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Thüringische Landeszeitung: Der Krieg bleibt - Afghanistan so unsicher wie lange nicht
Leitartikel von Matthias Benkenstein zur Beendigung des Nato-Kampfeinsatzes in Afghanistan

Weimar (ots) - Ziemlich sang- und klanglos ging der bedeutendste Einsatz der Bundeswehr zu Ende. Bei der Zeremonie in einer Turnhalle in Afghanistan war weder die deutsche Verteidigungsministerin, noch der Generalinspektor oder der Befehlshaber des Einsatzführungskommandos anwesend. Dabei nahmen in den vergangenen 13 Jahren 135 000 deutsche Soldaten an dem Isaf-Einsatz teil, 55 von ihnen starben, unzählige kehrten traumatisiert zurück.

Sie und all die anderen Soldaten aus mehr als zwei Dutzend Ländern haben erreicht, dass in diesem Jahr ein demokratischer Machtwechsel in Afghanistan stattfinden konnte. Auch der Aufbau von Sicherheitskräften, an die nun die Verantwortung abgegeben werden soll, wäre ohne die Schutztruppe nicht möglich gewesen. Gleichzeitig entstanden Krankenhäuser und Schulen - noch nie besuchten so viele Mädchen den Unterricht wie heute.

Zweifellos haben die Isaf-Truppen Erfolge zu vermelden, doch sind diese auch von Dauer? Hat der Kampfeinsatz dem Land geholfen, sich langfristig zu stabilisieren? Das ist längst nicht klar, denn die Sicherheitslage ist so schlecht wie lange nicht. Die Zahl der Anschläge durch die Taliban, die in den vergangenen 13 Jahren militärisch nicht zu besiegen waren, erreichen immer neue Rekorde. Symbolträchtig: Im Sommer hissten Aufständische im ehemaligen Kerngebiet der Bundeswehr um Kundus ihre Flagge. Außerdem gehorchen weite Teile Afghanistans heute wieder den lokalen Warlords, und nicht der Staatsgewalt. Angesichts der vielen schlechten Nachrichten aus diesem Jahr muss damit gerechnet werden, dass alles umsonst war. Um das zu verhindern, darf die Staatengemeinschaft die junge islamische Republik jetzt nicht im Stich lassen. Es bedarf einer endlich durchdachten Entwicklungshilfe und weiterhin westlicher Gelder für Armee, Polizei und Bildung. Mit der neuen Ausbildungsmission allein ist es jedenfalls nicht getan.

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