Thüringische Landeszeitung

Thüringische Landeszeitung: Gelassen trotz Gewalt - Ursachen von Terror auf den Grund gehen
Leitartikel von Matthias Benkenstein zum Attentat in Kanada

Weimar (ots) - War es ein Islamist oder ein Verrückter? Einwandfrei wird wohl nicht mehr zu klären sein, welche Art Mensch der Attentäter von Kanada war, denn der Täter ist tot. Vieles deutet darauf hin, dass er beides war.

Wichtiger ist jetzt die Frage, ob die Sicherheitsbehörden versagt haben und der Anschlag hätte verhindert werden können. Das jedenfalls wird nun reflexhaft von mehreren Seiten behauptet, obwohl es nicht ganz so einfach ist. Es ist zwar so, dass der 32-Jährige als "Reisender mit hohem Sicherheitsrisiko" eingestuft war und auf einer Liste von Personen stand, die wegen einer Terrorgefahr beobachtet werden. Doch was, wenn der Täter wirklich ein Irrer war, der keine konkrete Anzeichen für ein bevorstehendes Attentat erkennen lässt? Die Pläne eines verwirrten Einzeltäters lassen sich kaum bis gar nicht erahnen - siehe das norwegische Massaker auf der Insel Utøya im Jahr 2011. Gegen diese Art von Unberechenbarkeit hilft es auch nicht, mal eben die Strafgesetze zu verschärfen oder soziale Sanktionen auszuweiten. Somit ist die relativ gelassene Reaktion der Kanadier ohne drastische Maßnahmen zu begrüßen.

Es gibt nun mal keine totale Sicherheit - wobei das keine Entschuldigung ist, jetzt gar nichts zu tun. Selbst in den USA, wo eine Art Paranoia vor Terroranschlägen herrscht, kann man sich nicht auf die Sicherheitsdienst verlassen, wie die jüngsten Pannen vor dem Weißen Haus zeigten. Auch in anderen Ländern gab es trotz verschärfter Überwachung immer neue Gewalt und neuen Terror. Und das ist ja auch ein Ziel der Terroristen: Staaten in Panik zu versetzen und zu provozieren. Dagegen hilft kein blinder Aktionismus, sondern nur ein kühler Kopf.

Die wichtigste Frage ist jedoch nicht ob, sondern wie es sich verhindern lässt, dass Menschen die Nähe von Terroristen suchen. Eine befriedigende Antwort darauf gibt es bis heute nicht. Schon gar nicht von den Geheimdiensten.

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