Thüringische Landeszeitung

Thüringische Landeszeitung: Außer Kontrolle
Kommentar von Elmar Otto zu den "Chaostagen" bei der AfD, wo der Bundesvorstand Thüringens Partei- und Fraktionschef Björn Höcke aller Parteiämter entheben will

Weimar (ots) - Björn Höcke wollte anders sein, sich vom Establishment abheben. Allerdings war seine Außenwirkung gleich zu Beginn die eines Politiknovizen mit rhetorischer Begabung, der sein Rüstzeug in den Jugendorganisationen der doch so verdammten "Altparteien" gelernt hatte.

Im Landtagswahlkampf spitzte der heutige AfD-Partei- und Fraktionschef zu, polarisierte. Da wurde Gender-Mainstreaming zur "Geisteskrankheit" und zu einem "Sonntagskind der Dekadenz". Damit hatte der äußerlich jugendlich anmutende Eichsfelder ebenso Erfolg wie mit seinem gesellschaftlichen Leitbild der Drei-Kinder-Familie.

Doch der Mann auf historischer Mission hat die Kontrolle verloren. Höcke gibt sich tolerant und hält die Freiheit der Meinung hoch, aber gegen Kritiker geht er rigoros vor.

Hinzu kommt: Auch wenn die Union ausreichend Platz am demokratisch rechten Rand lässt, und eine AfD, die sich nur wirtschaftsliberal gibt, nicht überlebensfähig scheint - Höckes Kardinalfehler war, ob beabsichtigt oder durch Naivität, sich bei der NPD anzubiedern. Mit dem Satz "Ich gehe nicht davon aus, dass man jedes einzelne NPD-Mitglied als extremistisch einstufen kann" hat er eine Grenze überschritten.

Wer als demokratischer Volksvertreter den Eindruck erweckt, seine vorrangige Aufgabe sei die Resozialisierung rechtsextremer Parteigänger, disqualifiziert sich selbst.

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