Thüringische Landeszeitung

Thüringische Landeszeitung: Zschäpes Taktik
Kommentar von Hartmut Kaczmarek zum NSU-Prozess

Weimar (ots) - Schweigen ist ihr gutes Recht. Auch wenn es angesichts der Schwere der Anklage deplatziert wirkt. Schweigen - das war die bisherige Taktik der Anwälte von Beate Zschäpe. Nichts erklären, nichts einräumen, nichts sagen, weil man sich ja nur verplappern kann. Schweigen und Wegdrehen vor den Kameras als Prozesstaktik - das ist offenbar nicht aufgegangen.

Die bisherigen teilweise recht mühsamen Verhandlungstage haben eins gezeigt: Beate Zschäpe war mehr als nur die Begleiterin der beiden Uwes, sie war schon in den Jenaer Tagen ein festes Mitglied der rechtsextremistischen Thüringer Szene, hatte ein festgefügtes rechtsextremes Weltbild, wie erst jüngst die Aussagen von Tino Brandt vor Gericht belegten. Dem windigen und vorbestraften Rechtsextremisten und V-Mann muss man zwar mit äußerster Vorsicht begegnen - aber warum sollte er aber in dieser Frage nicht die Wahrheit sagen? Zu verlieren hat  er  eh nichts mehr.

Aber wie lange ist dieses Schweigen Zschäpes durchzuhalten? Führt das nicht in eine prozessuale Sackgasse für sie, die ja nicht als Mitläuferin, sondern als Mittäterin angeklagt ist. Es wäre gut, wenn sie das begriffen hätte und aus diesem Grunde ihren Verteidigern das Vertrauen entzogen hat. Von einer Aussage Zschäpes vor Gericht darf man sich aber nicht allzu viel versprechen, dafür hat sie sich in den vergangenen Prozessmonaten viel zu eiskalt präsentiert.

Vielleicht ist diese Eiseskälte auch der Grund für den neuesten Schachzug. Will sie - kühl überlegt - den Prozess zum Platzen bringen? Sie muss schon gute Gründe haben, warum sie ihren Rechtsanwälten plötzlich misstraut. Das Gericht sollte ein Spiel, das auf Prozessverschleppung oder ein neues Verfahren hinausläuft, nicht mitmachen. Aber Richter Götzl hat bisher schon große Umsicht bewiesen - die wird er sicher auch in dieser Frage haben.

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