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Thüringische Landeszeitung: Ende des Vertrauens
Kommentar von Florian Girwert zur Abhöraffäre in Polen

Weimar (ots) - Ein wenig erinnert die Affäre an die Veröffentlichung von Botschaftsdepeschen über die Plattform Wikileaks. Nicht alles, aber ein guter Teil dessen, was derzeit in Polen über die Arbeit der Regierung enthüllt wird, hat eigentlich in der Öffentlichkeit nichts verloren. Keine Frage, wenn Illegales zum Vorschein kommt, sollte das Konsequenzen haben.

Doch wenn zu Tage kommt, dass einzelne Minister von Kollegen in der eigenen Regierung oder in Opposition oder befreundeten Regierungen wenig bis gar nichts halten und das im kleinen Kreis auch offen sagen, dann stellt sich schon die Frage: Wo ist hier eigentlich der Skandal? Der polnische Premier Donald Tusk und seine Regierung werden, wie vor allem die US-Regierung ab 2010, lernen müssen, wie man damit umgeht, dass auch Vertrauliches nicht mehr selbstverständlich vertraulich ist.

Die Öffentlichkeit mag verlangen, dass ihre demokratisch gewählte Regierung offen zu ihnen ist. Doch wer gut zusammenarbeiten will, muss sich manchmal auch auf Vertraulichkeit verlassen können - viele Menschen kennen das aus eigener Erfahrung. Dass man im kleinen Kreis auch mal schlecht über andere redet, mag unehrenhaft sein, ist jedoch quer durch alle Schichten weit verbreitet - und wird es wohl auch bleiben.

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