Thüringische Landeszeitung

Thüringische Landeszeitung: Peitschenknall - Varoufakis und Tsipras in der Bredouille
Leitartikel von Christian Voigt zur aktuellen Entwiclung im Fall Griechenland

Weimar (ots) - Es hat den Anschein, als würde da gerade eine Zwei-Mann-Boygroup durch Europa touren, um mit ihrem lockeren, legeren Stil neue Fans auf ihre Seite zu ziehen. - Davon haben der neue griechische Premier Alexis Tsipras und sein Finanzminister Gianis Varoufakis beileibe nicht viele im Euroraum. Dass sich ein alter Haudegen wie der deutsche Finanzminister Wolfgang Schäuble nicht von Krawatten- und Anzugsdebatten weichkochen lässt, war abzusehen. Schäuble blieb hart, verkündete nach dem Treffen kurz und knapp, dass sich beide nur in ihrer Uneinigkeit einig seien. Er kassierte auch umgehend das Versprechen von EU-Kommissionspräsident Juncker, die Arbeit der Troika in Griechenland zu beenden.

Und sonst? Das harte Sparprogramm trage eine Mitschuld an der griechischen Krise, sagte Varoufakis. Die Eurozone oder gar Deutschland hätten keine Schuld an der Krise, sondern allein die Griechen selber, sagte Schäuble. Die Gräben scheinen tiefer zu werden. Auch deswegen blieb Varoufakis in Berlin nichts anderes übrig, als die Deutschen zu umgarnen.

Natürlich kann Varoufakis Schäuble nicht bedingungslos in dessen Forderungen folgen, das wäre Verrat an seinen Wählern. Aber was, wenn ihm gar nichts anderes übrig bleibt? Die neue Regierung muss Wahlversprechen brechen - das wurde durch den Peitschenknall der Europäischen Zentralbank nun deutlich. Varoufakis ist nicht nur bei Schäuble in seinem Bemühen, auf Zeit zu spielen, abgeblitzt. Die Währungshüter haben Tsipras und Co. die Pistole auf die Brust gesetzt. Griechische Staatsanleihen können ab kommender Woche nicht mehr als Sicherheit für frisches Geld hinterlegt werden. Das könnte im schlimmsten Fall einen Großbrand nach sich ziehen, denn die griechischen Banken müssen sich ihr Geld zu höheren Zinsen von der heimischen Zentralbank besorgen. Gerät der Geldfluss ins Wanken, dürfte der Euro-Austritt schnell auf der Tagesordnung stehen.

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