Thüringische Landeszeitung

Thüringische Landeszeitung: Sture Haltung
Kommentar von Sibylle Göbel zur Entwicklung der griechischen Staatsschuldenkrise

Weimar (ots) - Der griechischen Regierung blieb bei den jüngsten Verhandlungen mit den Euro-Partnerländern gar keine andere Wahl: Wenn sie nicht jede Glaubwürdigkeit verspielen und ihre Wähler gegen sich aufbringen wollte, dann musste sie ihren Gesprächspartnern die Stirn bieten und auf stur schalten. Das scheint derzeit die einzige Münze, mit der sie zahlen kann, wenn sie denn in diesem Finanz- und Machtpoker etwas für die reformgeplagten Griechen herausholen will.

Freilich: Für die Retter Griechenlands ist das eine Zumutung, eine Provokation. Aber es ist zugleich ein Vabanquespiel: Bleibt auch die Eurogruppe bei ihrer Haltung, dann springt bei all dem für Griechenland womöglich nichts heraus als die Staatspleite. Und die wiederum bekäme auch den Geldgebern - allen voran den Deutschen - gar nicht gut. Milliarden wären vermutlich dahin.

Doch nicht nur das bringt deutsche Steuerzahler auf die Palme: Viele fragen sich auch, warum Hellas die Super-Reichen im eigenen Land nicht zur Kasse bittet. Warum Griechenland zwar die Steuerzahler anderer europäischer Staaten in Haftung nehmen, nicht aber bei denen ansetzt, die als Reeder oder Ölmagnaten Unsummen scheffeln und gar nicht daran denken, ihr Heimatland aus der Krise zu führen.

Wohl deshalb, weil nicht die Reichen die Schuld an der Krise tragen, sondern die Politiker selbst. Wenn sich die neue Regierung wirklich von dem absetzen will, was ihre Vorgänger verbockt haben, dann setzt sie nicht nur auf fremdes Geld. Sondern beginnt sofort, im eigenen Land aufzuräumen.

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