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Thüringische Landeszeitung: Gewalt ist nie richtig - Papst Franziskus' Aussage ist empörend
Leitartikel von Katja Dörn zur Legitimation von Schlägen in der Kindererziehung durch den Papst

Weimar (ots) - Was ist "ein bisschen schlagen" und was Gewalt? Das kann auch Papst Franziskus nicht unterscheiden. Das Oberhaupt der katholischen Kirche hat sich mit seiner Äußerung zu elterlicher Züchtigung keinen Gefallen getan. Ihm schlägt jetzt ein Sturm der Entrüstung entgegen - auf dem Kurznachrichtendienst Twitter und auch aus den eigenen katholischen Reihen. Und das völlig zurecht! Wer einen Klaps für ein Kind rechtfertigt, hat die Grundregeln der Menschenwürde nicht verstanden. Umso empörender ist es, dass Franziskus es auch noch als "schön" empfindet, dass ihm ein Vater erzählt hat, er schlage sein Kind, aber nicht ins Gesicht. Der Mann habe einen "Sinn für Würde" und bestrafe auf die "rechte Weise", sagte Franziskus bei der Generalaudienz im Vatikan. Gewalt ist aber immer inakzeptabel. Sie greift die Würde eines Menschen an und demütigt ihn - ob er jung oder alt ist.

Auf die katholische Kirche, die durch zahlreiche Missbrauchsfälle in Deutschland keinen guten Stand hat, wirft die flapsige Aussage erneut ein schlechtes Licht. Sie zeigt, wie rückwärtsgewandt ihr Oberhaupt sein kann, das - polemisch gesagt - keinen Schimmer von der Erziehung von Kindern hat. Religion darf niemals Gewalt rechtfertigen, gerade auch eine katholische Kirche nicht, die stetig Nächstenliebe propagiert.

In 39 Ländern ist das Schlagen von Kindern verboten. Die UN-Kinderrechtskonvention mahnt zu gewaltfreier Erziehung. All diese Bestrebungen könnten mit der leichtfertigen Äußerung von Franziskus zunichte gemacht werden, wenn Eltern seine Worte als Rechtfertigung nutzen, wenn ihnen mal die "Hand ausrutscht".

Franziskus bleibt nur eins: sich schnell von seiner Aussage zu distanzieren und ein klares Zeichen gegen Gewalt zu setzen. Er ist es besonders den Kindern schuldig, die leiden müssen, weil "ein bisschen" geschlagen werden zum Alltag gehört.

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