidigt, so als seien die Flüchtlinge das Problem, bis die Polizei endlich erklärt: Wenn man fürchten muss, dass der Bus in Flammen aufgeht, muss man die Bedrohten auch gegen ihren Willen aus der Gefahrenzone holen.

Von wegen Wutbürger, die ihrer Meinungsfreiheit Ausdruck verleihen. Nein, in Clausnitz, Bautzen und anderswo waren einfach Hassprediger und Brandstifter am Werk, womöglich zu allem entschlossen. Wenn ich jetzt von ersten Rechtsauslegern in der Politik höre, aus diesem "Bürgerprotest" müsse ein Schluss gegen Flüchtlinge gezogen werden, wird mir übel. Es kann ja wohl nicht sein, dass sich nun irgendwer vor diesem Clausnitzer oder Bautzener Mob verneigt.

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