Thüringische Landeszeitung

Thüringische Landeszeitung: Vertrauen nimmt ab - Griechische Drohung ist nur Ablenkung
Leitartikel von Matthias Benkenstein zur aktuellen Entwicklung in der griechischen Schuldenkrise

Weimar (ots) - Tricksereien, Beleidigungen, Betrug und zuletzt auch Drohungen: Die schrillen Töne aus Griechenland reißen nicht ab. Nach der Drohung, Hunderttausende Flüchtlinge in andere EU-Länder ziehen zu lassen, droht Athen nun damit, deutsches Eigentum in dem Krisenstaat zu pfänden. Wieder einmal. Es geht um die Frage der Weltkriegs-Reparationen, die eigentlich schon längst geklärt ist.

Bleibt Griechenland auf diesem konfrontativen Kurs, vergrätzt es die Geberländer immer mehr. Erst vor zwei Wochen hat der Bundestag mit großer Mehrheit für eine Verlängerung der Hellas-Hilfen gestimmt. Zweifler gab es viele, Nein-Stimmen nur wenige. Das könnte bei der nächsten Abstimmung jedoch ganz anders aussehen, schließlich verliert Griechenland von Tag zu Tag mehr Vertrauen.

Daran ist es aber auch selbst Schuld. Man wünscht sich, dass das Land die gleiche Energie, die es darin steckt, die Euro-Länder zu linken, in die notwendigen griechischen Reformen, das Eintreiben von Steuern und vernünftiges Wirtschaften steckt. Davon ist jedoch nicht viel zusehen. Somit wirkt die Drohung in Richtung Deutschland wie ein innenpolitisches Ablenkungsmanöver - das wiederum die griechischen Bürger linkt. Noch dem Motto: Wenn andere die Schuld haben, dass es Griechenland schlecht geht, rückt die Unfähigkeit von Parteien und Regierung in den Hintergrund.

Der Krisenstaat muss vorsichtig sein, um die angeschlagene Beziehung zu Deutschland und den anderen Euro-Staaten nicht endgültig zu zerstören. Er sollte die Verhandlungen über Hilfszahlungen nicht mit der Forderung nach Reparationen verknüpfen. Glücklicherweise gibt es in Griechenland auch Stimmen, die das ebenfalls so sehen, etwa in den Reihen der Sozialdemokratie. Diese war in der vorhergehenden Regierung vertreten - und womöglich findet sie dort auch wieder einen Platz, wenn die Politik der schrillen Töne ins Leere läuft.

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