Thüringische Landeszeitung

Thüringische Landeszeitung: Zum Kampf verdammt - Kita-Streik: Verschnaufpause für die Eltern
Leitartikel von Jördis Bachmann zur Vereinbarten Schlichtung im Kita-Streik

Weimar (ots) - Den Wert ihrer Arbeit haben die Erzieherinnen der kommunalen Kindergärten in den vergangenen Wochen mehr als deutlich gemacht. Mit ihrer Arbeitsniederlegung brachten sie viele Familien an den Rand der Verzweiflung. Wer keine Großeltern zur Betreuung der Kinder aktivieren konnte, der nahm sich Urlaub. Doch jeder Urlaubstag kostete ein wenig an Solidarität mit den Streikenden.

Verdi-Chef Frank Bsirske wusste, dass er nun einlenken muss, auch wenn die kommunalen Arbeitgeber den Forderungen der Gewerkschaften nach einer höheren Lohngruppe für alle Erzieher und Sozialarbeiter bisher nicht nachgekommen sind. Die vorläufige Schlichtung war nötig, um in der Bevölkerung nicht alle Sympathien zu verlieren. Der Druck, der auf die Arbeitgeber ausgeübt werden sollte, verfehlte klar sein Ziel und traf die Falschen: die Eltern und vor allem die Kinder. Die Kommunen dagegen, die als Arbeitgeber angegriffen werden sollen, sparten mit jedem Streiktag Geld, da sie den Erziehern keinen Lohn zahlen mussten. Die Kämmerer dürften erfreut sein - auch wenn viele Kommunen den strapazierten Eltern die Kita-Gebühren zurückzahlen.

Eines hat der Kita-Streik jedoch bewirkt: Es wird endlich über den Wert einer Arbeit nachgedacht, die im Gegensatz zu anderen Berufen hoffentlich niemals durch Digitalisierung und Automatisierung ersetzt werden kann.

Schon jetzt herrscht Personalmangel - nicht nur bei den Erziehern, auch in der Altenpflege. Die "Arbeit am Menschen" bedarf unbestritten einer Aufwertung in allen Bereichen. Wenn die Gewerkschaften es nicht schaffen, ein nennenswertes Gehaltsplus für die Beschäftigten herauszuholen, dann haben sie nicht nur sich selbst, sondern auch den sozialen Berufen langfristig Schaden zugefügt. Damit sind sie zum weiteren Arbeitskampf und zu dessen Erfolg verdammt. Das sollten die Eltern trotz Streik-Pause im Kopf behalten.

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