Thüringische Landeszeitung

Thüringische Landeszeitung: Gräben zugeschüttet - Bei der AfD geht es nun um den Kurs
Leitartikel von Matthias Benkenstein zum Ende des Führungsstreits bei der AfD

Weimar (ots) - Monatelang hatte die Alternative für Deutschland (AfD) über ihre Struktur an der Parteispitze gestritten. Soll es nur einen Vorsitzenden geben? Oder ist eine Doppelspitze oder ein Führungsgremium besser geeignet? Nun hat sich der Bundesvorstand auf einen Vorschlag ihres Co-Vorsitzenden Bernd Lucke geeinigt. Damit könnte der Mann, den führende Parteimitglieder zuvor einen "Kontrollfreak" titulierten und dem eine "Führung nach Gutsherrenart" vorgeworfen wurde, den alleinigen Parteivorsitz übernehmen.

Damit dürften viele AfD-Mitglieder aufatmen, war die Partei während ihres Machtkampfs in letzter Zeit doch hauptsächlich mit selbst beschäftigt. Während etwa ein möglicher Erfolg der linken Syriza bei der Wahl in Griechenland viele in Europa in Aufregung versetzt, war von der AfD bisher ungewöhnlich wenig zu diesem Thema zu hören. So kann die jetzige Einigung deren Mitgliedern nur recht sein. Eine Eskalation hätte niemandem geholfen und die junge Partei als Ganzes gefährdet, gerade im Hinblick auf die nächsten Landtagswahlen.

Was nun nicht bedeutet, dass auf einmal alles Friede, Freude, Eierkuchen wäre. Schließlich geht es in der AfD nicht nur um Macht, sondern auch um den künftigen Kurs. Der Flügel um Lucke und Hans-Olaf Henkel will das bürgerliche und wirtschaftsliberale Image der Partei stärken. Frauke Petry, Konrad Adam und der Vorsitzende der AfD-Fraktion im Potsdamer Landtag, Alexander Gauland, suchen dagegen vor allem unter Islam-Kritikern und "Pegida"-Anhängern Wähler. Noch ist offen in welche Richtung es in Zukunft geht, weshalb die AfD sich in vielen Bereichen noch deutlicher positionieren muss. Vorerst sind die Gräben nur zugeschüttet, doch sie könnten schon bei der Debatte über das Parteiprogramm wieder aufreißen. Dazu kommt das Restrisiko für Lucke, dass er im Mittelbau und bei einfachen Parteimitgliedern teilweise sehr umstritten ist.

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