Thüringische Landeszeitung

Thüringische Landeszeitung: Verbreitete Angst - Aus Anschlägen richtige Schlüsse ziehen
Leitartikel von Christian Voigt zum Terroranschlag von Paris und der Angst vor einer islamistischen Bedrohung

Weimar (ots) - Der Schockzustand nach dem Angriff auf die Grande Nation hielt gestern unvermittelt an. Nach dem Anschlag auf die Redaktion des Satiremagazins "Charlie Hebdo" mit zwölf Toten ist die französische Polizei den Tätern auf der Spur. Die Gerichte werden nach deren Ergreifung ein entsprechendes Urteil fällen.

Unverhältnismäßig ist es derweil, aus dem Geschehenen Gewinn erzielen zu wollen und mit den Ängsten der Bürger zu spielen. Die Pegida-Bewegung kündigte an, mit Trauerflor auf die Straße gehen zu wollen - in Erinnerung an die getöteten Journalisten. Es ist jene Bewegung, die nicht müde wird, die Lügenpresse an den Pranger zu stellen. Marine Le Pen vom rechten Front National forderte ein Referendum für Frankreich über die Todesstrafe. Mehr noch: In einen Krieg gegen den Fundamentalismus sollten die Franzosen ziehen. Auch Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg lässt etwas die Säbel rasseln, wenn er sagt, dass das Militärbündnis im Kampf gegen den Terror natürlich zusammenstehe.

Soll das die Lösung sein? Wohl kaum. Vielmehr sollte die Angst beiseitegeschoben und ein stärkeres Miteinander gesucht werden. Richtig ist es deshalb, wenn sich Muslime weltweit von derlei Taten abgrenzen und sagen: "Das sind keine Muslime." Terrorismus zielt immer darauf ab, Angst zu verbreiten. Die Menschen sollen allein mit der Möglichkeit grausamer Anschläge in Besitz genommen werden. Natürlich erfordert es ein gehöriges Maß an Mut, sich den Ängsten zu stellen. Umfragewerte zeigen, dass ein Großteil der Deutschen den Islam als Bedrohung ansieht. Es sind demnach nicht nur ein paar tausend Pegida-Anhänger, die auf die Straße gehen. Die Angst vor dem Islam ist offensichtlich weit mehr in den Köpfen verbreitet, als einem lieb sein kann. Es verbietet sich, allen Muslimen terroristische Absichten zu unterstellen. Auch das ist unverhältnismäßig gegenüber dem tatsächlich gelebten Islam in Deutschland und Europa.

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