Thüringische Landeszeitung

Thüringische Landeszeitung: Kanzlerschaft der großen Themen
Kommentar von Jörg Quoos zum Auftritt von Kanzlerin Angela Merkel vor der Bundespressekonferenz

Weimar (ots) - Es scheint das Schicksal von Angela Merkel zu sein, dass große Themen ihre Kanzlerschaft prägen, die eines gemeinsam haben: Sie kommen mit enormer Wucht und es gibt keine schnellen Rezepte, sie zu beherrschen. Das war so bei den beiden großen Finanzkrisen, beim Thema Fukushima mit dem hastigen Atomausstieg und jetzt beim Flüchtlingsdrama.

Obwohl die Kanzlerin den medienwirksamen Auftritt bei den Flüchtlingen im sächsischen Heidenau lange hinauszögerte, hat sie die Tragweite des Problems erkannt. Das Thema Flüchtlinge ist jetzt Chefsache, das war die wichtigste Botschaft zwischen den Zeilen. Und die wichtigste offizielle Botschaft war: Wir Deutschen kriegen das hin. Die Antworten Merkels sind angemessen und es ist gut, dass die Kanzlerin so klar Stellung bezogen hat.

Aber viele Bürger sind längst weiter. Sie fragen sich zu Recht: Wie geht es denn weiter? Was kommt nach der beeindruckenden Hilfswelle der Deutschen, die dem rechten Mob die Hoheit über Schlagzeilen entrissen hat? Wie soll das in Europa funktionieren, wenn nur bei uns auf Dauer Flüchtlinge ordentlich versorgt und eine gesicherte wirtschaftliche Grundlage bekommen?

Die Antworten der Kanzlerin sind noch unbefriedigend. Wenn die hochemotional geführte Debatte um die Flüchtlinge abebbt und die Rechten hoffentlich gestoppt sind, muss sich die Politik den Wurzeln des Problems stellen. Die Lösung wird mehr Geduld, Geld und vereinzelt mehr militärischen Mut brauchen, als wir uns das heute vorstellen können. Und wir brauchen dafür eine Debatte, die die unbequemen Wahrheiten auf den Tisch bringt.

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